Eishockey-WM Mit Draisaitl zum erneuten WM-Märchen?

Am liebsten hätte sich Leon Draisaitl längst auf den Weg nach Köln gemacht. Die WM-Freigabe hat der NHL-Star bereits erhalten. Vor dem Spiel gegen Dänemark sieht sich das deutsche Team auch ohne ihn wieder auf Kurs.
Update: 11.05.2017 - 20:54 Uhr Kommentieren
Der DEB setzt auf Draisaitl und will den Kölner, der bei den Edmonton Oilers in der NHL spielt, in seinen Heimatstadt holen. Quelle: dpa
Leon Draisaitl

Der DEB setzt auf Draisaitl und will den Kölner, der bei den Edmonton Oilers in der NHL spielt, in seinen Heimatstadt holen.

(Foto: dpa)

KölnNach dem erhofften Schlüsselmoment beim Zittersieg gegen die Slowakei setzt der Deutsche Eishockey-Bund auf Leon Draisaitl als Garanten für ein erneutes WM-Märchen. Der DEB versucht vor dem nächsten Gruppenspiel am Freitag gegen Dänemark (20.15 Uhr/Sport1) alles, den Weltklassespieler der Edmonton Oilers so schnell wie möglich in dessen Heimatstadt Köln zu holen. „Wir arbeiten daran. Ich bin positiv gestimmt“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Am Abend erhielt der 21 Jahre alte NHL-Superstar bereits die Freigabe der Oilers.

Wann der Starspieler in Köln eintrifft, war aber noch unklar. In der Nacht zuvor war der in dieser Saison zum Superstar aufgestiegene Draisaitl in den NHL-Playoffs mit den Oilers ausgeschieden. Schon wenig später nahm er Kontakt zu Bundestrainer Marco Sturm auf. „Er will kommen“, berichtete Sturm nach dem Training am Mittag in Köln. „Leon ist halt ein Kölner. Das ist seine Stadt. Er will hier noch unbedingt spielen.“

Am Freitag gegen die Dänen muss das deutsche Team noch ohne ihren Superstar auskommen, doch danach soll Draisaitl der entscheidende Faktor auf dem Weg ins Viertelfinale werden. „Das wäre sehr, sehr wichtig für uns. Er ist der beste Eishockeyspieler, den wir in Deutschland haben“, sagte Verteidiger Dennis Seidenberg von den New York Islanders zur bevorstehenden dritten WM-Teilnahme Draisaitls.

Die deutschen Träume vom Viertelfinale
Wer sind die Favoriten?
1 von 8

Als Top-Favoriten gelten Kanada und Russland. Kanada holte zuletzt zweimal in Serie den WM-Titel in das Eishockey-Mutterland. Russland ist mit 27 Titeln Rekord-Weltmeister und war 2014 zum bislang letzten Mal Titelträger. Geheimfavorit ist diesmal Schweden, das mit etlichen Top-Talenten antritt. Die Skandinavier gewannen bereits neun WM-Titel. Schweden und Russland sind auch deutsche Vorrundengegner.

Wie stehen die deutschen Chancen?
2 von 8

Deutschland ist wie immer zunächst nur Außenseiter. Das Ziel ist aber die erneute Viertelfinal-Teilnahme. Mit etwas Glück und dem passenden Gegner könnte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) dann wie zuletzt 2010 ins Halbfinale einziehen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Das Team ist auf dem Papier besser besetzt als vor sieben Jahren. Auch damals fand das Turnier in Deutschland statt. Vor heimischem Publikum ist Deutschland traditionell sehr erfolgreich.

Wer sind die wichtigsten deutschen Spieler?
3 von 8

Kapitän Marcel Goc ist verletzt und der beste Deutsche Leon Draisaitl in den NHL-Playoffs gebunden. Davon abgesehen tritt Deutschland in Bestbesetzung an. Leistungsträger sind besonders Goalie Thomas Greiss und dessen NHL-Teamkollege Dennis Seidenberg. Im Angriff liegt der Fokus auf NHL-Profi Tobias Rieder und DEL-Toptorjäger Patrick Reimer.

Wer sind die übrigen deutschen Vorrundengegner?
4 von 8

Der Auftakt hat es in sich. Nur 24 Stunden nach dem USA-Spiel wartet Schweden, bereits am Montag geht es dann gegen die Russen. „Realistisch gesehen könnten wir nach drei Spielen noch ohne Punkt dastehen“, warnte Reindl. Danach müssen Punkte eingefahren werden gegen die Slowakei, Dänemark, Italien und Lettland.

