Eisschnelllauf DM
Niemann-Stirnemann läuft um alles oder nichts

Für Gunda Niemann-Stirnemann geht es bei der DM am Wochenende um alles oder nichts. Nach 19 Monaten Pause hängt die Karriere der erfolgreichsten Eisschnellläuferin aller Zeiten am seidenen Faden.

Gunda Niemann-Stirnemann steht vor einer ungewissen Zukunft. Vier Tage vor dem angestrebten Comeback nach 19 Monaten Pause hängt die Karriere der erfolgreichsten Eisschnellläuferin aller Zeiten am seidenen Faden. Zu den deutschen Meisterschaften nach Berlin am Wochenende fährt die Erfurterin ohne Rennpraxis und durch eine Erkältung geschwächt - keine optimalen Voraussetzungen für den Wettkampf, in dem es für sie um alles oder nichts geht.

Niemann-Stirnemann gibt sich kämpferisch

Doch ungeachtet der Probleme gibt sich die Rekord-Weltmeisterin kämpferisch und bezeichnet Gerüchte über einen vorzeitigen Rücktritt als "Blödsinn". "Meine Teilnahme an den deutschen Meisterschaften ist definitiv. Ich freue mich riesig, nach über 18 Monaten endlich wieder einen Wettkampf bestreiten zu dürfen", sagte sie in einem Interview der Welt: "Ich bin besser in Schwung als bei meiner letzten Wettkampfsaison 2003/2 004. Ich werde am Sonntag über 5000m auf dem Eis stehen und meine Chance wahrnehmen."

Ihr Mann und Manager Oliver Stirnemann will den Optimismus seiner Frau allerdings nicht ganz teilen. "Es ist eine verzwickte Situation. Wir wissen selbst nicht, woran wir sind. Blendend läuft´s auf jeden Fall nicht", erklärte er dem sid. Seine Frau habe zuletzt nur submaximal trainieren können. "Sollte es eine andere Entwicklung geben als die geplante, werden wir das am Donnerstag verkünden", meinte Stirnemann.

Die Teilnahme an insgesamt drei Testrennen in Erfurt hatte Niemann-Stirnemann kurzfristig abgesagt - Gerüchten zufolge nicht nur wegen des grippalen Infekts, sondern auch aus Angst vor dem Versagen. Dabei wäre die Weltcup-Qualifikation, ohne die wiederum ein Start bei Olympia in Turin nicht möglich ist, auch für eine leicht angeschlagene Niemann-Stirnemann machbar. Die Konkurrentinnen Claudia Pechstein, Anni Friesinger und Daniela Anschütz braucht sie nicht zu fürchten, da die drei besten deutschen Langstrecklerinnen für die Weltcups bereits gesetzt sind.

Doch eine Qualifikation mit Hängen und Würgen kommt für "Gold-Gunda" nicht in Frage. Zuletzt betonte ihr Trainer Klaus Ebert, dass Niemann-Stirnemann nur in Berlin starte, wenn die Leistung stimme: "Sonst würde sie sich das nicht mehr antun." Das Ego ist der stärkste Gegner, und deshalb sind sich die Experten im Hinblick auf ein zweites erfolgreiches Comeback nach 2003 einig: Gunda braucht ein Wunder.

Ihren letzten Wettkampf bestritt die "Eisschnellläuferin des Jahrhunderts" am 14. März 2004 bei der WM in Seoul (Vierte über 5000m). In der darauf folgenden Saison lief sie wegen anhaltender Rückenschmerzen kein einziges Rennen. Doch die Ausnahmesportlerin wollte es noch einmal wissen. Die Trainingslager im Sommer verliefen vielversprechend. "Die Frage ist, wie ich das Antrainierte auf dem Eis im Wettkampf in eine gute Zeit umsetzen kann", meinte die Thüringerin. Die Konkurrenz ist skeptisch. "Ich wünsche ihr alles nur erdenklich Gute. Aber es wird wahnsinnig schwer für sie", sagte Friesinger, die Zweifel hat, dass die alte Rivalin noch einmal an die Grenzen ihrer einst fantastischen Leistungsfähigkeit stoßen kann.

Drei olympische Goldmedaillen und 19 WM-Titel, 19 Weltrekorde und sagenhafte 98 Weltcup-Siege sprechen für sich. Doch eine weitere Leistung von Niemann-Stirnemann aus dem März 1994 zeigt vielleicht mehr als alle anderen die Dominanz, mit der sie die Szene einst beherrschte. Damals flog sie nach Calgary und versuchte sich "einfach nur mal so" an der normalerweise den männlichen Kollegen vorbehaltenen 10 000-Meter-Distanz. Sie lief 14:22,60 Minuten und verpasste den kanadischen Landesrekord nur um Haaresbreite - wohlgemerkt den der Herren.

© SID

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