Eishockey WM
Schubert präsentiert sich als erhoffte Verstärkung

Mit einem Tor gegen die Schweiz hat Christoph Schubert bei der Eishockey-WM auf sich aufmerksam gemacht. Im DEB-Team präsentiert sich der 27-Jährige als erhoffte Verstärkung.

Christoph Schubert musste nicht lange überlegen. Nach einer frustrierenden Saison in der NHL sagte der deutsche Eishockey-Nationalspieler ja, bevor Bundestrainer Uwe Krupp überhaupt gefragt hatte. "Ich bin schon im Februar davon ausgegangen, dass ich zur WM gehe", sagt der 27-Jährige von den Ottawa Senators, "da durfte Uwe noch gar keinen Kontakt zu mir aufnehmen".

Erst als die schlechteste Spielzeit der Kanadier seit 1996 endlich beendet war, stellte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) eine offizielle Anfrage - mit der seit Monaten bekannten Antwort. "Es ging mir aber nicht darum, eine frustrierende Saison positiv abzuschließen", betont Schubert: "Ich spiele die WM, um der Nationalmannschaft zu helfen."

Doch der gebürtige Münchner, der vor sieben Jahren nach Amerika ging, um sein Glück zu suchen, ist auch in Bern, um sich selbst zu helfen. Hier wird er gebraucht - ein Gefühl, das er bei seinem Arbeitgeber in Kanadas Hauptstadt zuletzt selten spürte. Trainer Craig Hartsburg verbannte den gelernten Verteidiger, der in den drei Spielzeiten zuvor als Aushilfsstürmer regelmäßig seinen Weg aufs NHL-Eis gefunden hatte, auf die Tribüne - "ohne mir zu sagen, warum. Er hat nicht mit sich reden lassen, war einfach stur."

Schubert in der NHL zwischenzeitlich auf der Tribüne

Schubert sah ratlos zu, wie seine Teamkollegen weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Im Februar schließlich musste Hartsburg gehen, und der Deutsche atmete auf. Unter dem neuen Coach Cory Clouston durfte er wieder aufs Eis - zwar meist als Stürmer der vierten Reihe, doch das störte ihn nicht. "Ich nehme meine Rolle als Allrounder an. Davon gibt´s in der NHL nicht viele, das ist ein Bonus für jede Mannschaft."

Dass er nun in der Schweiz auf seiner Lieblingsposition spielen darf, ist ein Bonus für ihn. "Ich erwarte, dass er solide spielt, der Mannschaft Rückhalt gibt und viele Minuten spielt, ohne Fehler zu machen", sagt Krupp, der eine "eindeutige Verbesserung" gegenüber der WM im vergangenen Jahr in Kanada festgestellt hat. Damals leistete sich Schubert mehrere folgenschwere Patzer, saß häufig auf der Strafbank und war nicht die erhoffte Verstärkung.

"Muss niemandem etwas beweisen"

In Bern, wo er am Dienstagabend gegen Frankreich sein 53. Länderspiel bestreiten wird, fiel er mit seinem Unterzahltor gegen die Schweiz und soliden Defensivaktionen, aber eben auch wieder mit Fehlpässen in der Offensive auf. An seinem Selbstbewusstsein kratzt das nicht: "Ich weiß, was ich kann. Ich muss niemandem etwas beweisen."

Was für die NHL auch nach vier Jahren und dem Einzug ins Stanley-Cup-Finale 2007 noch nicht ganz stimmt, galt in der Nationalmannschaft in der Vergangenheit ebenfalls nicht. Im Gegenteil: Unter Ex-Bundestrainer Hans Zach, der den Münchner als 19-Jährigen zur WM 2001 ins Team holte, stand Schubert ständig unter besonderer Beobachtung. Unvergessen ist das Sondertraining, das Zach ihm bei der WM 2002 in Schweden unter den Augen der versammelten Journalisten angedeihen ließ: passen, rückwärts laufen, stoppen, passen.

Zwei Jahre später strich ihn der "Alpenvulkan" sogar vor der WM in Prag aus dem Kader, obwohl er extra aus Nordamerika - damals vom Ottawa-Farmteam Binghamton - eingeflogen war. Vergessen, abgehakt. Jetzt sieht sich Schubert in einer anderen Rolle: "Ich bin im besten Eishockey-Alter und habe schon viel erlebt - Stanley-Cup-Finale, Olympia, Weltmeisterschaften. Ich versuche, den jungen Spielern Ansporn zu geben, zu helfen - ohne ihnen dabei auf den Schlips zu treten."

Mit dem Wolfsburger Kai Hospelt, den er vorher überhaupt nicht kannte, teilt er im Hotel Bern ein Zimmer. Was Schubert dem 23-Jährigen auch immer gesagt haben mag, es zeigte schon Erfolg: Hospelt war es, der dem NHL-Profi mit einem genialen Pass gegen die Schweiz zum Tor verhalf. Und einem guten Gefühl nach einer frustrierenden Saison.

© SID

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