Eisschnelllauf Verband
Verband hofft auf baldiges Ende im Fall Pechstein

Am Donnerstag könnte endlich die CAS-Entscheidung im Fall Claudia Pechstein fallen. Bei einem Freispruch würde Pechstein ihre Schlittschuhe beim Weltcup-Auftakt schnüren.

Mit der Hoffnung auf Freispruch der Athletin und der Sehnsucht nach einem Ende blickt das deutsche Eisschnelllauf-Lager der nahenden Entscheidung im Fall Claudia Pechstein entgegen. Die Hinweise verdichten sich, dass der Internationale Sportgerichtshof CAS sein Urteil am Donnerstag bekannt gibt. Das Thema Pechstein, das die DM in Berlin am Wochenende überlagerte, wird im Verband voraussichtlich personelle Veränderungen nach sich ziehen.

"Die Anzeichen verdichten sich, dass das Urteil am Donnerstag fällt. Die CAS-Richter sind sich wohl der Verantwortung bewusst, dass Claudia im Fall eines Freispruchs im ersten Weltcup starten müsste", sagt Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg).

Der CAS hatte erst jüngst in Aussicht gestellt, dass ab dem 5. November mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Einen Tag später beginnt der Weltcup in Berlin, für den die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein über 1 500 und 3000m vornominiert ist. Für den Fall einer juristischen Niederlage in Lausanne erwägt das Pechstein-Lager den Gang vor das Schweizer Bundesgericht.

Seit Monaten ist man sich im deutschen Verband bewusst, welch verheerende Auswirkungen die Bestätigung der Sperre haben würde. "Der Generalverdacht gegenüber unseren Sportlern würde enorm wachsen. Unsere Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf steht auf dem Spiel", sagt Heinze. Der Präsident schließt einen Rücktritt aus, ist aber überzeugt, dass "die Motivation bei einigen Leuten in der Verbandsspitze gelitten hat".

Heinze bemängelt Unprofessionalität

Heinze durchlebt die härtesten Wochen seiner vierjährigen Amtszeit. Er sieht sich durch die vergangenen Monate gestählt, kann mittlerweile das Wort Retikulozyten unfallfrei aussprechen. Das Verhalten des Weltverbandes (ISU), der Pechstein Anfang Juli sperrte, macht ihn wütend: "Da beschäftigen sich fünf, sechs Kräfte ehrenamtlich mit einem Fall von solch internationaler Strahlkraft. Das kann nicht sein. Da müssen professionelle Leute hin."

Allein die Tatsache, dass Pechstein als Präzedenzfall für Sperren ohne Dopingbefunde gilt, zeige die Wichtigkeit. "Hier müsste ganz genau geklärt werden, wie viele Indizien welche Bestrafung nach sich ziehen", sagt Heinze. Im Fall Pechstein ist er davon überzeugt, dass die angeführten Retikulozyten-Werte nicht ausreichen, die Einnahme von Epo nachzuweisen: "Deshalb glaube ich an Freispruch." Wie Heinze am Sonntag dem Deutschlandfunk bestätigte, hat sich der Verband mit rund 100 000 Euro an dem Verfahren von Pechstein beteiligt.

Mit Pechstein könnten deutsche Damen zu Olympia-Favoriten werden

Im deutschen Damen-Team hofft man ebenfalls auf eine Rückkehr der 37-Jährigen. "Das würde der gesamten Mannschaft gut tun", sagt Markus Eicher. Der Bundestrainer zählt die Berlinerin im Falle eines Freispruchs zu den Medaillenfavoritinnen bei Olympia in Vancouver (12. bis 28. Februar): "Was Claudia im Training trotz der Belastung geleistet hat, ist enorm. Ich bin überzeugt, sie wird auf dem Eis einen raushauen."

Das Thema Pechstein überlagerte auch die deutschen Meisterschaften am Wochenende in Berlin, wo die Sprinter aufhorchen ließen. Weltmeisterin Jenny Wolf (Berlin) und Nico Ihle (Chemnitz) holten sich über 500m die Siege mit deutschem Rekord. Jan Friesinger überzeugte mit den Titeln über 1 000 und 1500m.

"Seit Jan Anfang Oktober Vater geworden ist, ist er besonders motiviert. Ich bin so stolz auf ihn", sagte seine berühmte Schwester Anni Friesinger. Die zweimalige Olympiasiegerin schonte sich angesichts ihrer Knieprobleme und will sich in den nächsten Tagen mit viel Training in Berlin auf den Weltcup-Start vorbereiten.

© SID

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