Eishockey WM
Doan kontert Kritik an seiner Person mit WM-Titel

Auch nach dem WM-Sieg mit Kanada war Kapitän Shane Doan zunächst nicht nach feiern zumute. Zu sehr belastete den 30-Jährigen die Kritik an seiner Person. "Ich hoffe, sie wissen jetzt, wer ich wirklich bin", so Doan.

Bei der kanadischen Nationalmannschaft herrschte nach dem Sieg im WM-Finale in Russland gegen Finnland grenzenloser Jubel. Lediglich bei Kapitän Shane Doan hielt sich die Freude aufgrund des Ärgers um seine Person in Grenzen. "Die Leute denken sowieso, was sie wollen", so Doan nach dem 4:2-Finaltriumph.

Auch mit der Goldmedaille um den Hals hatte der NHL-Profi die Kontroverse in der Heimat um seine Person nicht vergessen: "Ich hoffe, sie wissen jetzt, wer ich wirklich bin. Aber ich weiß auch, dass sie ohnehin nur das glauben, was sie wollen."

Wegen angeblich beleidigender Äußerungen über seine frankophonen Landsleute hatte das kanadische Parlament vor zwei Wochen den Stürmer der Phoenix Coyotes an den Pranger und seine Ernennung zum Kapitän in Frage gestellt. Während der 30-Jährige sogar einen Anruf von Premierminister Stephen Harper erhielt, mussten die Verbandsoffiziellen nach Ottawa fliegen und ihre Entscheidung rechtfertigen.

"Die Unterstützung war groß"

"Am Anfang hat es wirklich nicht viel Spaß gemacht", sagte Doan rückblickend: "Doch die Unterstützung war groß. Ob die Familie, der Verband oder die Mitspieler - sie alle haben es mir leicht gemacht. Sie waren unbeschreiblich." Der kritisierte Kapitän bedankte sich auf seine Weise und führte Team Canada nicht nur mit fünf Toren und fünf Vorlagen auf dem Eis, sondern auch als emotionaler Anführer in der Kabine zum 24. WM-Titel.

"Es war unglaublich nach all dem, was passiert ist", lobte Torjäger Rick Nash, der das Finale mit zwei Treffern entschied und zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde: "Er ist unser Kapitän, und er verdient das "C" auf der Brust." Dass über angebliche Beschimpfungen eines frankokanadischen Schiedsrichters in einem NHL-Spiel im Dezember 2005, die die Liga längst zu den Akten gelegt hatte, ein solcher Wirbel entstand, verstanden nicht nur viele Kanadier, sondern auch Doans Teamkollegen nicht.

"Es war totale Zeitverschwendung"

"Das war von Anfang an ein Witz", meinte Verteidiger Eric Brewer: "Es war totale Zeitverschwendung. Die Leute sollten eigentlich Wichtigeres zu tun haben." Trainer Andy Murray, der sich von Beginn an hinter seinen Kapitän gestellt hatte, ergänzte: "Ich bin kein Politiker, sondern ein Eishockey-Coach. Aber wenn ich sowas sehe, kann ich nur den Kopf schütteln."

Die Freude über seine dritte Goldmedaille in fünf Jahren wollte sich Doan aber doch nicht ganz vermiesen lassen. Ob die leidige Kontroverse denn seine Einstellung zu Kanada und dem kanadischen Eishockey geändert habe, wurde er gefragt. "Nein, überhaupt nicht", antwortete er, es gebe keine bessere Eishockey-Nation als Kanada.

Dieser Erkenntnis konnten auch die Finnen nicht widersprechen, die wieder einmal ein Finale verloren - zum sechsten Mal seit dem einzigen WM-Titelgewinn 1995, viermal bei einer WM, zudem beim World Cup 2004 und bei Olympia 2006. "Das letzte Spiel zu verlieren, ist immer bitter", sagte Mikko Koivu und blickte traurig auf die Silbermedaille: "Aber in ein paar Stunden werden wir zurückschauen und stolz auf das sein, was wir hier geleistet haben."

Kanada nun alleiniger Rekordweltmeister

Der ewige Zweite hatte immerhin im Halbfinale den Gastgeber und Turnierfavoriten Russland um den ersten WM-Titel seit 14 Jahren gebracht. Doch im Endspiel gegen die Kanadier, die nun alleiniger Rekordweltmeister sind, reichte es nicht mehr. Matchwinner Nash (7. und 59.), Jungstar Eric Staal (14.) sowie Colby Armstrong (30.) machten den Triumph der Ahornblätter perfekt, obwohl die Finnen durch Tore von Petri Kontiola (52.) und Antti Miettinen (58.) noch einmal herankamen.

"Die Russen haben die talentiertesten Stürmer der Welt", meinte Jarkko Ruutu: "Aber dies ist ein Teamsport. Kanada hat Spieler für jede Aufgabe, und sie alle haben ein großes Herz." Da wollte niemand widersprechen, nicht einmal das kanadische Parlament.

© SID

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