Eisschnelllauf
Friesinger hat die Qual der Wahl

Anni Friesinger geht als eine der größten deutschen Gold-Hoffnungen in die XX. Olympischen Winterspiele. Mit einem Siegeszug im Weltcup unterstrich die 29-jährige Inzellerin bis zum Dezember ihre Anwartschaft auf Medaillen über alle Distanzen zwischen 1000 und 5000 Meter sowie in der Team-Verfolgung, die in Turin ihre Olympia-Premiere erlebt.

HB TURIN. Doch der Start ins Olympia-Jahr ging für "Gold-Anni" gründlich daneben: Beim Starttraining fügte sich die weltbeste Allrounderin eine tiefe Schnittwunde am rechten Unterschenkel zu, die ihre Olympia-Planungen gehörig durcheinander wirbelte.

Die deutschen Meisterschaften musste sie ebenso absagen wie die Europa-Titelkämpfe, die sie in den zurückliegenden sechs Jahren fünf Mal gewinnen konnte. Viele Stunden Eis-Training mussten gestrichen werden, immer wieder blieb nur der Hometrainer, um die konditionelle Form auf höchstem Niveau zu halten. "Das alles ist sehr bitter. Vor allem wegen der EM-Absage hat mir das Herz geblutet", gestand sie. Ob die Verletzung nun auch Auswirkungen auf ihr Olympia-Programm hat, bleibt abzuwarten. Schon vor dem Unfall hatte sie erklärt, dass sie die Entscheidung über die Anzahl ihrer Starts erst in Turin fällen werde.

Zu ihren härtesten Rivalinnen wird im Oval Lingotto die frisch gebackene Europameisterin Claudia Pechstein gehören, die vor allem auf den beiden langen Strecken ihr Image als Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin mit bislang vier olympischen Goldmedaillen ausbauen möchte. Besonders gute Chancen rechnet sich die 33-jährige Berlinerin auf ihrer Spezialstrecke 5000 m aus, auf der sie seit Lillehammer 1994 drei Mal hintereinander triumphierte. Im Gegensatz zur WM im Vorjahr hat sie sich auch für die Team- Verfolgung qualifiziert, in der die Deutschen als Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger favorisiert sind.

Auch die Erfurter Team-Weltmeisterinnen Daniela Anschütz-Thoms und Sabine Völker gehören zu den Medaillen-Kandidaten, falls sie den Trainingsausfall auf Grund von Infekten zum Jahreswechsel kompensieren können. Den Durchbruch in die Weltelite hat in dieser Saison die Weltcup-Führende Jenny Wolf über 500 m geschafft. Ob aber die Stabilität der 26-jährigen Berlinerin schon ausreicht, um den starken Asiatinnen im Medaillenkampf Paroli zu bieten, bleibt eine der spannenden Fragen vor den olympischen Rennen.

Keine Medaillen-Ambitionen haben die deutschen Herren auf den fünf Einzel-Distanzen. Daher konzentriert der deutsche Verband seine Kräfte auf die Team-Verfolgung. Schon der sechste Platz im Kampf der besten acht Nationen über die acht Runden könnte einem Großteil der Equipe künftig eine optimale Förderung sichern. "Das Team hat absolute Priorität, auch wenn es für manchen Athleten hart wird, auf die Einzelstrecke zu Gunsten der Team-Vorbereitung zu verzichten", sagte Herren-Coach Jan Coopmans.

Ihre Fortschritte auf internationalem Eis wollen auch die deutschen Shorttracker in Turin unter Beweis stellen. Mit der Maximal-Zahl von zehn Athleten qualifiziert, bestehen vage Medaillenchancen aber nur in den beiden Staffeln. In den Einzel- Rennen wären Platzierungen unter den Top 10 für die Athleten um Vize- Europameister Arian Nachbar (Rostock) gegen die starken asiatischen und nordamerikanischen Läufer bereits ein Riesenerfolg.

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