Eisschnelllauf Weltcup
Beckert rast zum Rekord, Wolf siegt knapp

Stephanie Beckert hat in Calgary den deutschen 3 000-m-Rekord von Claudia Pechstein unterboten und ihren zweiten Weltcup-Sieg gefeiert. Jenny Wolf gewann knapp über 500 Meter.

Stephanie Beckert riss beide Arme in die Höhe und hatte nach ihrem grandiosen Endspurt sogar noch Luft für einen Jubelschrei: Die erst 21 Jahre alte Erfurterin konnte ihr Glück nach dem Husarenstück auf dem schnellsten Eis der Welt in Calgary kaum fassen. Ausgerechnet beim ersten Eisschnelllauf-Weltcup nach der Bestätigung der Dopingsperre für Claudia Pechstein knackte Beckert bei ihrem 3 000-m-Sieg auf dem Olympic Oval sogar den deutschen Rekord der Berlinerin und setzte damit deutlicher als je zuvor ein Zeichen für die Zukunft.

"Das ist der Wahnsinn", sagte Beckert, nachdem sie in 3:56,80 Minuten Topfavoritin Martina Sablikova um drei Hundertstelsekunden niedergerungen und ihren zweiten Weltcupsieg gefeiert hatte. Beckert blieb 55 Hundertstel unter Pechsteins Bestzeit, die die wegen Blutdopings gesperrte Berlinerin am 18. März 2006 an selber Stelle gelaufen war.

Beckerts Erfurter Teamkollegin Daniela Anschütz-Thoms rundete mit dem dritten Platz in persönlicher Bestzeit von 3:58,07 Minuten das glänzende Abschneiden des deutschen Teams ab. Top-Sprinterin Jenny Wolf hatte zum Auftakt des Weltcups auf der Olympiabahn von 1988 über 500m ihren 44. Weltcup-Sieg gefeiert.

Beckert stapelt für Olympia tief

"Ich habe damit gerechnet, dass ich erstmals unter vier Minuten laufen würde, aber so schnell? Unglaublich!", sagte Beckert, die sich immer mehr zur Olympiafavoritin mausert. Von einer Medaille in Vancouver will die schüchterne Thüringerin allerdings noch nichts wissen: "Ich muss jede Woche neu kämpfen, jede Woche die Herausforderung neu annehmen. Dann werde ich zu den Olympischen Spielen fahren, mein Bestes geben und dann sehen, was dabei herauskommt."

In einem nervenaufreibenden Duell hatte sie Sablikova mit einer hervorragenden Schlussrunde (30,8 Sekunden) noch eine Sekunde abgenommen und hinter sich gelassen. "Irgendwas muss ich ja können. Am Anfang bin ich noch nicht schnell genug, deshalb muss ich halt am Ende noch eine Schippe drauflegen", sagte Beckert, deren Mutter Angela, einst selbst Läuferin beim EHC Erfurt, den kompletten Beckert-Nachwuchs mit dem Eis-Virus infiziert hat. Patrick (19) läuft bereits im Weltcup, auch Pascal (18), Jessica (15) und Pedro (13) gehören zum hoffnungsvollen Nachwuchs beim EHC.

Wolf verfehlt eigenen Weltrekord deutlich

Jenny Wolf hatte zuvor in Calgary zwar den Sprung in eine neue Dimension verfehlt, freute sich nach einem Wimpernschlagfinale aber ebenfalls über ihren Sieg. In der engsten 500-m-Entscheidung der Weltcup-Geschichte verwies die Berlinerin in 37,33 Sekunden mit nur einer Hundertstel Vorsprung die zeitgleichen Lee Sang-Hwa (Südkorea) und Wang Beixing (China) auf den zweiten Rang.

Dass sie ihren Weltrekord (37,02) verpasste und nicht wie erhofft als erste Frau die Schallmauer von 37 Sekunden durchbrach, nahm Wolf mit einem Achselzucken hin. "Ich bin nicht enttäuscht, sondern froh über den Sieg. Durch einen schwachen Start habe ich auf der Runde zu viel Kraft gelassen, an einen Weltrekord war nach diesem Angang nicht zu denken", sagte Wolf mit Blick auf ihre 100-m-Zeit von 10,32 Sekunden.

Dennoch war auch Teamchef Helge Jasch mit Wolf zufrieden: "Das nenne ich einen Sieg mit Auge. Letztendlich ist völlig egal, ob sie mit einer Hundertstel oder einer Sekunde Vorsprung gewinnt. Sieg ist Sieg." Wolf war beim Start leicht weggerutscht und hatte so etwa zwei Zehntel verschenkt, danach hielt sie aber die technisch bessere Wang mit einem guten Lauf in Schach. Sie baute mit ihrem vierten Sieg im fünften Saisonrennen ihre Führung im Gesamtweltcup mit 480 Punkten vor Wang (420) aus und untermauerte ihre Favoritenstellung für die Winterspiele im Februar.

© SID

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