Eisschnelllauf WM
Friesingers Ziel ist der zwölfte WM-Titel

Anni Friesinger will bei den heute beginnenden Einzelstrecken-Weltmeisterschaften der Eisschnellläufer mindestens einmal Gold. Auch Jenny Wolf hat gute Chancen auf einen Titel.

Anni Friesinger will das goldene Dutzend voll machen, Jenny Wolf geht auf Rekordjagd und Daniela Anschütz-Thoms hofft auf den lang ersehnten großen Wurf. Bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften im kanadischen Richmond (bis 15. März), zugleich die Feuertaufe der olympischen Eisschnelllauf-Bahn, sind die deutschen Kufen-Königinnen ab heute auch ohne Claudia Pechstein auf Gold programmiert.

"Wenn ich einen von meinen beiden Titeln aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen könnte, wäre ich schon superglücklich", sagt Friesinger. Über 1 000 und 1500m geht sie als Titelverteidigerin und Topfavoritin an den Start. Im Teamwettbewerb soll ohne Pechstein (Saisonende wegen Trainingsrückstand), die bei bislang allen elf Titelkämpfen auf der Einzelstrecke mindestens eine Medaille holte und nun erstmals fehlt, ebenfalls Edelmetall her.

Friesinger winkt alleiniger Gold-Rekord

Schon mit einem Sieg würde Friesinger, die erfolgreichste Läuferin in der Geschichte der Titelkämpfe (11 Gold-, acht Silber-, 1 Bronzemedaille), die Erfurterin Gunda Niemann-Stirnemann (11/3/0) endgültig hinter sich lassen und als erste Läuferin zum zwölften Mal Gold holen.

Für die 32-Jährige wäre es das perfekte Ende einer kurzen Saison. Friesinger war nach einer Knie-Operation im Sommer erst im Januar aufs Eis zurückgekehrt und benötigte einige Zeit, um zu alter Stärke zu finden. Am vergangenen Samstag verzichtete sie beim Weltcup-Finale in Salt Lake City nach ihrem 1 000-m-Erfolg freiwillig auf die große Chance, ihren 60. Weltcup-Sieg einzufahren, und sagte ihren 1 500-m-Start dem Knie zuliebe ab: "Ich wollte kein Risiko eingehen, die drei WM-Starts sind für mich zu wichtig."

Jenny Wolf will WM-Geschichte schreiben

Im Gegensatz zu Friesinger verpatzte Wolf die WM-Generalprobe, verfehlte über 500m den angestrebten Weltrekord und wurde nur Zweite hinter Erzrivalin Wang Beixing aus China. "Ich mache mich jetzt nicht verrückt. Wenn ich keine Fehler mache, bin ich immer noch die Schnellere", sagt Wolf, die einen Rekord der besonderen Sorte anpeilt. Die Berlinerin kann in Richmond als erste Läuferin in der WM-Geschichte zum dritten Mal in Folge 500-m-Weltmeisterin werden. Große Sprinterinnen wie Monique Garbrecht-Enfeldt oder Catriona Lemay-Doan versuchten sich vergeblich am Triple.

"Damit beschäftige ich mich nicht. Diese Serie würde ganz schnell eh keiner mehr kennen", sagt Wolf, gibt dann aber zu: "Trotzdem wäre es eine Supersache." Ihren Weltrekord wird Wolf in Kanada definitiv behalten. Das Eis im Richmond Olympic Oval ist zwar "überraschend gut" (Friesinger), aber bei weitem nicht so schnell wie auf den Hochland-Bahnen in Salt Lake City oder Calgary.

Anschütz-Thoms hofft auf erstes Einzel-Gold

Derweil hofft die "ewige Zweite" Daniela Anschütz-Thoms mit 34 Jahren endlich auf ihren ersten Einzelstrecken-Titel. Die Erfurterin, die bislang nur mit dem Team große Siege feierte und bei 134 Weltcup-Starts kein einziges Mal alleine ganz oben auf dem Treppchen stand, will über 3 000 oder 5000m endlich mal vor Titelverteidigerin Martina Sablikova (Tschechien) ins Ziel kommen. "Sie hat in der letzten Zeit auch keine Superresultate mehr erreicht. An einem guten Tag kann ich sie schlagen", sagte Anschütz-Thoms.

Im Teamlauf sind sie und Friesinger die Antreiberinnen - für wen, steht noch nicht fest. Die Entscheidung fällt wohl zwischen den Berlinerinnen Monique Angermüller und Lucille Opitz, die auf den Langstrecken zu den Geheimfavoritinnen gehört.

Die deutschen Männer sind in den Einzel-Wettkämpfen meilenweit von einer Medaille entfernt, hoffen aber auf den Mannschafts-Wettbewerb, in dem sie im Vorjahr in Nagano überraschend Bronze geholt hatten.

© SID

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