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Friesinger: "Finden sicherlich eine Lösung"

Nach ihrer Androhung eines Team-Boykotts aus Ärger über die Desg-Reform weht Anni Friesinger ein heftiger Gegenwind ins Gesicht. Dennoch signalisiert Friesinger dem Verband mittlerweile auch Gesprächsbereitschaft.

Vor Beginn der neuen Saison muss sich Anni Friesinger "warm anziehen", denn nach ihrer Androhung eines Team-Boykotts aus Ärger über die Folgen der Verbandsreform ist bei Funktionären und auch Athletinnen, darunter ihre alte Rivalin Claudia Pechstein, auf Unverständnis gestoßen. Friesinger steht jetzt unter Druck - dabei hat sie den bisherigen Tiefpunkt ihrer glanzvollen Karriere gerade erst überstanden.

"Im Frühjahr habe ich an trüben Tagen, wenn der Himmel ganz grau war, mir schon überlegt, wie das alles weitergehen soll", sagte die 29-Jährige. Ihr Ex-Trainer Markus Eicher wurde noch deutlicher: "Sie war total demotiviert und hat sogar ernsthaft überlegt, ihre Karriere zu beenden."

Der Frust über die enttäuschend verlaufenen Winterspiele saß tief. Sie hatte in Turin zwar Gold mit dem Team gewonnen, das angestrebte Einzelgold ("Ich habe mein Potenzial nicht ausgeschöpft") aber verpasst. Dazu kam nach Eichers Beförderung zum Damen-Cheftrainer die Ungewissheit über die eigene Zukunft. Erst als sich beim Trainingslager auf Mallorca der Kontakt zu ihrem neuen Coach Gianni Romme anbahnte, ging es wieder bergauf.

"Ich habe mir selbst ein völlig neues Umfeld geschaffen und bin mittlerweile sehr froh damit", sagte Friesinger, die rechtzeitig zum Saisonauftakt bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt ihren alten Kampfgeist wiedergefunden hat. Das musste jüngst auch der Verband spüren. "Ich verlange nur das, was mir zusteht, zum Beispiel, dass mir meine Trainingslager bezahlt werden", erklärte Friesinger.

Anni muss Trainerstamm aus eigener Tasche finanzieren

Die Olympiasiegerin hat im Laufe ihrer Karriere zwar allein durch Werbung Hunderttausende verdient. Sie muss aber für den Betrieb ihres Privatteams, dem neben Romme, dem immer noch aktiven Doppel-Olympiasieger von Nagano, noch der finnische Mittelstreckenspezialist Risto Rosendahl, Sprinter Ralf van der Rijst sowie der Physiotherapeut Ludwig van der Kuijl (beide Niederlande) angehören, auch tief in die Tasche greifen. Angeblich steht am Ende der Saison ein sechsstelliger Betrag. "Und ich sitze bestimmt nicht in Fünf-Sterne-Hotels herum", fügte sie hinzu.

Dennoch signalisiert Friesinger - wohl auch als Folge des heftigen Gegenwindes - dem Verband mittlerweile auch Gesprächsbereitschaft. Von einem Team-Boykott ist vorerst keine Rede mehr: "Wir werden uns in Ruhe zusammensetzen und eine Lösung finden. Da bin ich ganz sicher."

Selbst Eicher, mit dem Friesinger nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, wollte seinem ehemaligen Schützling in den vergangenen Tagen nicht mehr zu Seite springen. Im Gegenteil: Der neue Damen-Chefcoach verteidigte konsequent die neue Reform mit der verstärkten Förderung für den Nachwuchs und für die seit Jahren schwächelnden Herren. Eicher: "Anni Friesinger, Claudia Pechstein und Daniela Anschütz sind keine 18 mehr, und wir wollen nun die zweite Reihe nach vorne führen."

© SID

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