Emissionsprospekt im Zentrum der Diskussion
Neue Vorwürfe gegen den BVB

Die Betrugs-Anschuldigungen gegen das Management von Borussia Dortmund gehen weiter. Am heutigen Mittwoch (2.3.) wird der Informationsdienst "Direkter Anlegerschutz" einen Report vorlegen, in dem er den BVB wie auch die Commerzbank und ihre Tochter Commerz Leasing scharf attackiert.

HB DÜSSELDORF. Im Zentrum der Diskussion liegt der Emissionsprospekt des Immobilienfonds Molsiris, den Commerz Leasing im April 2003 auflegte und der zuvor das Westfalenstadion übernommen hatte. In dem Prospekt wurde der BVB mit Hinweis auf den Jahresüberschuss 2001/02 als "eines der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballunternehmen in Deutschland" bezeichnet.

Verschwiegen werde allerdings, sagt "Direkter Anlegerschutz", dass dieses positive Ergebnis nur durch den Verkauf eines Stadion-Teils an eine Commerzbank-Tochter erzielt wurde. Ohne ihn wäre ein Minus von 21,5 Mill. Euro entstanden. Später wurde das Geschäft rückgängig gemacht, die Anteile kamen zu Molsiris. Der Fonds kaufte dann weitere Anteile, was wiederum die Bilanz für das Jahr 2002/2003 in die schwarzen Zahlen gehoben habe. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie von Georg Stadtmann, Dozent an der Koblenzer Privat-Universität WHU. Nach Ansicht der Kölner Anwaltskanzlei Klumpe, Schroeder & Partner fällt dieses Vorgehen in den Bereich Kapitalanlagebetrug.

Für die Borussia könnte dies ein Problem darstellen. Sie will am 14. März die Anteilseigner von Molsiris bewegen, einem Sanierungskonzept zuzustimmen. "Wenn dies nicht klappt, besteht die Gefahr einer unmittelbaren Insolvenz", erklärte BVB-Sanierer Jochen Rölfs. Laut des Konzeptes wäre der Schaden der Anteilseigner relativ gering: Ein Teil des Kapitals würde zurückgezahlt, der Rest mit den versprochenen 8 Prozent verzinst. Trotzdem könnten Anleger auf die Idee kommen, dem Plan nicht zuzustimmen um die Fondsgesellschaft zu verklagen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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