Eisschnelllauf National
Friesinger: "Man darf die Spitze nicht vergessen"

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger äußert sich in einem aktuellen Gespräch zu ihrer Trainingsvorbereitung und den Kommunikationsproblemen mit der Deutschen Eisschnelllauf Gemeinschaft (Desg).

In einem aktuellen Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) kommentiert Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger die derzeitigen Probleme mit der Deutschen Eisschnelllauf Gemeinschaft (Desg) und beschreibt ihre Trainingsvorbereitungen.

sid: "Anni Friesinger, am Freitag startet die neue Saison. Wie lief Ihre Vorbereitung?"

Anni Friesinger: "Ich habe in Gianni Romme einen neuen Trainer und auch neue Trainingspartner. In den Testrennen war ich so schnell wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt, daran sieht man, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe, auch ohne Hilfe des Verbandes."

sid: "Ihr alter Trainer Markus Eicher ist jetzt Frauen-Chefcoach, und im Zuge der Strukturreform im Verband haben Sie auch noch Ihre wichtigsten Trainingspartner in Inzell verloren. Sind Sie deswegen sauer auf den Verband?"

Friesinger: "Von der Reform profitiert vor allem der Nachwuchs, was natürlich in Ordnung ist. Aber man darf die Spitze nicht vergessen. Das, was die uns anbieten, ist einfach viel zu wenig. Dabei ist es den Erfolgen der Spitzenläuferinnen zu verdanken, dass Sponsorengelder und andere Unterstützungen da sind und jeder Desg-Trainer seinen bezahlten Job hat."

sid: "Was kritisieren Sie konkret?"

Friesinger: "Das Training beginnt Anfang Mai, die Strukturreform kam aber erst Ende Mai. Da hingen wir - auch Markus Eicher - in der Luft und wussten nicht wo es lang geht. Meine neue Trainingsgruppe muss ich jetzt zum Großteil selbst finanzieren, vom Physiotherapeuten über Trainerhonorar bis zu den Reisekosten. Eine Trennung von Markus war aber unumgänglich, weil er als Frauen-Chefcoach zu wenig Zeit für mich gehabt hätte. Ich bin Vollprofi, entsprechend muss meine Vorbereitung aussehen. Und was meine Trainingsmöglichkeiten in Inzell betrifft: Ich hätte dort nichts mehr gehabt, und vom Sportdirektor kamen keine Vorschläge, gar nichts."

sid: "Auch Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms kritisieren die Reform ..."

Friesinger: "Daniela muss in Erfurt mit Junioren trainieren, das reicht für die Weltspitze nicht aus. Claudia hat es etwas besser, weil zumindest ihr Coach Achim Franke als Honorartrainer von der Desg weiterbeschäftigt wird."

sid: "Ein Berührungspunkt mit dem Verband bleibt Ihnen aber, das ist der Teamwettbewerb. Wollen Sie da starten?"

Friesinger: "Vielleicht werde ich meinen Start in den Teamrennen in dieser Saison davon abhängig machen, inwieweit der Verband auf mich zukommt. Darüber hinaus ist die Belastung durch die Einzelstarts natürlich enorm. Wir alle wissen noch, was in Turin gelaufen ist."

sid: "Dort haben Sie Einzelgold verpasst, unter anderem möglicherweise deshalb, weil Sie dreimal im Team starten mussten. Wie sieht es denn nach den relativ enttäuschenden Winterspielen jetzt mit Ihrer Motivation aus?"

Friesinger: "Damit ist es in einer nach-olympischen Saison immer etwas schwierig. Jeder ist immer noch etwas ausgebrannt. Mal sehen, wie es läuft."

sid: "Dennoch werden Sie sich konkrete Ziele gesetzt haben?"

Friesinger: "Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, ich habe schon alles gewonnen. Wie gesagt: Mal sehen, wie es läuft."

sid: "Die Kanadierin Cindy Klassen, in der letzten Saison überragende Eisschnellläuferin, plagen die Motvationsprobleme offenbar besonders. Sie will erst im Januar in die Saison einsteigen - ein Vorteil für Sie?"

Friesinger: "Nein. Es gibt nicht nur Cindy."

© SID

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