Eisschnelllauf WM
Friesinger trotz geglückter Revanche in der Kritik

Auch nach ihrer geglückten Revanche gegen Ireen Wüst beim Eisschnelllauf-Weltcup in Erfurt steht Anni Friesinger weiter in der Kritik. Der Grund ist ihr Verzicht auf den Teamwettbewerb bei der WM in Salt Lake City.

Trotz ihrer geglückten Revanche gegen Erzrivalin Ireen Wüst beim Eisschnelllauf-Weltcup in Erfurt, konnte sich Anni Friesinger nicht so recht freuen. Erneute Kritik von Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg), verhagelten der 30-Jährigen die Laune.

Nachdem sie am Samstag ihren 44. Weltcup-Sieg gefeiert, den eigenen Bahnrekord verbessert und vor allem Wüst in die Schranken gewiesen hatte, kochten die Diskussionen über ihre umstrittene Entscheidung, bei der Einzelstrecken-WM in Salt Lake City (8. bis 11. März) auf einen Start im Team-Wettbewerb zu verzichten, wieder hoch.

"Wir gehen davon aus, dass Anni sich für das Team einbringt und in Salt Lake City läuft, wenn sie gesund ist", sagte Heinze. Für die definitive Absage Friesingers zeigte der Berliner wenig Verständnis: "Ich glaube nicht, dass schon eine Entscheidung gefallen ist. Wir müssen im Einvernehmen zu einer Entscheidung kommen, nicht sie im Alleingang."

Zeitplan durchkreutzt Friesingers Teamstart

Friesinger betonte erneut, dass der Zeitplan in Salt Lake City ihren Teamstart nicht zulasse. Auf die Aussagen von Heinze, mit dem sie schon vor Saisonbeginn wegen der Auswirkungen der Desg-Strukturreform heftig gestritten hatte, ging sie nicht weiter ein: "Nur so viel: Dass ich nicht im Team laufe, ist mit Cheftrainer Markus Eicher abgesprochen. Wenn ich in Salt Lake Einzelmedaillen hole, profitiert auch der Verband davon."

Friesinger hatte bei den Winterspielen in Turin das Team zu Gold geführt, allerdings den angestrebten Einzel-Olympiasieg ihrer Meinung nach vor allem wegen der hohen Belastung im Mannschaftswettbewerb verpasst. "Ich will nicht den selben Fehler noch einmal machen", sagte die Sprint-Weltmeisterin, die sich in Salt Lake ausschließlich auf die 1 000 und 1500m konzentrieren will.

Eicher, der bis zu den Winterspielen in Turin Friesingers Trainer war, schlägt in der Diskussion moderatere Töne als Heinze an. Er hoffe ganz stark, dass er bei der WM das stärkste Team aufbieten könne. Darüber wolle er auch noch mal mit seinem ehemaligen Schützling sprechen.

Geht es nach Gianni Romme, Friesingers derzeitigem Coach, kann sich Eicher das Gespräch sparen. "Unsere Entscheidung steht fest. Anni muss zuerst an sich denken. Der Verband kann sie nicht zwingen zu laufen", meinte der Doppel-Olympiasieger von Nagano.

Pechstein startet im Team-Wettbewerb

Der Teamlauf in Salt Lake City findet am Samstag statt, einen Tag später will Friesinger aber das 1000m-Rennen gewinnen. Ihre alte Rivalin Claudia Pechstein, die sonntags bei der WM über 5000m läuft, hat dasselbe Problem, will aber dennoch im Team starten. Für Romme hinkt der Vergleich allerdings: "Die 1000m sind im Gegensatz zu den 5000m eine völlig andere Strecke als der Teamlauf. Er passt bei uns einfach nicht in die Vorbereitung - bei Claudia schon."

Nach ihrem Sieg gegen Wüst, die die Deutsche zuvor beim Weltcup in Turin und bei der Mehrkampf-WM in Heerenveen klar geschlagen hatte, konnte sich Friesinger allerdings einen Seitenhieb auf Heinze nicht verkneifen. Der Desg-Präsident hatte nach Wüsts WM-Sieg von einer Wachablösung gesprochen, die sich möglicherweise andeute. Friesinger: "Das Gerede über eine bevorstehende Wachablösung ist totaler Quatsch. So weit ist es noch lange nicht. Ireen muss erstmal beweisen, dass sie über Jahre hinweg ganz vorne laufen kann."

© SID

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