Eishockey NHL
Schubert greift nach dem Stanley-Cup

Einen Traum hat sich Christoph Schubert bereits erfüllt, nun soll der nächste Coup gelingen. Nach dem Einzug ins Stanley-Cup-Finale will der Verteidiger mit den Ottawa Senators als zweiter Deutscher den Titel holen.

In den Fußstapfen von Uwe Krupp auf dem Weg in die Geschichtsbücher: Christoph Schubert steht vor der Erfüllung seines Lebenstraums. Elf Jahre nach dem Coup des heutigen Bundestrainers schickt sich der Nationalspieler an, als zweiter Deutscher den Stanley-Cup zu gewinnen.

Als Krupp 1996 in der dritten Verlängerung die Colorado Avalanche zum begehrtesten Titel im Eishockey schoss, schlief Schubert selig. Mit 14 Jahren war der Münchner damals "noch zu jung", um mitten in der Nacht den ersten und bislang einzigen deutschen NHL-Meister am heimischen Bildschirm in Aktion zu sehen.

"Das ist Wahnsinn" - Startschuss zum Finalduell

Mit den Ottawa Senators greift Schubert jetzt selbst nach der begehrtesten Trophäe im Eishockey, in der Nacht zu Dienstag bestreitet der 25-Jährige mit den Kanadiern bei den Anaheim Ducks das erste Play-off-Duell nach dem "best-of -seven"-Modus. "Damals habe ich mir das Spiel am nächsten Nachmittag angesehen, wir hatten es auf Video aufgenommen", erinnert sich Schubert.

Spätestens als er an jenem 10. Juni 1996 Krupps goldenen Schuss zum 1:0 im vierten Endspiel gegen die Florida Panthers sah, war Schubert klar: Er wollte auch in die NHL. "Das war die Zeit, als ich eine Idee davon bekam, was die NHL ist, und selbst dort spielen wollte", sagt Schubert. Diesen Traum hat er sich - nach drei schwierigen Jahren in der Farmliga AHL - erfüllt: "Ich stehe im Stanley-Cup-Finale, davon träumen alle. Das ist Wahnsinn."

Der Münchner, der vor seinem Wechsel nach Nordamerika beim EV Landshut und bei den München Barons spielte, ist erst der dritte Deutsche im NHL-Endspiel. Nach Krupps Triumph versuchte es 1998 Olaf Kölzig mit den Washington Capitals, doch der Nationaltorwart scheiterte in vier Spielen an den Detroit Red Wings. 2002 gehörte Krupp zwar zum Kader der Red Wings, die die Carolina Hurricanes im Finale besiegten, kam aber in den Play-offs nicht zum Einsatz und wird nicht als Stanley-Cup-Sieger geführt, weil er zu wenige Spiele absolvierte.

Der heutige Bundestrainer drückt daheim in Atlanta die Daumen. "Ich freue mich wie verrückt für ihn", sagt Krupp: "Das ist super und eine Riesenchance." Für seinen Nationalmannschafts-Schützling, der 44 Spiele für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bestritt, ist das Finale der Karrierehöhepunkt.

"Es ist schön, für sein Land zu spielen - bei der WM, Olympia oder dem World Cup. Aber wenn du die Chance hast, um den Stanley-Cup zu spielen, und das ist nicht das wichtigste Spiel deines Lebens, dann stimmt mit dir irgendwas nicht", sagt Schubert, der bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2005, bei den Olympischen Spielen 2002 und 2006 sowie beim World Cup 2004 das DEB-Trikot trug.

"Die ganze Stadt ist auf den Beinen, alle wollen den Titel"

Dass er ausgerechnet mit einem kanadischen Team nach dem Titel greift, steigert die Bedeutung weiter. "Die ganze Stadt ist auf den Beinen", beschreibt Schubert die Euphorie der Fans in der Hauptstadt, die dem ersten kanadischen Stanley-Cup-Sieg seit 1993 (Montreal Canadiens) entgegenfiebern. Die Stimmung sei vergleichbar mit der Fußball-WM im vergangenen Jahr in Deutschland: "Diese Stadt ist eishockeyverrückt, alle wollen den Titel."

Eine Hauptrolle wie Krupp 1996, der damals zu den besten Verteidigern der Welt gehörte, wird Schubert aber wohl nicht spielen. Der gelernte Abwehrspieler muss bei den Senators als Stürmer in der vierten Reihe aushelfen und kommt meist nur auf acht oder neun Minuten Einsatzzeit pro Spiel. "Natürlich würde ich lieber als Verteidiger spielen", sagt der Münchner: "Aber ich helfe der Mannschaft da, wo sie mich braucht."

Nachdem er in der regulären Saison immerhin acht Tore und 17 Vorlagen verbuchte und beim 7:2-Sieg im März bei Tampa Bay Lightning mit drei Scorerpunkten sogar als bester Spieler ausgezeichnet worden war, ging Schubert in den Play-offs bisher leer aus. Mit einem einzigen Treffer könnte er sich allerdings unsterblich machen - wie Uwe Krupp vor elf Jahren.

© SID

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