Wie ist der Modus?
5 von 8

Es gibt zwei Achtergruppen. Deutschland trägt all seine Spiele in der Gruppe A in Köln aus. Co-Gastgeber Frankreich spielt in der Gruppe B in Paris. Das Finalwochenende mit Halbfinals und dem Endspiel findet nur in Köln statt. Die besten Vier aus jeder Gruppe qualifizieren sich für das Viertelfinale, das über Kreuz ausgetragen wird. Das heißt, dass etwa der Sieger der Gruppe A gegen den Vierten der anderen Gruppe und der Zweite gegen den Dritten aus der B-Staffel spielen. Die beiden Gruppenletzten steigen direkt ab. Als Aufsteiger für 2018 in Dänemark stehen jetzt schon Österreich und Südkorea fest.

Wo sind die Spiele im Fernsehen zu sehen?
6 von 8

Sport 1 überträgt alle deutschen Spiele live im Free-TV, zudem die Halbfinals und das Endspiel. Insgesamt sind 26 der 64 WM-Partien live und frei empfangbar beim Spartensender zu sehen. Zehn weitere Spiele gibt es im Bezahlfernsehen bei Sport 1+ und wiederum sieben andere Partien im kostenlosen Livestream auf sport1.de.

Findet die WM zum ersten Mal in zwei verschiedenen Ländern statt?
7 von 8

Nein. Das gab es schon 2012 und 2013. Damals trugen jeweils Finnland (Helsinki) und Schweden (Stockholm) die WM-Turniere gemeinsam aus.

Kurzfristig mussten noch letzte Formalia geklärt werden. Der bisherige Vertrag des 21-Jährigen bei den Oilers ist ausgelaufen. Ein neuer zu erheblich höheren Bezügen wird gerade verhandelt. Für den Fall einer Verletzung bei der WM musste der DEB eine Versicherung besorgen. Das ist Chefsache. „Franz (Reindl) ist der derjenige, der das Geld aufbringen muss“, sagte Sturm.

„Das geht schnell. Wir sind natürlich vorbereitet und arbeiten mit Hockdruck dran“, sagte DEB-Chef Reindl. Am Abend folgte die Oilers-Freigabe. „Vielleicht könnte er morgen schon fliegen“, meinte Sturm am Donnerstag. Damit wäre ein Einsatz Draisaitls am Samstag gegen Italien vielleicht schon möglich.

Ob zudem Torhüter Philip Grubauer von den Washington Capitals nach deren Playoff-Aus gegen Pittsburgh nachreist, hängt von Thomas Greiss ab. „Er ist noch leicht angeschlagen. Er soll jetzt erstmal einen freien Tag nutzen“, sagte Sturm über seinen Keeper, der offiziell wegen einer leichten Verletzung beim 3:2 nach Penaltyschießen am Mittwoch gegen die Slowakei frühzeitig vom Eis genommen worden war.

Der Zittersieg nach lange schwacher Vorstellung im ersten Schlüsselspiel soll zu einer Art Initialzündung werden. „Der Anfang ist jetzt gemacht“, frohlockte Sturm. „Auch wenn wir wissen, dass wir besser spielen müssen. Aber so ein Spiel muss man erst mal gewinnen. Man hat direkt danach gesehen: Die Jungs waren sofort gelassener und lockerer.“

NHL-Verteidiger Seidenberg bestätigte dies. „Die Erleichterung war sehr groß, weil wir sehr schlecht angefangen haben“, sagte der 35-Jährige. „Das war ein sehr wichtiger Sieg, jetzt geht es weiter.“

Zusammen mit seinen Teamkameraden bekam Seidenberg den Donnerstagnachmittag zur freien Verfügung. Vor den nächsten Spielen, die Deutschland wieder unbedingt gewinnen muss, soll die Lockerheit zurück in die Köpfe. In Sachen Zuversicht soll auch das Kommen von Draisaitl helfen. „Wir haben das natürlich zur Kenntnis genommen“, sagte Torjäger Patrick Reimer über das Playoff-Aus von Draisaitl. „Wir lassen das jetzt einfach auf uns zukommen.“

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Eishockey-WM - Mit Draisaitl zum erneuten WM-Märchen?

0 Kommentare zu "Eishockey-WM: Mit Draisaitl zum erneuten WM-Märchen?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%