Eisschnellläufer im Tal der Tränen: Kraftlos, erfolgslos und obendrein noch ratlos

Eisschnellläufer im Tal der Tränen
Kraftlos, erfolgslos und obendrein noch ratlos

Die deutschen Eisschnelllauf-Herren haben in Turin ihre schwärzesten Stunden in der Olympia-Geschichte erlebt. Und fast noch viel schlimmer: Licht am Ende des Tunnels ist nicht in Sicht.

HB TURIN. In drei der sechs Rennen gar nicht erst qualifiziert, über 1500 und 5000 Meter "unter ferner liefen", konnten die Deutschen trotz einer Steigerung im Team-Wettbewerb den Anschluss an die Weltspitze nicht herstellen. Der siebte Platz kann höchstens als ein Achtungserfolg gelten.

"Beim Gedanken an die Herren kommt mir das kalte Grausen. Es geht nur noch rückwärts", konstatierte der Berliner Trainer Joachim Franke die gegenwärtige Entwicklung des "schwachen Geschlechts". Der Mann, der einst Uwe-Jens Mey, Olaf Zinke und Andre Hoffmann zu insgesamt vier Mal Olympia-Gold führte, hat schon seit einem Jahrzehnt keinen männlichen Top-Läufer mehr in seiner Trainingsgruppe.

Viel hatten sich die Deutschen im neuen Team-Rennen vorgenommen, waren von Bundestrainer Jan Coopmans wochenlang gezielt vorbereitet worden. Nach heftigen Diskussion schonte man den Erfurter Robert Lehmann und den Berliner Tobias Schneider im 5000-Meter-Rennen, doch das Ergebnis war am Ende niederschmetternd: "Es ist total frustrierend", entfuhr es dem Grefrather Stefan Heythausen, nachdem im Viertelfinale gegen die Norweger der Traum von einer Medaille platzte. "Ich kann den Jungen nur ein Kompliment machen: Alle haben sich hier gesteigert, aber bei den anderen geht es noch schneller voran", versuchte Coopmans, seine Jungs aufzumuntern.

Für Verbandspräsident Gerd Heinze gibt es keine Ausreden: "Es gibt nichts schön zu reden. Wichtig ist, dass wir jetzt unsere Lehren ziehen und uns mit Blick auf Vancouver 2010 dem rasanten Tempo der Welt-Entwicklung anpassen." Der Berliner versteht darunter vor allem die weitere Konzentration der Kräfte, weiß aber auch: "Wir können nicht die Leute aus ihrem Lebensmittelpunkt reißen." Auch Cheftrainer Helmut Kraus bestätigt: "Die Tendenz ist rückläufig, daran kommen wir nicht vorbei." Bei der Bilanz-Versammlung aller Verantwortlichen Ende März sollen alle Fakten auf den Tisch, damit endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden können. "Es muss angepackt werden. Dafür sind wir ja da", ist Heinze vorsichtig optimistisch.

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