Eisschnelllauf EM
EM als Olympia-Generalprobe für Pechstein

Bei der heute in Hamar beginnenden Eisschnelllauf-EM hat Claudia Pechstein durchaus Ambitionen auf den Titel. Dennoch gibt die Berlinerin eine klare Marschroute aus: "Wirklich wichtig sind nur die Olympischen Spiele."

Die Eisschnelllauf-EM in Hamar steht im Schatten der Olympischen Spiele in Turin, dennoch will Claudia Pechstein die Abwesenheit der verletzten Mehrkampf-Königin Anni Friesinger nutzen und am Wochenende die beeindruckende deutsche Siegesserie ausbauen. Die Berlinerin geht nach der Absage von Friesinger, die von den sechs deutschen EM-Titeln in den vergangenen sechs Jahren allein fünf gewann, als Favoritin in die olympische Generalprobe der Allrounder, bleibt jedoch vier Wochen vor den Winterspielen in Turin (10. bis 26. Februar) zurückhaltend.

"Ich lehne mich auf keinen Fall so weit aus dem Fenster und sage, ich werde hier gewinnen", erklärte die 33-Jährige, die 1994 im "Wikingerschiff" von Hamar den ersten ihrer bislang vier Olympiasiege gefeiert hatte. Dass ihr aber an gleicher Stelle der erste große Erfolg seit fast zwei Jahren (WM-Titel 2004 über 3000m in Seoul) gelingt, ist für Pechstein keineswegs sicher. "Auch ohne Anni ist die Konkurrenz groß, und außerdem ist doch klar: Wirklich wichtig sind nur die Olympischen Spiele in Turin."

Respekt vor Ireen Wüst

Pechsteins Trainer Joachim Franke sieht den Titelkämpfen in Norwegen deutlich optimistischer entgegen. "Wir gehen immer mit der Erwartungshaltung in große Wettkämpfe, den Sprung aufs Treppchen zu schaffen. Warum soll es diesmal nicht für ganz oben reichen? Zumal Claudia auf den kürzeren Strecken gut drauf ist", sagte der Erfolgscoach.

Pechstein ist vor allem gespannt auf die Duelle mit den Niederländerinnen: "Besonders Ireen Wüst ist bei der Olympiaausscheidung sehr stark gelaufen." Die erst 19 Jahre alte Junioren-Weltmeisterin hatte bei den niederländischen Trials in Heerenveen mit hervorragenden Zeiten auf den Mittelstrecken aufhorchen lassen.

Die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin gewann ihren bislang einzigen EM-Titel 1998 in Helsinki, fünfmal wurde sie Zweite und zweimal Dritte. In den vergangenen vier Jahren biss sie sich ebenso wie die übrige europäische Elite an Friesinger, die wegen ihrer Fleischwunde am Unterschenkel derzeit nur Aufbautraining in Erfurt bestreiten kann, die Zähne aus.

Anschütz-Thoms schraubt ihre Ziele runter

2005 in Heerenveen musste Pechstein beim deutschen Dreifach-Triumph sogar noch Daniela Anschütz-Thoms den Vortritt lassen. Doch die Team-Weltmeisterin aus Erfurt sieht sich in Hamar nicht als große Gefahr für die "Grande Dame" aus Berlin.

"Nach meiner Erkältung ist die EM für mich der erste Wettkampf in diesem Jahr. Da kann ich mir nicht zum Ziel setzen, den Erfolg von Heerenveen zu wiederholen", meinte Anschütz-Thoms, die einen Platz unter den besten Sechs anstrebt. Und obwohl die seit wenigen Wochen verheiratete 31-Jährige den Mehrkampf besonders ins Herz geschlossen hat, stimmt sie mit Pechstein überein: "Das Ziel ist Olympia, nicht die EM."

Für die beiden Berlinerinnen Lucille Opitz und Katrin Mattscherodt, die als Ersatz für Friesinger zu ihrem ersten EM-Start kommt, ist ebenso wie für den deutschen Meister Tobias Schneider (Berlin), Marco Weber (Chemnitz) und Robert Lehmann (Erfurt) der Sprung unter die Top-15 das Minimalziel. Das würde einen Platz bei der Mehrkampf-WM zum Saisonabschluss Mitte März in Calgary sichern.

© SID

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