Eklat bei Cricket-Match
Viel mehr als nur ein Spiel

In einem Cricket-Länderspiel gegen England blieb das pakistanische Team nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung zur zweiten Halbzeit in der Kabine. Nun breitet sich der Abbruch des Matches zu einem politischen Skandal aus.

LONDON. Einsam war es auf dem Platz, als der australische Schiedsrichter Darrell Hair am vergangenen Sonntagnachmittag den Rasen des Oval-Stadions im Londoner Stadtteil Kennington betrat. Auf jeden Fall deutlich einsamer, als es hätte sein sollen. Hair fehlten genau elf Mann: elf Spieler der pakistanischen Nationalmannschaft, die es vorzogen, aus der Teepause nicht mehr zurückzukehren, um ihr Match gegen England zu beenden.

Ja, es handelte sich tatsächlich um die Teepause, nicht um eine ordinäre Halbzeitunterbrechung, denn im Oval wird nicht Fußball, sondern Cricket gespielt. Und das Nichtereignis des Nichterscheinens der pakistanischen Elf bescherte dem britischen Nationalsport einen der größten Skandale seiner Geschichte. Einen Skandal, der wegen drohender Spielverschiebungen nicht nur Millionen von Pfund kosten könnte, sondern der kurz davor steht, vom Sportlichen ins Politische zu kippen. Und das in einer Zeit, in der die Beziehungen zu Pakistan nach den jüngsten Londoner Terrordrohungen ohnehin gespannt sind.

Was war geschehen? Der bullige Schiedsrichter Hair hatte den nicht minder imposanten Kapitän des pakistanischen Nationalteams, Inzamam-ul-Haq, im vierten und letzten Testspiel gegen England beschuldigt, er habe den kleinen ledernen Cricket-Ball manipuliert. Dafür verhängte Hair gemäß Regel 42.3 der Cricket-Statuten fünf Strafpunkte. Darüber erhitzten sich die Gemüter der Asiaten so sehr, dass sie in ihrer Kabine blieben, als Hair um 16.40 Uhr seinen einsamen Versuch machte, das Spiel fortzusetzen. Erst um 17.25 Uhr führte Inzamam-ul-Haq seine Mannschaft doch noch auf das Spielfeld. Aber jetzt hatten die Schiedsrichter keine Lust mehr. Zum ersten Mal in der 129-jährigen Geschichte der Cricket-Länderspiele musste ein Match wegen eines Eklats abgebrochen werden.

Dabei wirkt das angebliche Vergehen des pakistanischen Kapitäns verglichen mit einem Foul im Fußball harmlos. Inzamam-ul-Haq soll den Ball mit den Fingernägeln auf einer Seite zerkratzt haben, um dem Wurfgeschoss mehr Spin zu verleihen und es so unberechenbarer für den britischen Schlagmann zu machen.

Dem Laien mag das Geschehen im Oval wie eine Farce vorkommen. Doch schon jetzt ist klar, dass der Eklat tiefe Narben hinterlassen wird. Vier Sonderseiten war die Affäre der „Times“ wert. Die BBC befragte auf ihrem Nachrichtenkanal jeden verfügbaren Experten zu den sportlichen und politischen Konsequenzen.

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