Eisschnelllauf WM
Pechstein zur Halbzeit nur auf Rang drei

Bei der Mehrkampf-WM in Hamar ist Eisschnellläuferin Claudia Pechstein nach zwei von vier Rennen nur Dritte. Die 36-Jährige muss damit um den Gewinn des Doubles bangen.

Eisschnelllauf-Europameisterin Claudia Pechstein muss nach einem mäßigen ersten Tag und einem schmerzhaften Fehltritt im 500-m-Rennen bei der Mehrkampf-WM in Hamar um das Double zittern. Die fast 37 Jahre alte Berlinerin, die sich zur ältesten Siegerin in der 76-jährigen Geschichte der Titelkämpfe krönen könnte, liegt einen Monat nach ihrem EM-Coup von Heerenveen zur Halbzeit des Vierkampfes auf dem dritten Platz.

Nach dem fünften Rang über 500m (39,74) erreichte Pechstein über 3000m leicht angeschlagen den vierten Rang, denn ein Missgeschick im Sprint hatte schmerzhafte Folgen. "Ich habe mir nach ungefähr 35 Metern die rechte Kufe links hinten reingehackt. Gott sei Dank war der Schuh dazwischen, sonst wär es richtig übel geworden", sagte Pechstein, die eine kleine Wunde im Bereich der Achillessehne und "ein komisches Gefühl" mit ins 3 000-m-Rennen nahm.

Sablikova in Führung

Dort lief sie vor über 9 000 Zuschauern im ausverkauften "Wikingerschiff", darunter auch der norwegische König Harald V., auf Rang vier (4:06,00) und verlor viel Zeit auf die Tschechin Martina Sablikova (4:01,90), die mit ihrem Streckensieg im Gesamtklassenment die Führung vor der Kanadierin Christine Nesbitt übernahm.

"Mit Platz drei bin ich im Soll, denn ein Podestplatz ist mein Ziel. Vielleicht geht noch was nach oben, vielleicht wird es für Sablikova ja noch mal eng", sagte Pechstein, die aber schon mal vorsichtshalber anfügte: "Es ist ja nicht der wichtigste Wettkampf der Saison." Der Cut am Fuß habe sie nicht direkt behindert, "aber im Hinterkopf hat man so etwas schon".

Sablikova hatte sich auf ihrer mit Abstand schwächsten Strecke über 500m sehr gut geschlagen (Platz 10) und dann ihre Stärke auf der Langstrecke voll ausgespielt. "Mir war schon klar, dass sie hier sehr gut laufen würde", sagte Pechstein, die vor den 1500m am Sonntag 0,23 Sekunden hinter der Tschechin liegt. "Claudia hasst es zu verlieren, das macht sie so stark. Sablikova noch zu schlagen wird zwar schwer, aber Claudia darf man nie abschreiben", meinte Pechsteins Trainer Peter Mueller.

Deutschland erfolgreichste Wintersportlerin, die den ersten ihrer bislang fünf Olympiasiege vor kann 15 Jahren in Hamar feierte und dort nun ihre 17. Allround-WM absolviert, war nach der Absage der erkrankten Vize-Europameisterin Daniela Anschütz-Thoms aus Erfurt mehr denn je als Gold-Kandidatin an den Start gegangen. Pechstein kann in Hamar als insgesamt siebte Läuferin das Double aus EM- und WM-Titel holen. Zuletzt war dies Anni Friesinger, die keine klassischen Mehrkämpfe mehr bestreitet, im Jahr 2005 gelungen.

Kramer mit phantastischem Lauf

Bei den Männern zeigte Titelverteidiger Sven Kramer den norwegischen Fans mit einem phantastischen 5 000-m-Lauf, wer Herr im Hause ist. Der 22 Jahre alte Europameister gewann das 5 000-m-Rennen in 6:09,75 Minuten und blieb damit eine Hunderstel unter seinem inoffiziellen Flachland-Weltrekord, den er 2006 in Berlin aufgestellt hatte. Den Bahnrekord von Anni Friesingers Trainer Gianni Romme aus dem Jahr 2004 (6:19,06) unterbot er um knapp zehn Sekunden.

Damit übernahm der "fliegende Holländer", der über 500m Sechster geworden war, souverän die Spitze vor dem Norweger Havard Bökko und dem Italiener Enrico Fabris. Lokalmatador Bökko, großer Hoffnungsträger der Norweger, verlor als Zweiter über 5000m mehr als sechs Sekunden auf Kramer und damit wohl entscheidenden Boden.

Bester Deutscher im Gesamtklassement ist der EM-Achte Robert Lehmann, der nach seinem 5 000-m-Lauf auf Rang 16 (6:35,19) im Gesamtklassement Zehnter ist. Der deutsche Mehrkampf-Meister Tobias Schneider (Platz 14 in 6:33,98) belegt Rang 14.

© SID

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