Eisschnelllauf National
Friesinger und Co. streiten weiter mit Verband

Vor dem Start in die neue Weltcup-Saison drohen sich die deutschen Top-Eisschnellläuferinnen in einen Streit mit der Desg zu verzetteln. Vor allem Anni Friesinger ist angesichts der Verbandsreformen aufgebracht.

Der Streit zwischen den deutschen Erfolgs-Eisschnellläuferinnen und der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) gewinnt immer mehr an Schärfe. Nachdem die Team-Olympiasiegerinnen Anni Friesinger, Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms die Reform des Verbandes heftig kritisiert hatten und Friesinger sogar einen Verzicht auf die Teamrennen in dieser Saison in Erwägung zog, holte Desg-Präsident Gerd Heinze vor den deutschen Meisterschaften in Erfurt (Freitag bis Sonntag) zum Konter aus.

"Dass sich ein Verband ausschließlich um ein paar Individuen kümmert, hat es noch nie gegeben. Wir sind kein Diskutierklub, aber wenn die Damen so klug sind, sollen sie gerne Vorschläge machen. Bis auf Daniela Anschütz hat sich allerdings niemand bei mir gemeldet", sagte Heinze dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Änderung der Reform nicht vorgesehen

An die Adresse von Friesinger, die dem Verband unter anderem mangelnde Unterstützung vorwirft, sagte der Desg-Boss: "Dass sie in diesem Sport überhaupt so weit gekommen ist, hat sie auch dem Verband zu verdanken." Friesingers Drohung, auf Teamrennen zu verzichten, was möglicherweise eine erfolgreiche WM-Titelverteidigung im März in Salt Lake City gefährden würde, konterte Heinze mit süffisantem Unterton: "Wenn sie sich qualifiziert, erwarte ich von ihr, dass sie startet."

Auch Pechstein, die die Trennung der Trainingsgruppen in reine Männer- und Frauenkader bemängelt, fehlende Kommunikation anprangert und den Zustand im Verband als "so schlimm wie noch nie" bezeichnet, bekam von Heinze einen Rüffel: "Dass Claudia sich so weit aus dem Fenster lehnt, verwundert mich umso mehr, denn wir haben ihr bei der Arbeit in ihrer privaten Trainingsgruppe unter Trainer Achim Franke nie Steine in den Weg gelegt." Das Reformwerk, dem auch Athletensprecher Christian Breuer zugestimmt hat, will er auf keinen Fall mehr verändern.

Ohnehin will er die Diskussion nicht überbewerten: "Wenn die Damen meinen, gegen alle Absprachen das Thema in den Medien zu behandeln, dann sollen sie es eben tun. Wahrscheinlich versprechen sie sich davon mehr Aufmerksamkeit. Das hat ja damals beim so genannten Zickenkrieg auch schon geklappt."

Friesinger hatte unter anderem kritisiert, dass sie ihre neue Trainingsgruppe um den Niederländer Gianni Romme zum Großteil selbst finanzieren muss - angeblich steht am Saisonende eine sechsstellige Zahl. Dabei sei es laut Friesinger den Erfolgen der Spitzenläuferinnen zu verdanken, dass Sponsorengelder fließen und jeder Desg-Trainer einen bezahlten Job hat.

Nachwuchsläufer unterstützen Verband

Eine Alternative zur Trennung von ihrem Coach Markus Eicher sei ihr nicht geblieben. Eicher ist nun Cheftrainer und für alle Frauen verantwortlich, "da blieb zu wenig Zeit für mich". Und da ihre wichtigsten Trainingspartner in ihrer Heimat Inzell nun vorrangig in Berlin unter dem neuen Männercoach Bart Schouten trainieren, blieb ihr nur die Flucht: "Ich hätte nichts mehr gehabt in Inzell."

Dasselbe Problem hat Anschütz-Thoms in Erfurt. Die Thüringerin, deren Wechsel in die Pechstein-Gruppe kurzfristig platzte, schrieb deshalb einen Protestbrief an Desg-Sportdirektor Günter Schumacher. "Unter diesen Umständen kann es für Daniela nur heißen, in der ersten Saisonhälfte irgendwie mitzulaufen", sagte Ehemann und Manager Marian Thoms.

Unterstützung bekommen die Desg-Oberen dagegen von zahlreichen Athleten aus der zweiten Reihe, die spätestens bei den Winterspielen 2014 anstelle von Pechstein und Co. die Medaillen holen sollen. Neben den seit Jahren erfolglosen Männern profitiert auch Lucille Opitz, die ebenfalls zum Gold-Team von Turin gehörte, von den neuen Methoden. Die 29-Jährige lief kürzlich persönliche Bestzeit über 5000m - auf der langsamen Freiluftbahn von Inzell.

© SID

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