Eisschnelllauf Weltcup
Pechstein triumphiert auch über 1 500 Meter

Einen Tag nach ihrem Sieg über 5000m zeigte sich Claudia Pechstein auch über 1500m in Top-Form. Die Berlinerin verbuchte in neuer Bahnrekordzeit ihren 26. Weltcup-Sieg.

Als Claudia Pechstein exakt 17 Jahre nach ihrem Weltcup-Debüt den Doppel-Triumph von Moskau perfekt gemacht hatte, konnte sie ihre Genugtuung nicht mehr verbergen. "Ich habe zwar immer gesagt, dass ich niemandem mehr etwas beweisen muss. Aber es fühlt sich schon sehr gut an, allen gezeigt zu haben, dass ich noch nicht zum alten Eisen gehöre. Ich bin einfach nur happy", meinte die 36 Jahre alte Berlinerin nach ihren grandiosen Siegen über 1 500 und 5000m beim Weltcup in der russischen Hauptstadt.

Für Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin waren die beiden ersten Plätze weit mehr als nur die Weltcup-Siege Nummer 25 und 26. Mit dem Ende der zweijährigen Durststrecke ohne Erfolg auf den Einzelstrecken verbannte sie auch endgültig die Selbstzweifel aus dem Kopf, vor denen selbst eine fünfmalige Olympiasiegerin nach einer Serie vierter Plätze in der jüngsten Vergangenheit nicht verschont geblieben war.

"Ein gewaltiger Schub"

"Ich kenne meinen Körper und habe immer gespürt, dass es noch geht. Auch in meinem Alter noch. Es ist halt doch so wie mit dem Wein, der im Alter immer besser wird", sagte Pechstein nach ihrem insgesamt sechsten Weltcup-Doppelpack und bezeichnete den Sieg als "logische Konsequenz harter Arbeit". Auf dem Weg zu ihren nächsten großen Zielen, der Einzelstrecken-WM im März und den Winterspielen 2010 in Vancouver, verleihe ihr dieses Moskauer Wochenende "einen gewaltigen Schub".

Sie habe immer ihr Augenmerk auf die wichtigen Wettkämpfe gelegt, so Pechstein: "Ich bin fünfmal Olympiasiegerin geworden, habe aber vergleichsweise wenig Weltcup-Siege auf dem Konto - das sagt doch alles."

Über die ungeliebte 1 500-m-Distanz hatte Pechstein den ersten Sieg seit fast sechs Jahren verbucht und in 1:55,96 Minuten den Bahnrekord der verletzt fehlenden Anni Friesinger (1:56,40) klar unterboten. Über 5000m legte sie das zweitschnellste Rennen ihrer Karriere und die sechstbeste Zeit der Eisschnelllauf-Geschichte auf die Moskauer Bahn. In 6:49,92 Minuten verwies sie Martina Sablikova (6:58,18) mit über sieben Sekunden Abstand auf Platz zwei.

Weltrekordlerin Sablikova geschlagen

Gerade der Sieg über die zuletzt übermächtige Sablikova hatte für Pechstein richtungsweisenden Charakter. "Sie ist eben nicht unschlagbar", meinte sie mit Blick auf die Weltmeisterin, Weltrekordlerin und Weltcupsiegerin aus Tschechien.

Schon vor der Saison hatte sich angedeutet, dass Pechstein noch mal zum großen Wurf ansetzen könnte. Praktisch ohne Verletzungen kam sie durch die Vorbereitung. Eine Operation an der Nasenscheidewand erleichterte der häufig verschnupften Pechstein das Atmen während der Rennen. "Seit dem Eingriff bin ich beschwerdefrei. Das hat mir scheinbar das Quäntchen zurückgebracht, das mir zuletzt gefehlt hat", sagte Pechstein.

Zuletzt zog sie selbst aus den ihr verhassten vierten Plätzen Selbstvertrauen. In der vergangenen Woche wurde sie in Heerenveen trotz eines Stolperers über 3000m Vierte. "Da wusste ich schon, dass meine Form stimmt", sagte die mit Abstand älteste Läuferin in der Weltspitze, die mit ihrem 5 000-m-Sturmlauf auch die Experten zu Lobeshymnen hinriss.

"Eine absolute Granate"

"Das war der Wahnsinn, wie sie durchgezogen hat, ein perfekter Lauf, eine absolute Granate", meinte Helge Jasch, der sonst so zurückhaltende Teamchef der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg). Mit Jasch und ihrem Heimtrainer Peter Müller gönnte sich Pechstein nach dem Rennen am Samstagabend auch noch ein Bier auf den Sieg.

Grund zur Freude hatte aber auch das jüngste Mitglied im Moskauer Desg-Tross. Stephanie Beckert wurde über 5000m sensationell Dritte und war darüber mindestens ebenso glücklich wie Pechstein über den Sieg. "Ich schwebe auf Wolke sieben", meinte die 20 Jahre alte Erfurterin, die nun endgültig die große Hoffnungsträgerin für die Zeit nach Pechstein, Anni Friesinger und Jenny Wolf ist. Passende Ziele formulierte sie nach dem ersten Weltcup-Podestplatz ihrer Karriere im Interview mit der ARD: "Ich möchte mal Olympiasiegerin werden."

© SID

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