Eisschnelllauf WM
Gold und Bronze für deutsche Eisschnellläuferinnen

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) darf sich bei der Einzelstrecken-WM in Salt Lake City über das erste Edelmetall freuen: Jenny Wolf glänzte mit Weltrekord und Gold über die 500m, die Staffel holte Bronze.

Sie schlug fassungslos die Hände vor das Gesicht, fiel ihrer Vorgängerin Monique Garbrecht-Enfeldt um den Hals und kämpfte bei der Siegerehrung mit den Freudentränen: Die Berlinerin Jenny Wolf ist mit einem sensationellen Weltrekord und Gold im 500-m-Sprint bei der Einzelstrecken-WM in Salt Lake City in eine neue Eisschnelllauf-Dimension und aus dem langen Schatten der Kufen-Königinnen Claudia Pechstein und Anni Friesinger gestürmt.

Während die 28 Jahre alte Literaturstudentin auf einer Hebebühne das Schild mit ihrer Fabelzeit 37,04 Sekunden an die Weltrekordwand in der Eingangshalle des Olympic Oval hängen durfte, verpasste das Team mit Pechstein, Daniela Anschütz-Thoms und Lucille Opitz zwar die erfolgreiche Titelverteidigung, freute sich aber über die Bronzemedaille.

"Das ist so super, einfach überwältigend. Ich kann es noch gar nicht fassen", meinte Wolf: "Dafür habe ich lange und hart gearbeitet. Ich habe mir oft vorgestellt, wie das ist, wenn man oben auf dem Treppchen steht und die Nationalhymne gespielt wird. Und ein Weltrekord war immer mein Traum."

Wolf krönte grandiose Saison

Mit ihrem perfekten Lauf krönte Wolf eine grandiose Saison. Am vergangenen Wochenende hatte sie die Gesamtweltcups über 100 und 500m geholt. Dass eine Woche später ihre erste Medaille bei einem großen Wettkampf gleich die goldene sein sollte - inklusive Weltrekord - realisierte sie erst nach einigen Momenten: "Mir war das erst bewusst, als so viele Leute auf mich zukamen und mir gratulierten. Auch der Lärm der Zuschauer fiel mir auf. Da dachte ich, du musst es geschafft haben."

Ihr Trainer Thomas Schubert, den die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (Desg) aus Kostengründen zum Ärger von Wolf ("ein Skandal") nicht mit in die Olympiastadt von 2002 reisen ließ, wurde in Berlin "halb wahnsinnig" vor Freude: "Ich konnte die Zeit zuerst gar nicht glauben. Es ist schade, dass ich nicht dabei war, aber das ist jetzt egal. Das ist der Lohn für die jahrelange harte Arbeit."

Wolf hatte nach dem ersten Lauf noch 14 Hundertstel hinter Topfavoritin Wang Beixing gelegen, stürmte dann aber im zweiten Durchgang im direkten Duell an der Chinesin vorbei. Sie unterbot den alten Weltrekord ihres Vorbildes Catriona Lemay-Doan gleich um 18 Hundertstel.

Die knapp fünfeinhalb Jahre alte Bestmarke der Kanadierin (38,22) war die älteste noch existierende auf einer olympischen Strecke und galt nicht zuletzt deshalb im Rekordranking als der härteste Brocken. Ausgerechnet die ruhige, häufig in sich gekehrte Wolf, die in acht Jahren in der Weltspitze auch oft an ihren Nerven gescheitert war, knackte ihn. Zuvor hatte auf den 500m nur Garbrecht-Enfeldt 2000 und 2003 WM-Gold für Deutschland geholt.

"Ich denke, dass auch eine 36er Zeit möglich ist. Aber das kann nur auf einer so schnellen Bahn wie hier passieren. Mal schauen, Catrionas Rekord hat auch fünf Jahre gehalten", sagte Wolf, die den goldenen Schlusspunkt einer glänzenden Saison nun in vollen Zügen genießen will - vor allem mit ihrem Freund Oliver, mit dem sie einen Abstecher nach Las Vegas macht.

"Das war eine geile Leistung von Jenny"

"Das war eine geile Leistung von Jenny", meinte Pechstein, die sich nach ihrem vierten Platz im 3 000-m-Rennen über Team-Bronze freuen konnte. Die 35-Jährige holte damit bei allen zehn Einzelstrecken-Titelkämpfen Medaillen, insgesamt bislang 21 (5 Gold, zehn Silber, sechs Bronze): "Das macht mir so leicht keiner nach."

Weil Anschütz-Thoms noch kurz vor dem Start über einen steifen Hals geklagt hatte und Opitz in der letzten Runde die Kräfte verließen, war auch Markus Eicher mit Platz drei der Olympiasiegerinnen zufrieden. "Das ist Bronze, kein Holz", sagte der Bundestrainer, fügte aber hinzu: "In einer anderen Besetzung wäre mehr drin gewesen." Den Namen Anni Friesinger - die Ausnahmeläuferin hatte auf einen Start im Team verzichtet - erwähnte er nicht.

© SID

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