Eisschnelllauf National
Ballyhoo um Pechstein geht weiter

Die Experten liegen sich in den Haaren, die Verbände bezichtigen sich gegenseitig der Lüge, und Claudia Pechstein hofft schon auf ein schnelles Comeback im August: Der Dopingfall der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin hält den deutschen Sport weiter in Atem.

Während die Diskussionen rund um die Affäre immer hitziger werden, setzte Pechstein ihre Offensive im Kampf um Ruf und Karriere fort. Sie veröffentlichte die Ergebnisse der 95 Blutkontrollen, die der Eislauf-Weltverband ISU seit 2000 von ihr genommen hat, und durfte sich über zusätzliche Unterstützung verschiedener Doping-Experten freuen.

Bereits am 15. August will sie ausgerechnet in Hamar bei einem Sommerwettkampf starten, ihr Anwalt Simon Bergmann will dafür beim CAS einen Eilantrag einreichen. In der norwegischen Stadt waren Pechstein im Februar während der Mehrkampf-WM die für ihre Sperre entscheidenden Blutproben entnommen worden.

Pechsteins eigenwillige Interpretation

Ihre Blutwerte interpretierte Pechstein auf ihre ganz eigene Weise. "Bei der EM im Januar 2008 waren die Retikulozyten-Werte besonders hoch - wenn ich da gedopt haben sollte, dann habe ich es schlecht gemacht, da ich dort die Leistung nicht erbracht habe. Nur das kann ich daraus ablesen", sagte Pechstein in der Sendung Blickpunkt Sport des Bayerischen Rundfunks.

Damals war sie im russischen Kolomna im abschließenden 5 000-m-Rennen noch auf den vierten Platz zurückgefallen. Was sie nicht erwähnte, war die Begründung, die sie damals für ihre Leistung angegeben hatte. Dieser Begründung zufolge wäre sie selbst mit unerlaubter Hilfe wohl chancenlos gewesen: "Bei mir hat wieder mal eine Erkältung zugeschlagen. Meine Lymphknoten sind geschwollen, und die Nase läuft."

In 14 von 95 Kontrollen durch den Eislauf-Weltverband ISU wurde seit dem Jahr 2000 ein überhöhter Retikulozyten-Wert festgestellt. 13 der 14 Werte wurden im Winter gemessen, einer allerdings auch im August 2005 - wenn Doping auf den ersten Blick wenig Sinn ergibt. Der Heidelberger Molekular-Biologe Werner Franke, Pechsteins größter Kritiker, widerspricht: "Ein Hauptzweck von Epo-Doping ist, höhere Belastungen im Training zu ermöglichen, und Eisschnellläufer trainieren auch im Sommer."

Pechstein erhält auch Rückendeckung

Andere Experten springen Pechstein dagegen zur Seite. "Während der Retikulozyten-Wert über all die Jahre immer wieder abnorm erhöht ist, sind andere Werte, die für Doping sprechen, normal. Wenn ich behaupten würde, dass Frau Pechstein gedopt hat, wäre das grob fahrlässig", sagte Professor Fritz Sörgel, Biomediziner und Pharmazeutiker aus Nürnberg, der Bild-Zeitung.

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