Eisschnelllauf DM
Romme entsetzt über deutschen Eisschnelllauf

Nach der Einzelstrecken-DM ist Gianni Romme hart mit den deutschen Eisschnellläufern ins Gericht gegangen: "Ich vermisse die Leidenschaft, da brennt kein Feuer", sagte der Trainer von Anni Friesinger.

Anni Friesingers Trainer Gianni Romme hat nach den nationalen Einzelstrecken-Meisterschaften in Erfurt ein vernichtendes Urteil über die deutschen Eisschnellläufer gefällt: "Ich kann es nicht glauben, was ich hier gesehen habe. Das Niveau dieser Meisterschaften war dramatisch niedrig. Alle hinter den bekannten Weltklasseleuten sind mehr als schlecht. Bei diesen Läufern vermisse ich die Leidenschaft, da brennt kein Feuer", sagte der Doppel-Olympiasieger von Nagano, seit einem Jahr bei der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) angestellt.

Ihm werde schlecht, sagte Romme, wenn er den Gesprächen der deutschen Eisschnellläufer zuhöre. Ihnen gehe es nur ums Geld. "Das sind junge Leute, die noch nicht richtig Schlittschuh laufen können und wie Vollprofis bezahlt werden", meinte der 34 Jahre alte Doppel-Olympiasieger von Nagano und bezeichnete den Großteil der Athleten - ohne Namen zu nennen - als "verweichlicht".

Auch am Verband und seinen Trainerkollegen lässt er kein gutes Haar. "Am meisten hat mich überrascht, dass es keine ehrenamtlichen Trainer gibt. Bevor ein Coach eine Gruppe Kinder übernimmt, fragt er nach dem Verdienst. Ohne Lohn macht er es nicht", sagte Romme: "Diese kleine Desg hat 50 Trainer, die alle bezahlt werden. Beim großen niederländischen Verband sind nicht mehr als sechs Trainer angestellt. Die Hauptarbeit bei den Klubs machen ehrenamtliche Trainer nach ihrer normalen Arbeit. Sie begeistern sich für den Sport und geben diese Einstellung an die Jugend weiter."

Auch Trainer bekommen ihr Fett weg

Zudem hat Romme den Eindruck, dass sich seine deutschen Trainerkollegen zu wichtig nehmen. "Sie wollen eine Autorität sein. Dabei sollte es ihre Hauptaufgabe sein, den Kindern Begeisterung, Optimismus und Fröhlichkeit zu vermitteln", sagte der Niederländer.

In Erfurt hatten nur 500m-Weltrekordlerin Jenny Wolf, Dreifach-Siegerin Daniela Anschütz-Thoms und Langstrecken-Spezialist Marco Weber überzeugt, die Romme von seiner Kritik ebenso ausnahm wie die während der Titelkämpfe erkrankte Friesinger und Claudia Pechstein. Die fünfmalige Olympiasiegerin bereitete sich schon in Übersee auf den ersten Weltcup in Salt Lake City vor.

"Nur die alten Stars haben die richtige Einstellung zum Sport. Marco Weber zeigt als Ausnahme bei den Männern auch Feuer. Er kann damit weit kommen, weiter als einige Jungs, die mehr Talent, aber die falsche Einstellung haben", sagte Romme.

© SID

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