Eisschnelllauf Weltcup
Friesinger-Postma mit schwachem Saisonaufktakt

Mit einem 15. Rang über 1000m und Platz sieben über 1500m hat Anni Friesinger-Postma den schwächsten Saisonstart in den Eisschnelllauf-Weltcup ihrer Karriere hingelegt.

Sie zuckte ratlos mit den Schultern und winkte gequält ins Publikum: Anni Friesinger-Postma ist mit dem schlechtesten Ergebnis ihrer Karriere in die Olympia-Saison gestartet. Die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin lief beim Weltcup in Berlin über 1000m nur auf den 15. Rang. Über 1500m musste sie sich mit dem siebten Rang begnügen. Damit wuchsen die Sorgen im Deutschen Eisschnelllauf-Verband (Desg), der mit der gesperrten Claudia Pechstein bereits Ärger genug hat.

"Das war schon ein Schock. So haben wir Anni lange nicht erlebt", sagte Teamchef Helge Jasch. Man müsse jetzt Ruhe bewahren. Zum Glück sei die Lage noch nicht so dramatisch wie im vergangenen Jahr. Da startete Friesinger wegen der Knie-Operation erst mit zweimonatiger Verspätung in die Saison.

"Diese Leistung ist nicht diskussionswürdig", schimpfte auch Friesinger selbst nach dem Desaster über 1000m. Die Inzellerin führte den Rückschlag auf Verletzungen zurück. "Ich kann keinen Druck auf die Schlittschuhe aufbauen", sagte sie.

Nesbitt stellt Friesinger-Postmas Bahnrekord ein

Im vergangenen Jahr hatte sie sich einer Meniskus-Operation am rechten Knie unterziehen müssen. Zudem verletzte sie sich in diesem Sommer bei einem Sturz am Knöchel. Ihr schlechtestes Ergebnis über 1000m bei einem Weltcup war zuvor ein sechster Platz im Januar in Kolomna. Zu allem Übel musste sie sich seit Sonntag noch den Bahnrekord über 1500m mit der Kanadierin Christine Nesbitt teilen, die in 1:55,54 gewann. Friesinger kam auf 1:58,13 Minuten. Dahinter folgte Daniela Anschütz-Thoms als Achte (1:58,40).

Sprint-Weltmeisterin und Lokalmatadorin Jenny Wolf sorgte indes für einen Triumph. Die 30-Jährige feierte auf ihrer Paradestrecke über 500m mit Bahnrekord (37,52 Sekunden) ihren 41. Weltcup-Erfolg und verwies Konkurrentin Wang Beixing (China) auf den zweiten Rang. Wolf fuhr nach Zielankunft mit hochgerissenen Armen an den jubelnden Zuschauern vorbei und genoss den Applaus. "Ich wusste, dass ich diese Zeit hier laufen kann", so Wolf.

Als Hoffnungsträger erwiesen sich Stephanie Beckert (Erfurt) und Monique Angermüller (Berlin), die vielleicht einmal die jahrelange Dominanz von Pechstein/Friesinger durchbrechen können. Beckert erstaunte mit Platz drei über 3000m, Angermüller lief über 1000m auf Rang sieben. Beide lösten auf Anhieb das Olympia-Ticket für Vancouver (12. bis 28. Februar). "Das war mein Traum", sagte Angermüller unter Freudentränen.

Pechstein verteidigt sich gegen Kollegen-Kritik

Claudia Pechstein, die am Sonntag in der Halle als Zuschauer war, machte indes ihrem Frust nach den jüngsten Attacken aus dem Kollegenkreis Luft. "Niemand kann sich vorstellen, wie es im Moment in mir aussieht", schrieb Pechstein auf ihrer Homepage ("www.claudia-pechstein.de"). "Scheinbar darf jeder über mich herziehen und mich öffentlich denunzieren, nur weil in meinem Körper ein Blutwert höher ist als bei anderen", wetterte die 37-Jährige, nachdem zuletzt vor allem ausländische Läufer ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt hatten.

Gleichzeitig forderte die 37 Jahre alte Pechstein vom Weltverband ISU die Bekanntgabe der Namen aller weiteren Sportler, die wie sie höhere Retikulozytenwerte aufweisen und kündigte an, so lange kämpfen zu wollen, bis sie ihren "Freispruch in der Tasche" habe.

Die fünfmalige Olympiasiegerin behauptete, dass es in der Datenbank des Weltverbandes mehr als 500 Werte gebe, die außerhalb des so genannten Normbereiches von 0,65 bis 2,4 Prozent liegen. Nur 14 Werte davon gehörten ihr. Zwölf andere Athleten würden auch hohe Retikulozytenwerte aufweisen. Die ISU müsse die Namen dieser Athleten benennen. "Warum bin ich die einzige, die als Aussätzige am Nasenring durch die Arena gezogen wird? , fragte Pechstein.

© SID

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