Eisschnelllauf National
Doping-Experte: "Urteil erzeugt Unwohlsein"

Nachdem der CAS die Sperre für Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bestätigt hat, spricht Doping-Experte Prof. Wilhelm Schänzer mit dem SID über das Urteil und seine Folgen.

Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein bleibt nach einem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS für zwei Jahre wegen eines Dopingvergehens gesperrt. Der Doping-Experte Prof. Wilhelm Schänzer spricht im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) über das Urteil des CAS und seine möglichen Folgen.

SID: "Herr Schänzer, in Ihrer ersten Reaktion nach der Bestätigung der Dopingsperre für Claudia Pechstein haben Sie sich über das Urteil überrascht gezeigt. Wieso?"

Schänzer: "Das Urteil erzeugt ein gewisses Unwohlsein, weil es nur auf einem Parameter, den erhöhten Retikulozyten, beruht.

SID: "Halten Sie Claudia Pechstein für schuldig?"

Schänzer: "Das Gericht schon, ich kann das nicht beurteilen."

SID: "Was muss passieren, um den indirekten Dopingnachweis seriöser zu machen?"

Schänzer: "Die Wada (Weltantidopingagentur, d.Red.) entwirft gerade neue Verfahrensrichtlinien, wie der indirekte Dopingnachweis künftig geführt werden soll. Darin sind konkrete Vorgaben zum Beispiel für Probeabnahme, Transport, Analyse im Labor oder Datenauswertung enthalten. Außerdem sollen ständig neun Blutparameter erfasst werden. Es wird eine klare Verbesserung der Qualitätsstandards geben."

SID: "Heißt das im Umkehrschluss, dass Pechstein Pech gehabt hat und ihr Fall noch nicht unter die neuen Richtlinien gefallen ist?"

Schänzer: "Das ist schwer zu sagen. Selbst mit der Einführung der neuen Wada-Richtlinien wird noch nicht klar sein, ob sie für alle Verbände bindend sind, was natürlich wünschenswert wäre. Es muss eine Harmonisierung geben."

SID: "Gehen Sie davon aus, dass es nun quer durch die Verbände eine Flut von Sperren geben wird?"

Schänzer: "Ich bin ein vorsichtiger Mensch, deshalb lassen Sie es mich so ausdrücken: Die Wahrscheinlichkeit ist nun mit Sicherheit höher als vor dem Urteil im Fall Pechstein."

© SID

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