Eishockey WM
DEB-Team gegen Frankreich mit dem Rücken zur Wand

Nur mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich kann Deutschland noch die Zwischenrunde der Eishockey-WM erreichen. Viel wird dabei von NHL-Profi Jochen Hecht abhängen.

Er ist seit fast einer Woche in Bern, aber richtig angekommen ist Jochen Hecht bei der Eishockey-WM noch nicht. Beim 2:3 im Overtime-Krimi gegen die Schweiz hatte der deutsche Hoffnungsträger das Siegtor auf dem Schläger, doch es passte ins Bild, dass der NHL-Profi kurz vor Schluss scheiterte. "Es geht schon besser", meinte der 31-Jährige von den Buffalo Sabres zwar, aber er wirkt in der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) noch etwas desorientiert.

Mit dem Gegner im heutigen entscheidenden letzten Vorrundenspiel (20.15 Uhr/live im DSF) kann Hecht auch wenig anfangen. "Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich schon mal gegen Frankreich gespielt habe", sagte der Außenstürmer, der erstmals seit der WM 2005 wieder das DEB-Trikot trägt.

Gleichwohl weiß er aber, dass das Duell um den Einzug in die Zwischenrunde kein Selbstläufer wird. "Wir müssen unser bestes Eishockey spielen", forderte Hecht, der allerdings selbst noch weit davon entfernt ist, diesen Anspruch zu erfüllen.

Hecht muss sich noch steigern

"Er ist noch dabei, seinen Weg in die Mannschaft zu finden", urteilte Bundestrainer Uwe Krupp. Sein Führungsspieler war gegen die Schweiz zwar schon deutlich präsenter als beim 0:5 gegen Weltmeister Russland, doch in den entscheidenden Szenen hatte er sich nicht durchsetzen können.

"Er wird sich von Spiel zu Spiel steigern", prophezeite Krupp, der mit Hecht bei Olympia 1998 in Nagano noch zusammen auf dem Eis stand: "Er war schon stärker als gegen Russland, und er wird uns sicherlich noch helfen. Ich bin froh, dass er dabei ist."

Gegen Frankreich soll Hecht auch helfen, dass die Nerven im Vorrundenfinale nicht flattern. "Wir waren doch schon in der Vergangenheit immer in dieser Situation", sagte der NHL-Profi zuversichtlich. Allerdings sind seine Erinnerungen an entscheidende WM-Spiele eher schlechte: 2004 verpasste er mit dem DEB-Team nach einem 0:1 gegen die Schweiz das eigentlich schon sichere Viertelfinale, ein Jahr später stieg er nach Niederlagen gegen Kasachstan (1:2) und Dänemark (2:3) sogar ab - wie schon 1998, als Hecht und Co. im letzten Spiel nicht über ein 4:4 gegen Italien hinauskamen und in die Relegation mussten.

Dort stürzte die deutsche Mannschaft, dann ohne Hecht, in die Zweitklassigkeit - durch eine 1:3-Pleite gegen Frankreich. Dieses Horrorszenario droht diesmal nicht, denn als WM-Gastgeber 2010 kann die DEB-Auswahl nicht absteigen. Eine Pleite gegen die Franzosen würde allerdings das Ende aller Viertelfinalträume bedeuten. Die Runde der letzten Acht, die zuletzt bei der WM 2003 - ohne NHL-Spieler - erreicht wurde, ist das erklärte Ziel, auch für Hecht: "Wir wissen, dass wir es erreichen können."

Hecht: "Will mich ins System einbringen"

Dass er dafür mehr Akzente setzen muss, weiß der ehemalige Mannheimer auch. "Aber das heißt nicht, dass ich mir den Puck nehme und von hinten nach vorne durchlaufe", sagte er: "Das ist nicht mein Spiel. Ich passe und laufe mich frei. Ich will mich ins System einbringen."

Wie das Kruppsche System funktioniert, muss der NHL-Routinier aber erst noch lernen. "Wir haben es ihm erklärt, aber das ist alles sehr theoretisch", sagte Krupp, "er muss sich reinspielen. Wir wollen ihn nicht mit Informationen überhäufen."

Vielleicht aber erzählen ihm seine Kollegen von einer erfreulicheren Frankreich-Erinnerung. Vor drei Jahren stieg das Krupp-Team durch ein 5:0 in Amiens wieder in die A-Gruppe auf. Dann fällt Hecht möglicherweise auch ein, dass er schon einmal bei einer WM gegen die "Blauen" spielte - und 1997 in Helsinki 1:2 verlor.

© SID

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