Eishockey WM
Deutschland gegen Russland chancenlos

Zum Auftakt der Eishockey-WM hat das DEB-Team gegen den Titelverteidiger Russland mit 0:5 (0:3, 0:0, 0:2) eine deutliche Niederlage einstecken müssen.

Die Beine waren schwer, die Wege weit, und das Ergebnis war ernüchternd: Jochen Hecht hatte sich seine Rückkehr in die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ein wenig anders vorgestellt. "Es fehlt uns doch noch einiges, um da mitzuhalten", sagte der NHL-Profi nach der 0:5 (0:3, 0:0, 0:2)-Niederlage zum WM-Auftakt gegen Weltmeister Russland und stellte fest: "Der Gegner war übermächtig."

Tags zuvor erst war der 31-Jährige, der zuletzt bei der WM 2005 für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) gespielt hatte, aus den USA in Bern eingetroffen. Der Jetlag steckte dem Stürmer der Buffalo Sabres noch in den Knochen. "Es war am Anfang ein bisschen schwer. Ich bin im Eis fast eingesunken", meinte Hecht, dem auch die große Eisfläche Probleme bereitete: "Die Umstellung war sehr schwierig. Die Laufwege sind lang, das Timing ist anders."

Erst wenige Stunden vor dem ersten Bully hatte der deutsche Hoffnungsträger Grünes Licht bekommen. Das negative Analyseergebnis der vor einer Woche genommenen Dopingprobe war am Morgen noch rechtzeitig eingetroffen, so dass die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) dem WM-Einsatz zustimmte. "Das war schon nervenaufreibend", meinte Hecht, der nicht wie vorgeschrieben seit sechs Monaten zum Nada-Testpool gehört hatte. Deshalb hatte der DEB eine Ausnahmegenehmigung beantragen müssen. "Ich bin froh, dass es geklappt hat."

Hecht noch mit Anpassungsproblemen

Während Hecht noch mit Anpassungsproblemen kämpfte, spielte der Rekordweltmeister die deutsche Mannschaft regelrecht schwindelig. Schon nach zehn Minuten und zwei wunderschön herausgespielten Toren durch Oleg Saprykin (9.) und NHL-Star Ilja Kowaltschuk (10.) war klar, dass es im 35. WM-Duell mit der Sbornaja die 35. Niederlage geben würde. Das Wunder von Bern blieb vor 10 570 Zuschauern in der Allmend-Halle aus - nur wenige hundert Meter vom Wankdorfstadion entfernt, wo Fritz 1954 mit ihrem Finalsieg Fußball-Geschichte geschrieben hatten.

"Wenn man so viele Strafzeiten nimmt, zieht man gegen einen solchen Gegner den Kürzeren", meinte Hecht, dessen Teamkollegen insgesamt neunmal auf die Strafbank wanderten und den Russen so das Siegen leicht machten. Die Hoffnung, der Titelverteidiger könnte den Außenseiter auf die leichte Schulter nehmen, erfüllte sich nicht. "Die Zeiten sind vorbei, dass man sagen konnte: Der russische Bär ist launisch", stellte Kapitän Andreas Renz fest: "Sie haben heute bewiesen, dass sie wieder Weltmeister werden wollen. Davon können wir nur lernen."

Dimitri Pätzold verhindert höhere Niederlage

Sergej Sinowjew (16.), Anton Kurjanow (43.) und Danis Saripow (52.) krönten mit ihren Toren den Angriffswirbel der Russen, die zwar mit elf Weltmeistern von 2008, aber mit nur fünf NHL-Profis antraten. Der starke Torhüter Dimitri Pätzold verhinderte eine noch deutlichere Pleite. "Für uns bricht keine Welt zusammen, diese Niederlage musste man einplanen", meinte Renz und richtete den Blick schon auf das nächste Vorrundenspiel am Sonntag (16.15 Uhr/live im DSF) gegen Gastgeber Schweiz: "Die haben Druck vor eigenem Publikum. Sie wollen wir ärgern."

Gegen die Eidgenossen will auch Hecht der Mannschaft mehr helfen als bei seinem ersten Spiel nach vier Jahren Pause. "Ich will ein Vorbild sein auf dem Eis und offensiv für ein paar Tore sorgen", kündigte der Stürmer an, der mit Buffalo die Play-offs um den Stanley Cup verpasst hatte.

Derweil träumte sein NHL-Kollege Christoph Schubert von Historischem. "Das Viertelfinale ist für uns immer drin. Aber vielleicht machen wir mal das zweite Wunder von Bern", sagte der Verteidiger der Ottawa Senators: "Dass wir Weltmeister werden, glaube ich nicht. Aber wir haben eine gute Mannschaft."

© SID

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