Eishockey WM
Russland schnappt Kanada WM-Gold weg

Bittere Pleite auf heimischen Eis für Kanada. Im WM-Finale unterlagen die "Ahornblätter" dem Erzrivalen Russland mit 4:5 nach Verlängerung und verpassten die Titelverteidigung.

Der alte Rivale Russland hat Kanada die große Party bei der ersten WM im Eishockey-Mutterland verdorben. Im Traumfinale von Quebec sicherte sich die "Sbornaja" mit einem 5:4 (1:3, 1:1, 2:0, 1:0) nach Verlängerung das erste WM-Gold seit 15 Jahren und zog mit dem 24. Titelgewinn wieder mit dem Rekordweltmeister gleich. Damit konnten auch die kanadischen NHL-Stars den WM-Heimfluch nicht besiegen - seit den Sowjets 1986 hat kein WM-Gastgeber mehr triumphiert.

Im ersten WM-Endspiel der beiden Eishockey-Supermächte besiegelte Ilja Kowaltschuk mit dem goldenen Tor nach 2:42 Minuten der Overtime die erste Niederlage der Ahornblätter nach 17 Siegen in Folge. Da tröstete es die Kanadier wenig, dass Stürmerstar Dany Heatley mit seinem zwöften Turniertor Eishockey-Geschichte schrieb. Der 27-Jährige stellte nicht nur einen neuen kanadischen WM-Rekord auf, sondern erreichte mit 20 Scorerpunkten die beste Ausbeute seit 31 Jahren. 1977 hatte Wladimir Petrow für die Sowjetunion sieben Treffer und 14 Assists verbucht.

Alexander Sjomin (2./22.), Alexej Tereschtschenko (49.) und Kowaltschuk (54.) hatten zuvor für die Russen getroffen, die vor dem Schlussdrittel schon 2:4 zurückgelegen hatten. Brent Burns (4./15.) und Chris Kunitz (10.) hatten neben Heatley die Tore für Kanada erzielt, das einen Tag vor dem Nationalfeiertag Victoria Day vergeblich auf die große Eishockey-Party wartete. Bronze hatte sich am Samstag Finnland mit einem 4:0 (2:0, 0:0, 2:0) gegen den Erzrivalen Schweden gesichert.

13 000 begeisterte Zuschauer im altehrwürdigen Colisee von Quebec erlebten den krönenden Abschluss einer grandiosen Weltmeisterschaft. Insgesamt strömten über 476 000 Besucher in die Arenen und sorgten für die drittbeste Resonanz in der WM-Geschichte. Auf der kleinen, nordamerikanischen Eisfläche boten die meisten Teams sehenswertes Offensiv-Eishockey, im Schnitt fielen 6,6 Tore pro Spiel.

Die zunächst sehr reservierten kanadischen Fans ließen sich im Laufe des Turniers von den lautstarken Anhängern aus Europa anstecken und sorgten vor allem in Quebec für Gänsehaut-Atmosphäre. In den Medien rückte die WM nach dem Play-off-Aus der Montreal Canadiens, des letzten kanadischen Teams, in der NHL immer mehr in den Blickpunkt. In den Tageszeitungen verdrängte Team Canada sogar die Spiele um den Stanley Cup auf die hinteren Seiten.

Nach der erfolgreichen Premiere strebt der kanadische Verband eine Wiederholung an. "Wir werden uns bemühen, die WM wiederzubekommen. 2016 wäre ein guter Zeitpunkt", kündigte Verbandschef Bob Nicholson an.

Im Finale erwischten die Russen den besseren Start. Sjomins 1:0 nach Zuspiel von Alexander Owetschkin und Sergej Fedorow war bereits das 16. Tor der Paradereihe der "Sbornaja". Doch die Gastgeber antworteten prompt: Burns ließ mit einem angetäuschten Schuss einen Gegenspieler ins Leere rutschen und schlenzte die Scheibe an Torhüter Jewgenij Nabokow vorbei ins Netz.

Kunitz nach einem russischen Abwehrfehler und erneut Burns, der bei 5:3-Überzahl traf, bescherten den Ahornblättern einen scheinbar komfortablen Vorsprung. Zuvor hatte Martin St. Louis noch den Pfosten getroffen (7.). Doch nach Sjomins zweitem Tor, dem 17. Treffer des Trios der Washington Capitals, kamen die Gastgeber gehörig ins Zittern.

© SID

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