Eisschnelllauf International
Eislauf-Weltverband hebt Kotjugas Dopingsperre auf

Im Eislauf-Verband ISU herrscht Uneinigkeit über die Dopingsperre von Angelika Kotjuga. Das bestehende Startverbot für die Weißrussin wurde von der Berufungskommission der ISU ohne Angabe von Gründen aufgehoben.

Der Eislauf-Weltverband ISU sorgt momentan für ein unwürdiges Verwirrspiel um den Dopingfall der weißrussischen Eisschnellläuferin Angelika Kotjuga. Am Rande des Weltcups in Turin gab die ISU in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Berufungskommission des Verbandes die im August von der eigenen Disziplinarkommission verhängte zweijährige Dopingsperre gegen die 35 Jahre alte Vize-Weltmeisterin von 2004 bereits am 27. November aufgehoben habe.

Zimmermann: "Die Begründung kenne ich nicht"

Parallel erklärte in Turin allerdings ISU-Vizepräsident Gerhard Zimmermann, der ranghöchste Eisschnelllauf-Funktionär der Welt, von Details des Falles nichts zu wissen. "Ich bin über die Entscheidung der Berufungskommission erst am 9. Dezember informiert worden. Die Begründung kenne ich nicht. Ich weiß nur, was im Kommunique steht", erklärte der Inzeller dem sid. Dieses Kommunique besagt, dass Kotjuga alle Medaillen, Punkte und Preise, die ihr nach der positiven Dopingprobe aberkannt worden waren, zurückerhalten soll. Nun zieht die ISU vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne, um den Fall von der höchsten sportjuristischen Instanz klären zu lassen. Das Startverbot bleibt bis zur Entscheidung des CAS bestehen.

Kotjuga war bei einer Dopingkontrolle beim Weltcupfinale im März 2005 in Heerenveen (Niederlande) positiv auf die verbotenen Substanzen Testosteron und Norandrosteron getestet worden, doch erst fünf Monate später wurde sie von der ISU für zwei Jahre gesperrt. Nun liefert der Verband keinerlei Begründungen für den Freispruch. "Ich denke nicht, dass es sich um medizinische Gründe handelt", meinte Zimmermann.

Angeblich 26 Verfahrensfehler

In einem Schreiben an Kotjuga, das der niederländischen Tageszeitung Telegraaf schon vor dem Weltcup in Heerenveen (3./4. Dezember) vorlag, spricht die ISU allerdings von 26 Verfahrensfehlern, die letztendlich zum Freispruch durch die Berufungskommission geführt hätten. So sollen in der A- und B-Probe unterschiedliche verbotene Stoffe entdeckt worden sein.

"Es ist schlimm, wie der Dachverband mit der Dopingproblematik umgeht. Er tut sich damit keinen Gefallen", sagte Volker Smasal, Sportarzt der deutschen Eisschnelllauf-Nationalmannschaft (Desg). "So ein Fall muss nicht so lange dauern. Es ist auch peinlich, dass die ISU die einzelnen Verfahrensfehler nicht bekannt gegeben hat. Dieses Verhalten gibt Anlass zu Spekulationen in alle Richtungen", fügte der Münchener Orthopäde hinzu: "Für das Vertrauen fände ich es besser, wenn ein unabhängige Institution und nicht die ISU selbst die Antidopingkontrollen durchführen würde."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%