Eisschnelllauf WM
Friesinger verzichtet auf Start im Team-Wettbewerb

Bei der Einzelstrecken-WM der Eisschnellläufer in Salt Lake City wird Anni Friesinger auf den Team-Wettbewerb verzichten. Die 30-Jährige führte die hohen körperlichen Belastungen der Saison als Grund an.

Olympiasiegerin Anni Friesinger hat ihren endgültigen Verzicht auf eine Teilnahme am Team-Wettbewerb bei der Einzelstrecken-WM in Salt Lake City (8. bis 11. März) erklärt. Die 30-Jährige führte die hohen körperlichen Belastungen der vergangenen Wochen als Grund an. Friesinger setzte sich damit über die Forderungen der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) hinweg und zog ihrerseits einen Schlussstrich unter die leidige Debatte um Ehre und Stolz.

"Ich bin ein Mensch und keine Maschine, die auf Knopfdruck funktioniert ... Ich habe auch nur einen Körper, und meine Gesundheit ist mein Kapital", sagte Friesinger auf ihrer Internet-Seite (www.annifriesinger.de) und konnte sich einen Seitenhieb Richtung Desg-Spitze nicht verkneifen: "Das sollte auch im Sinne des Verbandes sein."

Vor den letzten Saisonstarts beim Weltcup-Finale in Calgary/Kanada (2. bis 4. März) und bei der WM eine Woche später in Salt Lake City/USA seien Anspannung und Reisestress angestiegen. "Ich will meinen Körper vor allem in der Höhe nicht überlasten, wie in den vergangenen Jahren", teilte Friesinger mit. Somit verzichte sie "schweren Herzens", wolle aber auf den Einzelstrecken über 1 000 und 1500m "für den Verband auf Jagd um Medaillen gehen".

Kopfschütteln beim Verband

Beim Verband löste die endgültige Absage Kopfschütteln aus. "Ich sage zu dem Thema gar nichts mehr. Kein Kommentar", erklärte Frauen-Bundestrainer Markus Eicher fast schon beleidigt. Noch am Vortag hatte Eicher auf ein Einlenken seines früheren Schützlings gehofft. Angeblich sei auch Stillschweigen vereinbart worden, doch davon ließ sich die Spitzen-Athletin nicht beeindrucken.

Regelrecht brüskiert fühlen musste sich Desg-Präsident Gerd Heinze, der von Friesinger einen Start beim Team-Lauf auf dem WM-Eis gefordert hatte. "Ich bin davon überzeugt, dass sie sich der Ehre bewusst ist, für Deutschland zu laufen", hatte Heinze gemeint, um einen Tag später von der endgültigen Absage zu erfahren.

Dabei hatte sich der Verband angeblich am Montag mit der Läuferin auf einen Kompromiss geeinigt, wonach eine definitive Entscheidung über den Start erst kurz vor der WM verkündet werden sollte. "Man kann die Mannschaft bis eine Stunde vor dem Lauf umstellen", so Eicher. Von diesem Kompromiss war am Dienstag allerdings nicht mehr die Rede.

Desg-Präsident Heinze enttäuscht

Trotz der Absage will Heinze noch einmal das Gespräch mit Friesinger suchen. "Ich bin enttäuscht, schließlich ist der Teamwettbewerb eine besondere Darstellung unseres Verbandes", sagte Heinze. Maßnahmen gegen Friesinger will der Präsident nicht ergreifen: "Das wäre möglich, doch das ist nicht mein Ansinnen. Mein Ansinnen war und ist es, dass Anni dem Schlachtschiff unseres Verbandes auch weiterhin angehört."

Der Fall Friesinger verdeutlicht die Ohnmacht des Verbandes. Mit Appellen an die Ehre, für Deutschland zu laufen, hat man bei der Desg erheblich daneben gelegen. Moderne Profis müssen in erster Linie erfolgsorientiert denken, und außerdem hatte Eicher selbst Friesingers Trauma von Olympia 2006 ins Gespräch gebracht. Demnach sei die Inzellerin der Meinung, dass sie ihren Einsatz beim Team-Wettbewerb in Turin mit dem verpassten Einzel-Gold über 1000m bezahlt habe. In Salt Lake City will sie nun eine andere Strategie ausprobieren. Schließlich lernt man aus Fehlern.

© SID

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