Eisschnelllauf National
Niemann-Stirnemann zieht Schlussstrich

Sie hat es lange probiert, doch der geschundene Körper wollte nicht mehr: Gunda Niemann-Stirnemann, erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten, hat am Donnerstag ihr Karrierende bekannt gegeben.

Letztlich wollte der Rücken nicht mehr mitspielen und ließ eine eindrucksvolle Laufbahn unspektakulär ausklingen. Gunda Niemann-Stirnemann, erfolgreichste Eisschnellläuferin aller Zeiten, erklärte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin ihr Karriereende. "Aufgrund starker Rückenschmerzen kann ich mein Vorhaben, noch einmal aufs Eis zurückzukehren, leider nicht verwirklichen", sagte Niemann-Stirnemann.

Die 39-Jährige, die vor 19 Monaten bei der WM in Seoul ihr letztes Rennen bestritten hatte, wollte sich ursprünglich bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende in der Hauptstadt noch einmal für die Weltcups qualifizieren und damit die Chance auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Turin (10. bis 26. Februar 2006) wahren.

In der vergangenen Woche traten beim Training Schmerzen auf, kurz darauf folgten die ersten Rücktrittsgedanken. Die endgültige Entscheidung fiel am Mittwochabend. "Danach hatte ich eine schlaflose Nacht", meinte Niemann-Stirnemann, die bei der Pressekonferenz einen Tag später sehr gefasst wirkte.

Damit schloss sich für Niemann-Stirnemann der Kreis in Berlin. Sie verkündete ausgerechnet in der Stadt ihren Rücktritt, in der sie am 26. November 1988 ihren ersten Weltcupsieg gefeiert hatte. 97 weitere sollten folgen - ein Rekord für die Ewigkeit.

"Wunder-Gunda" dominierte fast nach Belieben. Dabei hatte sie erst 1983 im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal in ihrem Leben auf Schlittschuhen gestanden. Der Grund war so einfach wie einleuchtend: "Für Volleyball und Leichtathletik war ich nicht gut genug, beim Radfahren störten die dicken Beine."

19 WM- und acht EM-Titel sowie 19 Weltrekorde stehen in Niemann-Stirnemanns Bilanz. Doch auch für "Gold-Gunda" waren Olympische Spiele immer "das Größte". 1992 in Albertville gewann die Langstrecken-Spezialistin Gold über 3 000 und 5 000 Meter, 1998 stand sie in Nagano nach ihrem Triumph über die 3 000-Meter-Distanz noch einmal auf dem Treppchen ganz oben. Und auch in Turin wird sie als ZDF-Expertin wieder an der Bahn stehen.

Tiefpunkt Lillehammer

Bei Olympia erlebte die gelernte Textilfachverkäuferin aber auch ihre "größte sportliche Tragödie". 1994 in Lillehammer stürzte sie als haushohe Favoritin im 3 000-Meter-Lauf. Verkrampft und schockiert holte sie zwar Bronze über 1 500 Meter, musste aber über 5 000 m noch einmal eine bittere Pleite hinnehmen. Claudia Pechstein zeigte der Weltrekordlerin zum ersten Mal die Grenzen auf und gewann die erste ihrer bislang vier Goldmedaillen bei Olympia.

Schon in den vergangenen Jahren hatte Niemann-Stirnemann einen Abschied auf Raten gegeben. Wegen der Geburt ihrer Tochter Victoria im Mai 2002 legte sie eine zweijährige Babypause ein. Ihr Comeback in der Saison 2003/2 004 war achtbar, aber nicht glanzvoll. Nach hartnäckigen Rückenproblemen und einer weiteren Saison ohne Rennen wollte sie in diesem Winter noch einmal angreifen. Doch der Körper spielte nicht mehr mit.

© SID

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