Eisschnelllauf WM
Friesinger bei WM in Heerenveen auf Rang zwei

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger ist bei der Mehrkampf-WM in Heerenveen nur an der überragenden Lokalmatadorin Ireen Wüst gescheitert. Bei den Männern holte in Sven Kramer ebenfalls ein Niederländer Gold.

Anni Friesinger hat drei Wochen nach ihrem Sieg bei der Sprint-WM das angestrebte Double verpasst und bei der Mehrkampf-WM im niederländischen Kufen-Mekka Heerenveen gegen die überragende Lokalmatadorin Ireen Wüst eine deutliche Niederlage kassiert.

"Ich kann stolz auf mich sein"

Nach dem zweiten Platz der Team-Olympiasiegerin aus Inzell bleibt die Dresdnerin Karin Enke die einzige Eisschnellläuferin, die beide Titel in einer Saison gewonnen hat - zuletzt vor 20 Jahren, wenige Monate nach der Geburt der neuen Allround-Königin Wüst.

"Sie ist hier fantastisch gelaufen, das muss man anerkennen", meinte Friesinger, die ihren vierten Allround-Triumph und den insgesamt 14. WM-Titel verpasste: "Aber das ist eine Silbermedaille, über die ich mich riesig freue. Für das Double hätte ich mehr die langen Strecken trainieren müssen. Ich habe hier den Preis für meinen tollen Sieg in Hamar bezahlt. Trotzdem kann ich auch so stolz auf mich sein."

Sven Kramer läuft Weltrekord

Der Triumph von Wüst wurde allerdings noch vom Galaauftritt ihres Landsmannes Sven Kramer in den Schatten gestellt, der erstmals Mehrkampf-Weltmeister wurde und über 10.000m seinen eigenen Weltrekord unterbot. Der ebenfalls 20 Jahre alte Europameister gewann auf seiner Heimbahn das abschließende Rennen in sensationellen 12:49,88 Minuten und verwies im Gesamtklassement den Italiener Enrico Fabris und seinen Landsmann Carl Verheijen auf die Plätze zwei und drei. Den alten Weltrekord (12:51,60) hatte Kramer im April 2006 auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Calgary aufgestellt. Nach dem Ausscheiden des über 500m gestürzten Berliners Tobias Schneider verpasste Stefan Heythausen (Grefrath) als 15. die Qualifikation für das 10 000-m-Rennen.

Am Rande des faszinierenden Duells an der Spitze - Friesinger und Wüst machten den Sieg in drei von vier Rennen untereinander aus - ging eine der beeindruckendsten Serien der Eisschnelllauf-Geschichte zu Ende. Claudia Pechstein erreichte zum ersten Mal seit zwölf Jahren bei der jährlich ausgetragenen Mehrkampf-WM keinen Podestplatz. Die Berlinerin wurde Vierte und musste elf Tage vor ihrem 35. Geburtstag erneut erkennen, dass es für den Sprung nach ganz vorne wohl nicht mehr reicht.

Claudia Pechstein regelrecht vorgeführt

"Es ist halt so, dass die Serie nun beendet ist, aber die muss mir erstmal jemand nachmachen", meinte Pechstein, die im 5000m-Rennen von Europameisterin Martina Sablikova regelrecht vorgeführt wurde. Die Tschechin blieb in der Bahnrekordzeit von 6:49,31 Minuten nur knapp zweieinhalb Sekunden über Pechsteins Weltrekord, den die Berlinerin bei ihrem Olympiasieg 2002 auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Salt Lake City aufgestellt hatte. In Heerenveen war Pechstein (6:59,98) am Ende mehr als zehn Sekunden langsamer als Sablikova - und wurde dennoch Zweite vor Wüst. Friesinger belegte über den "langen Kanten" nur Rang neun.

Im Gesamtklassement war die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein, die immerhin noch die Erfurterin Daniela Anschütz-Thoms hinter sich ließ, allerdings nicht die Einzige, die gegen Friesinger und Wüst chancenlos war. Auch die kanadische Titelverteidigerin Cindy Klassen, die am Ende Dritte wurde, oder Sablikova standen auf verlorenem Posten.

Friesinger hatte am Freitag zum Auftakt die 500m gewonnen, doch Wüst zeigte schon auf ihrer Problem-Distanz mit einer persönlichen Bestleistung, dass sie hervorragend in Form ist. Am zweiten Tag entriss die 20-Jährige vor den Augen von IOC-Präsident Jacques Rogge und 13 000 begeisterten Oranje-Fans in der ausverkauften Thialf-Halle jeweils im direkten Duell Friesinger den 1500m-Bahnrekord und nahm der Deutschen über 3000m, ebenfalls in Bahnrekordzeit, fast vier Sekunden ab.

Diesmal brach Ireen Wüst nicht ein

"Meine 1 500 waren schlecht, aber auf den 3 000 war ich in Heerenveen noch nie schneller", sagte Friesinger. Dass sie dennoch so viel Zeit auf Wüst verlor, schob sie auf das fehlende Langstreckentraining.

Unter dem Strich hatte Wüst vor dem letzten Rennen komfortable 11,77 Sekunden Vorsprung vor Friesinger. Und im Gegensatz zur EM vor vier Wochen in Klobenstein brach sie nicht ein. In Südtirol, wo Friesinger nicht am Start war, hatte die Niederländerin an der Spitze ein 14-Sekunden-Polster auf die Tschechin Martina Sablikova verschenkt und war am Ende nur Zweite geworden.

© SID

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