Eisschnelllauf National
Pechstein wollte "alles hinschmeißen"

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat mit Blick auf ihren Dopingfall zwischenzeitlich an Rücktritt gedacht. In einem Interview kritisierte sie auch Anni Friesinger.

Claudia Pechstein hat im Zuge ihres Dopingfalls an Rücktritt gedacht. "Natürlich ist mir zwischendurch mal der Gedanke gekommen, alles hinzuschmeißen, weil ich nervlich nicht mehr konnte, und weil ich mich rechtfertigen musste, obwohl ich nichts getan habe", sagte die fünfmalige Eisschnellauf-Olympiasiegerin der Bild am Sonntag: "Aber aufgeben wäre für viele ein Schuldeingeständnis gewesen. Deshalb musste ich das durchziehen." Der Weltverband ISU, der sie wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt hat, habe ihr Leben zerstört: "Den Stempel loszuwerden, wird auch bei einem Freispruch nicht einfach."

Vor ihrer Berufungsverhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS am kommenden Donnerstag und Freitag in Lausanne kritisierte die 37-jährige Pechstein auch ihre alte Rivalin Anni Friesinger. "Was meine "Freundin" Anni und auch andere gesagt haben, ist mir mittlerweile egal. Vielleicht hat sie mal wieder drauflos geplappert ohne nachzudenken. Jeder darf seine Meinung sagen", sagte Pechstein mit Blick auf Friesingers Forderung, "knallhart durchzugreifen".

Friesinger rudert zurück

Friesinger stellte am Sonntag allerdings klar, dass ihre Aussage nicht ausschließlich an Pechsteins Adresse ging. "Ich habe sie nie persönlich angegriffen. Wir haben seit dem 1. Januar einen neuen Wada-Code, der meiner Meinung nach konsequent und hart angewendet werden sollte, egal, um welchen Sportler es geht", sagte Friesinger dem SID: "Natürlich steht es auch jedem Sportler frei, seinen Fall vom CAS überprüfen zu lassen." Pechsteins Seitenhieb wollte sie nicht näher kommentieren: "Ich freue mich auf den Saisonstart. Der Rest ist ihre Sache."

Friesinger hat derzeit andere Sorgen. Sie kämpft zwei Wochen vor dem Saisonstart bei den deutschen Meisterschaften in Berlin mit einer Erkältung, fühlt sich aber "konditionell topfit". Die größten Probleme bereiten ihr die Nachwirkungen eines Innenbandrisses im linken Knöchel, erlitten Ende August beim Joggen: "Ich trage einen Spezialschuh und bin getaped, die Starts sind das größte Problem."

Die Probleme im Knie, das vor der vergangenen Saison operiert worden war, habe sie "im Griff". Friesinger plant deshalb auch einen Start bei der Sprint-WM im japanischen Obihiro (16. bis 17. Januar) nur drei Wochen vor den Winterspielen in Vancouver (12. bis 28. Februar): "Die Sprint-WM steht bei mir auf dem Zettel." Auf Pechsteins Zettel steht derzeit nur die CAS-Verhandlung am 22. und 23. Oktober, von ihrem Erfolg vor dem obersten Sportschiedsgericht ist sie keinesfalls hundertprozentig überzeugt. Wenn sie wüsste, dass die Gerechtigkeit siege, würde sie sagen, sie könne mit Sicherheit bei den deutschen Meisterschaften in zwei Wochen in Berlin an den Start gehen: "Aber Zweifel sind immer da. Recht haben und Recht bekommen sind unterschiedliche Dinge."

Mögliche Schadensersatzklage

Ob sie im Falle eines Freispruchs Schadenersatzklage gegen die ISU einreichen wird, ließ Pechstein offen. Aber klar sei, dass "nicht nur ein Imageschaden entstanden ist, sondern auch ein finanzieller". Gerüchte, dass sie ihre Verteidigung bislang 250 000 Euro gekostet hat, wollte sie nicht kommentieren.

Wann der CAS sein Urteil verkünden will, ist unklar und hängt entscheidend von der Interpretation des vorgelegten Materials beider Parteien durch die drei Schiedsrichter ab.

© SID

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