Eisschnelllauf WM
Pechstein nur Siebte bei Mehrkampf-WM

Die mit großen Hoffnungen gestartete Claudia Pechstein kam bei der Mehrkampf-WM auf ihrer Berliner Heimstrecke nur als Siebte ins Ziel. Die Holländerin Paulien van Deutekom siegte.

Claudia Pechstein hat bei der Eisschnelllauf-WM im Mehrkampf die erhoffte Medaille klar verpasst. Die fünfmalige Olympiasiegerin erlebte ausgerechnet auf ihrer Hausbahn in Berlin einen völlig unerwarteten Absturz. Die 35-Jährige kam mit 165,093 Punkten nur auf den siebten Rang, lieferte ihr schlechtestes WM-Ergebnis seit 1995 ab und machte vor dem enttäuschten Publikum das Debakel perfekt. Erstmals seit 28 Jahren gab es keine deutsche Medaille bei einer Mehrkampf-WM.

Auch Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms konnte das Fiasko nicht abwenden. Die Erfurterin lieferte zwar eine solide Leistung und wurde am Ende Sechste (164,886), verpasste aber klar das Podest. Den Titel gewann die Niederländerin Paulien van Deutekom (162,191 Punkte) vor Titelverteidigerin Ireen Wüst (Niederlande/162,533) und Kristina Groves (Kanada/162,879). Martina Sablikova holte zum Abschluss die 5 000 m in Bahnrekord (6:59,26).

Allgemeine Ratlosigkeit

"Ich kann das nicht erklären. Ich wollte glänzen, doch am Ende war es ein Wort mit Sch...", sagte Pechstein. Die 35-Jährige hatte extra für die Heim-WM beim Verband die Wettkampf-Rückkehr ihres Ex-Trainers Joachim Franke durchgedrückt, doch am Ende war auch der 67 Jahre alte Routinier ratlos: "Vielleicht war der Druck zu groß. So eine Zeit wie über 3 000 m ist sie letztmals vor zehn Jahren gelaufen."

Bundestrainer Markus Eicher sprach die Dinge kritisch an: "Vielleicht gab es Schwierigkeiten im Training. Ich weiß es doch gar nicht, ich war ja durch die Rückkehr von Joachim Franke nicht eingebunden." Eicher musste für Franke vom Eis, bezeichnete die Leistung als "Katastrophe" und wünschte sich Anni Friesinger zurück. Die dreimalige Mehrkampf-Weltmeisterin läuft nur noch auf kürzeren Strecken. Eicher: "Sie war immer für eine Medaille gut."

"Zum Heulen zu Mute"

Desg-Präsident Gerd Heinze ist nun im Trainer-Zwist als Vermittler gefragt. Der Verbands-Boss rang nach Worten, als die sportliche Blamage vor den Augen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ihren Lauf nahm. Bund und Senat hatten die Bahn extra für eine Million Euro modernisiert: "Mir ist zum Heulen zu Mute. Dieses Ergebnis tut den Athleten weh, das tut aber auch dem Verband sehr weh." Für einen kleinen Lichtblick sorgte Katrin Mattscherodt (Berlin/167,120), die Rang zehn belegte. Lucille Opitz (Berlin) kam auf Platz 20.

Trotz der herben Pleite wollte sich Pechstein keine Gedanken über einen Rücktritt machen. "Das hier hat keinen Einfluss auf meine Zukunft", sagte "Pechi". Zu Saisonbeginn hatte sie sich anders geäußert. Damals kündigte sie ihren Rückzug für den Fall an, dass sie in Berlin oder einen Monat später bei der Einzelstrecken-WM in Japan keine Medaille holen würde.

Deutsche Männer enttäuschten ebenso

Für wenig Glanz sorgten auch die deutschen Männer. Seit über einem Jahr wird der Durchbruch prognostiziert, doch auch in Berlin liefen die beiden Deutschen hinterher. Tobias Schneider (Berlin) und Robert Lehmann (Erfurt) schafften nicht einmal den Sprung unter die besten Zwölf für den abschließenden 10 000-m-Lauf. "Wir sind alle sehr geknickt und wissen noch nicht, woran es gelegen hat", sagte Männer-Bundestrainer Bart Schouten.

Ungeachtet der deutschen Pleite demonstrierten die Niederländer ihre Extraklasse und ließen sich von ihren vielen mitgereisten Fans feiern. Die EM-Zweite van Deutekom überzeugte sechs Tage nach ihrem 27. Geburtstag und überraschend vor Titelverteidigerin Wüst.

Niederländer Kramer sichert sich zweiten Titel

Sven Kramer aus den Niederlanden holte derweil zum zweiten Mal in Folge den Titel bei den Männern. Der 21-Jährige brachte es nach vier Läufen auf 148,494 Punkte und vertedigte damit seinen Titel aus dem Vorjahr. Den zweiten Platz erreichte der Norweger Havard Bökko mit 149,823 Punkten. Platz drei ging an Olympiasieger Shani Davis (USA/149,908). Alle drei Läufer blieben unter dem alten Punkte-Bahnrekord von Tobias Schneider (Berlin), der bei 153,106 Punkten stand.

Die beiden deutschen Läufer hatten das Finale der besten zwölf Läufer über 10.000m verpasst und mussten sich mit hinteren Platzierungen begnügen. Lokalmatador Tobias Schneider belegte Rang 14, Robert Lehmann (Erfurt) landete am Ende auf Rang 16.

Kramer hatte den abschließenden Lauf über 10.000m in 13:09,06 Minuten mit neuem Bahnrekord gewonnen.

© SID

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