Eishockey WM
Charaktertest in der Abstiegsrunde

Bei der Eishockey-WM in der Schweiz bittet Uwe Krupp in der Abstiegsrunde zum Charaktertest. "Wir werden sehen, wer sich am besten durchsetzen kann", so der Bundestrainer.

Die Abstiegsrunde ohne Abstiegsgefahr ist sportlich bedeutungslos, dennoch steht für die deutschen Eishockey-Nationalspieler und Bundestrainer Uwe Krupp viel auf dem Spiel. "Wir werden sehen, welche Spieler sich am besten durchsetzen können, wer am besten mit dieser Situation klarkommt", sagte Krupp vor dem ersten Relegationsspiel am heutigen Freitag (16.15 Uhr/live im DSF) gegen Dänemark.

"Denn wir stehen immer auf des Messers Schneide. Dafür musst du eine Mannschaft haben, die mental stark ist", sagte der Bundestrainer weiter. Im Klartext: Wer in der bedeutungslosen Abstiegsrunde am besten mitzieht, hat die besten Chancen auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2010. Wer sich hängen lässt, fällt raus. Denn die Plätze für Vancouver sind limitiert, weil im Februar alle NHL-Profis zur Verfügung stehen.

Doch auch Krupp selbst steht auf dem Prüfstand. Trotz der massiven Attacken der mitgereisten Fans in Bern ist der Bundestrainer beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) zwar weiter unumstritten. Doch ein sportlicher Abstieg, der nur durch die Gastgeberrolle bei der WM im nächsten Jahr hinfällig wäre, würde die Kritik an Krupp zusätzlich befeuern.

Krupp muss sich in der Krise bewähren

"Ich empfinde den Druck als nicht so groß", sagte der 43-Jährige und verwies auf die Olympia-Qualifikation im Februar, bei der die Vancouver-Reise auf dem Spiel stand: "Da war der Druck viel größer." Doch genauso wie Krupp sehen will, wie seine Spieler in schlechten Zeiten reagieren, wird auch bei ihm selbst genau hingeschaut werden, wie er sich in der ersten wirklichen Krise seiner Amtszeit verhält und wie er auf die Mannschaft einwirkt.

Probleme mit der richtigen Einstellung erwartet der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger in den Spielen gegen Dänemark, am Sonntag (12.15 Uhr) gegen Österreich und am Montag (12.15 Uhr) gegen Ungarn nicht. "Ich habe nur ein Problem mit einer Mannschaft, die nicht kämpft, die in der Kabine sitzt und die Köpfe hängen lässt, in der der Wurm drin ist. Aber das gibt's bei uns nicht", sagte Krupp.

Die Verbandsspitze stärkt dem Bundestrainer, der nach der 1: 2-Pleite gegen Frankreich von den Fans verhöhnt und mit Bier übergossen worden war, demonstrativ den Rücken. "Er macht hervorragende Arbeit, wir sind sehr zufrieden mit ihm", betonte DEB-Generalsekretär Franz Reindl. Auch zunehmende Kritik an Krupp macht ihm keine Sorgen: "Ich habe keine Angst vor einer Trainerdiskussion. Uwe steht völlig außer Frage."

Image vor der Heim-WM vorerst ramponiert

Reindl weiß allerdings auch, dass ein Jahr vor der Heim-WM mit dem öffentlichkeitswirksamen Rekord-Eröffnungsspiel auf Schalke die Chance auf Werbung in eigener Sache verspielt worden ist. Nachdem eine Million TV-Zuschauer die Pleite gegen Frankreich - und die schlechteste Leistung unter Krupp - sahen, ist das Image der jungen, aufstrebenden Mannschaft, die bei der Heim-WM über sich hinaus wachsen will, erstmal zerstört.

Was verspielt wurde, sei in den verbleibenden Spielen nicht mehr wiedergutzumachen, meinte Reindl: "Das ist nicht mehr auszubügeln. Wir können uns nur noch so gut wie möglich aus der Affäre ziehen." In der Weltrangliste büßt die DEB-Auswahl aller Voraussicht nach zwei Plätze ein und rutscht auf Rang zwölf ab - mit der Konsequenz, dass 2010 zwei Vorrundengegner aus den Top Fünf kommen werden.

Dritter Kontrahent wäre Dänemark, wenn der Auftaktgegner in der Relegation den Klassenerhalt schafft. Mit den Nachbarn, die die DEB-Auswahl in der Vorbereitung zweimal souverän schlug (3:0, 7:2), hat sie noch eine Rechnung offen. Vor vier Jahren schickten die Dänen sie in Innsbruck in die Zweitklassigkeit.

Nicht nur weil diesmal kein Abstieg möglich ist, sieht Reindl keine Parallelen zum WM-Debakel 2005 unter Krupps Vorgänger Greg Poss: "Das kann man nicht vergleichen. Die Mannschaft ist eine kompakte Einheit. Das Spiel gegen Frankreich war eine einmalige Ausnahme.'

© SID

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