Eisschnelllauf Weltcup
Eisschnellläuferinnen in Hamar überzeugend

Die deutschen Eisschnellläuferinnen haben beim Weltcup in Hamar erneut überzeugt. Stephanie Beckert wurde über 5000m Zweite, Daniela Anschütz-Thoms Dritte.

Im Schatten des Dopingfalles Claudia Pechstein sorgen die deutschen Eisschnellläuferinnen weiter für Top-Resultate. Die Erfurterinnen Stephanie Beckert und Daniela Anschütz-Thoms mussten sich beim zweiten Weltcup in Hamar nur Weltrekordlerin Martina Sablikova geschlagen geben. Beckert belegte eine Woche nach ihrem 3 000-m-Erfolg in Heerenveen beim Sieg der Tschechin, die in Bahnrekordzeit von 6:50,07 Minuten gewann, in persönlicher Bestzeit von 6:52,79 Minuten den zweiten Platz. Anschütz-Thoms wurde einen Tag nach ihrem 35. Geburtstag in 6:59,62 Minuten Dritte.

"Es war ein phantastischer Lauf gegen eine Supergegnerin. Ich wollte unter sieben Minuten laufen, das ist mir geglückt", sagte die erneut bärenstarke Beckert, die im direkten Duell mit Sablikova allerdings chancenlos war. Bis zu diesem abschließenden Duell hatte Anschütz-Thoms das Klassement angeführt. Die beiden Langstrecklerinnen sicherten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) damit zwei Startplätze für das Langstreckenrennen bei Olympia.

Jubel bei Trainer Gneupel

Einen weiteren holte sensationell Katrin Mattscherodt über das so genannte Zeitranking. Die 28 Jahre alte Berlinerin lief in 7:05, 01 Minuten als Zweite der schwächeren B-Gruppe die insgesamt siebtbeste Zeit.

Trainer Stephan Gneupel war von seinen Schützlingen Beckert und Anschütz-Thoms begeistert. "Das war grandios. Ich hatte noch nie zwei Läuferinnen, die in einem 5 000-m-Rennen unter sieben Minuten geblieben sind", sagte der Erfurter Erfolgscoach, der mit Blick auf Olympia aber vorsichtig blieb: "Bis dahin ist es noch ein weiter Weg." Den Gesamtweltcup führt nun Sablikova mit 280 Punkten vor Beckert (250) und Anschütz-Thoms (200) an.

Unterdessen sagte Anni Friesinger ihren 1 500-m-Start am Sonntag wegen eines fiebrigen Infekts ab. "Sie hat am Freitag Fieber bekommen. Auch wenn es schon wieder etwas besser geworden ist, wäre ein Start viel zu gefährlich", sagte ihr Trainer Gianni Romme: "Natürlich hätte ich es lieber gesehen, wenn sie hier gelaufen wäre und sich weiteres Selbstvertrauen geholt hätte. Aber unruhig werde ich deshalb nicht. Abgerechnet wird in dieser Saison nur bei Olympia."

Friesingers alte Rivalin Claudia Pechstein hatte erst am Freitagabend erfahren, dass der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne ihren Eilantrag auf einen Start in Hamar abgelehnt hat. Damit war das Thema Pechstein allerdings auch beim Weltcup noch lange nicht erledigt.

Desg-Präsident bezeichnet Pechstein-Ausschluss als "unfair"

Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg), kritisierte die Verweigerung des Startrechts für Pechstein als "unfair". "Dazu fällt mir eigentlich gar nichts mehr ein. Diese Entscheidung kostet uns einen Startplatz im 5 000-m-Rennen bei den Winterspielen", sagte Heinze mit Blick auf den CAS-Beschluss. Auch der Desg-Boss hatte Mattscherodt nicht auf der Rechnung gehabt. Nach dem Klasse-Lauf der Berlinerin wollte er aber trotz des dann doch erreichten Olympia-Startplatzes nicht in Begeisterung ausbrechen: "Dadurch ist der Fall Pechstein auch nicht ausgestanden."

Pechstein hatte bereits am Freitag die Begründung der ISU hart kritisiert: "Mit dieser Argumentation hat die ISU für jeden ganz offen dargelegt, dass Fairplay nicht zu ihren Grundsätzen zählt. Da muss man sich ja schämen, jemals für diesen Verband gelaufen zu sein."

Für das herausragende Resultat in Hamar sorgte Olympiasieger Shani Davis. Der US-Amerikaner stellte zum Auftakt der Rennen über 1 500 m einen inoffiziellen Flachland-Weltrekord auf. Der Weltmeister gewann in 1:44,27 Minuten und holte damit den dritten klaren Sieg im dritten Rennen der Saison über diese Distanz. Davis verwies Lucas Makowsky aus Kanada (1:45,40) und den Norweger Havard Bökko (1:45,61) mit über einer Sekunde Vorsprung auf die Plätze zwei und drei.

© SID

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