Eisschnelllauf Weltcup
Jenny Wolf siegt in Heerenveen

Eisschnellläuferin Jenny Wolf hat in Heerenveen ihren 42. Weltcup-Sieg gefeiert. Zu ihrem ersten Erfolg im Weltcup kam die 21 Jahre alte Stephanie Beckert über die 3 000-m-Distanz.

Die Freude von Jenny Wolf über ihren 42. Weltcup-Sieg hielt sich wegen des schweren Sturzes von Marianne Timmer noch in Grenzen, Stephanie Beckert ließ danach ihrem Jubel aber freien Lauf. Die erst 21 Jahre alte Erfurterin gewann in der niederländischen Kufenhochburg Heerenveen über 3000m zum ersten Mal ein Weltcuprennen und entwickelt sich allmählich zur Mitfavoritin für die Langstreckenrennen bei Olympia in Vancouver.

"Das ist einfach großartig. Ich hatte eine perfekte letzte Runde und in Daniela Anschütz-Thoms eine Supergegnerin. Aber dass es zum Sieg reichen und auch Martina Sablikova im letzten Rennen nicht mehr herankommen würde, hätte ich nie gedacht", sagte die überglückliche Beckert.

Beckert will Olympia "locker angehen"

In 4:05,29 Minuten ließ sie Vize-Weltmeisterin Sablikova (4:05,68) und Teamkollegin Anschütz-Thoms (4:05,73) hinter sich und feierte den bislang größten Erfolg ihrer Karriere. Ihre beste Weltcup-Platzierung war bislang ein zweiter Rang an selber Stelle im vergangenen Jahr über 5000m.

Mit Blick auf Olympia bleibt Beckert aber zurückhaltend. "Ich bin nur froh, dass ich dabei bin. Ich versuche da natürlich so gut wie möglich zu laufen, unter Druck setzen werde ich mich aber mit Sicherheit nicht. Ich habe noch meine ganze Karriere vor mir und werde es locker angehen lassen", sagte die Erfurterin, die sich im Langstrecken-Weltcup hinter Sablikova auf Rang zwei verbesserte.

500-m-Weltrekordlerin Wolf hatte zuvor trotz zweier Patzer auf der Gegengeraden den Sprint souverän für sich entschieden, doch nach Timmers Sturz war die Stimmung in der Thialf-Halle gedrückt. Die Niederländerin war in der Zielkurve von der zuvor gestürzten Chinesin Yu Jing mitgerissen worden. Beide knallten mit etwa 50km/h in die Bande.

Timmert offenbar mit Außenbandriss im Fuß

Yu kam mit einer Schnittwunde relativ glimpflich davon. Auch Timmer, die mit beiden Beinen unter die Bandenbegrenzung geraten und mit dem linken Fuß hängengeblieben war, trug einer ersten Diagnose im Krankenhaus zufolge nur einen Außenbandriss im Fuß davon. Unmittelbar nach dem Unfall waren noch Sprunggelenks- und Unterschenkelbrüche befürchtet worden.

"Das ist die große Problematik bei diesen Banden. Das ist leider nicht das erste Mal, dass ein solcher Unfall vorkommt", sagte Helge Jasch, Teamchef der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg). Timmer muss den Fuß voraussichtlich vier Wochen lang komplett ruhigstellen. Ob sie sich dann im Dezember bei den Ausscheidungsrennen noch für die Winterspiele in Vancouver qualifizieren kann, ist sehr fraglich.

"So etwas lässt natürlich niemanden kalt, aber Jenny scheint den Schock am besten weggesteckt zu haben", sagte Wolfs Trainer Thomas Schubert. In der Tat ließ Wolf in 37,93 Sekunden ihrer Dauerrivalin Wang (38,19) im letzten Rennen keine Chance. Die Stolperer auf der Gegengeraden kosteten Wolf nach extrem schnellen ersten 100m (10,19) möglicherweise sogar den Bahnrekord, den sie in 37,60 Sekunden hält.

Sieg gibt Wolf "natürlich Selbstvertrauen"

"Mit zwei solchen Patzern trotzdem zu gewinnen, gibt mir natürlich Selbstvertrauen. Jedenfalls weiß ich jetzt, dass ich in der Vorbereitung alles richtig gemacht habe", sagte Wolf. Schubert wollte wegen der Fehler "lieber den Mantel des Schweigens über das Rennen legen".

Durch ihren zweiten Sieg im dritten Weltcupsprint der Saison übernahm Wolf mit 280 Punkten auch die alleinige Führung in der Gesamtwertung vor Wang (260), die vor einer Woche das erste von zwei Rennen in Berlin vor Wolf gewonnen hatte.

Weltmeister Shani Davis hat die Konkurrenz deklassiert und auch das zweite 1 500-m-Rennen der Saison gewonnen. Eine Woche nach seinem Erfolg in Berlin verwies der Weltrekordler aus den USA in Bahnrekordzeit von 1:44,48 Minuten den Norweger Havard Bökko (1:45,57) und Stefan Groothuis aus den Niederlanden (1:45,74) mit über einer Sekunde Vorsprung auf die Plätze zwei und drei.

Davis blieb 71 Hundertstelsekunden unter dem fast drei Jahre alten Bahnrekord von Lokalmatador Erben Wennemars. Er vergrößerte damit in der Gesamtwertung mit der perfekten Ausbeute von 200 Punkten seinen Vorsprung vor Bökko (160) und Groothuis (130). Deutsche Läufer waren in der A-Gruppe in Heerenveen nicht vertreten.

© SID

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