Eisschnelllauf WM
Friesinger verfehlt knapp ihr zweites WM-Gold

Anni Friesinger holte im 1 000-m-Rennen bei der Einzelstrecken-WM im kanadischen Richmond den zweiten Platz und verpasste dabei ihr zweites WM-Gold nur um vier Hundertstelsekunden.

Anni Friesinger hat einen Tag nach dem geschenkten Sieg über 1 500 m bei der Einzelstrecken-WM in Richmond ihre zweite Goldmedaille um vier Hundertstelsekunden verfehlt. Die 32-Jährige musste sich über 1000m in 1:16,32 Minuten der Kanadierin Christine Nesbitt (1:16,28) geschlagen geben. Bronze holte die Niederländerin Margot Boer (1:16,44). Friesinger verpasste damit ihr insgesamt 17. WM-Gold und verteidigte auf der neuen Olympiabahn nur einen ihrer beiden Titel aus dem Vorjahr erfolgreich.

Dennoch war sie nicht enttäuscht. "Ich bin kaputt, aber sehr zufrieden. Ich kann mit Silber sehr gut leben, weil die Batterien einfach am Ende waren. Da hat sich bemerkbar gemacht, dass ich wochenlang an Krücken unterwegs war", sagte Friesinger, die im Sommer am Knie operiert worden war.

Start im Teamrennen noch unsicher

Rekordsiegerin Friesinger will nun den 13. Titel bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften bei ihrem letzten WM-Auftritt im Teamrennen am Sonntag jagen. Eine definitive Zusage für einen Start wollte sie unmittelbar nach dem 1 000-m-Rennen aber nicht geben: "Das Knie fühlt sich nicht richtig gut an, der Doktor wird sich das mal anschauen. Danach werden wir und alle zusammensetzen und gemeinsam entscheiden, welche Besetzung für das Team am sinnvollsten ist."

Nach dem glücklichen Sieg am Freitag hatte Friesinger mehr denn je auf "normales" Gold über 1000m gehofft. "Dieser Titel sollte eigentlich etwas Besonderes sein, doch ich kann mich nicht so richtig über ihn freuen", hatte Friesinger nach der kuriosen 1 500-m-Entscheidung gesagt.

Sie gab gerade der ARD ein Interview, als Moderatorin Franziska Schenk auf die Anzeigetafel deutete. Dort stand plötzlich nicht mehr die Kanadierin Kristina Groves, sondern Friesinger auf Platz eins. Die neue Siegerin schaute zunächst verdutzt und zeigte keine Gefühlsregung, nachdem sie realisiert hatte, dass sie nun Weltmeisterin ist. Groves, die fast eine Sekunde schneller gelaufen war als Friesinger, hatte eingangs einer Außenkurve die Begrenzung ihrer Laufbahn um wenige Zentimeter überschritten und war einer neuen Regel zufolge disqualifiziert worden.

Friesinger verärgert über neue Regel

"Die Strafe ist zu hart. Kristina war die Beste. Die Regel muss wieder geändert werden", sagte Friesinger fast ein wenig verärgert. Vor der laufenden Saison war die Bestrafung für das Verlassen der Bahn eingeführt worden. Davor galt ein Übertreten der Begrenzung zwar auch als Regelverstoß, wurde vom Schiedsgericht aber zumeist toleriert.

Zudem war ihr eigener Lauf alles andere als gut gewesen. "Das war harte Arbeit, viel zu holprig. Über 1000m muss ich besser laufen", sagte Friesinger, die in der Wertung aller drei Weltmeisterschaften (Einzelstrecke, Mehrkampf, Sprint) mit 16-mal Gold noch drei Siege von Rekord-Titelträgerin Gunda Niemann-Stirnemann entfernt ist. Ganz konnte sie allerdings nicht Wort halten. Auf der zweiten Runde (30,34 Sekunden) verlor sie die entscheidenden Hundertstel auf Nesbitt (29,71). Die Berlinerin Monique Angermüller (1:17,26 Minuten) erreichte Platz elf, Heike Hartmann (Inzell/1:18,10) Rang 18.

© SID

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