Eishockey-WM 2005 in Österreich
Kommentar: Unterirdisch

Die Spieler der deutschen Eishocke-Nationalmannschaft sind vor dem Schicksalsspiel gegen Slowenien verunsichert wie selten. Doch die Trainerdiskussion kommt zum falschen Zeitpunkt.

Am Ort des größten Erfolges des deutschen Eishockeys muss die Nationalmannschaft ab heute versuchen, den maximalen Misserfolg zu vermeiden. In Innsbruck trifft die DEB-Auswahl im zweiten Abstiegsrundenspiel auf Slowenien (12.10 Uhr/DSF) - dort, wo sie 1976 die olympische Bronzemedaille gewann.

Eine - allerdings negative - Sensation wäre eine Niederlage heute gegen den Aufsteiger und der damit fast sichere Gang in die B-Gruppe. Nach den zum Teil desaströsen Leistungen in der Vorrunde wertete Bundestrainer Greg Poss das 2:2 gegen Österreich zum Auftakt der Relegation als "gutes Ergebnis". Im zweiten Spiel innerhalb von 20 Stunden habe am Ende die Kraft gefehlt, um das 2:0 zu halten. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Es fehlt dem Team an der spielerischen und taktischen Reife. Die Systemumstellungen von Poss sind nicht von allen Spielern nachzuvollziehen. Aggressiv nach vorne oder doch defensiv orientiert? Die Spieler sind verunsichert. Und wenn sich nicht alle an die Marschroute halten, dann sind Fehler vorgezeichnet. Selten wurden deutsche Nationalmannschaften so häufig ausgekontert wie bei diesem Turnier.

Offenbar hat Poss in zu kurzer Zeit zuviel verändert. Erst im November hat der 39-Jährige das Nationalteam übernommen. Der Bruch ist groß. Und ein Fehler Poss? war sicher, sein "attraktives Spielsystem" zu propagieren und große Ziele zu anzukündigen. "Warum sollen wir nicht, wie die Griechen im Fußball, eine Überraschung schaffen." Aussagen, die jetzt wie ein Bumerang zurückkommen. Vorgänger Hans Zach geißelte Poss? Systemdiskussion in der Presse als "lächerlich" und zeigte sich einer Rückkehr gegenüber "offen".

Eine unangenehme Diskussion zum falschen Zeitpunkt. "Die Trainerfrage stellt sich nicht. Wir brauchen Ruhe," übt sich DEB-Präsident Hans-Ulrich Esken, der Poss als Teamchef durchsetzte, in Durchhalteparolen. Die Assistenten Höfner und Englbrecht, zu Zachs Zeiten nur Erfüllungsgehilfen, wirken orientierungslos. Poss ist derzeit ein Einzelkämpfer mit einer verunsicherten Mannschaft, in der Leistungsträger wie Jan Benda in unterirdischer Form spielen. Ein gefährliches Fahrwasser für das Schicksalsspiel gegen Slowenien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%