Ende der „Salary Cap“
US-Football-Liga will starre Gehaltsregeln abschaffen

Von wegen Aufbruchstimmung: Gezeichnet von sinkenden Sponsoreneinnahmen und rückläufigen Ticketverkäufen ist die US-Football-Liga NFL am Donnerstag in die neue Saison gestartet. Besonders die Kosten für neue Stadien belasten die Gewinne der Team-Eigentümer. Die Abschaffung der Grenzen für Spielergehälter soll nun wieder höhere Margen ermöglichen.

ih/Bloomberg NEW YORK/KÖLN. Als ob die Wirtschaftskrise den Sport nicht schon genug belasten würde, könnten die Teams der NFL jetzt auch noch ihre teuren Profis in der nächsten Saison 2010/11 vom Spielbetrieb ausschließen. Hintergrund ist der auslaufende Vertrag über die Gehaltsgrenzen für Spieler, der sogenannten „Salary Cap“. Die Eigentümer der 32 NFL-Teams hatten im Mai 2008 dafür gestimmt, den Vertrag um zwei Jahre zu kürzen – damit könnte die nächste Saison erstmals seit 1993 wieder ohne festgeschriebene Gehaltslimits starten. „Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für ein Jahr ohne Lohngrenzen – und wir bereiten uns darauf vor“, sagte NFL-Commissioner Roger Goodell.

Das Ende der Salary Cap könnte die Macht in der reichsten und populärsten Liga der Welt neu verteilen. In dieser Saison darf keine Mannschaft mehr als 128 Mio. Dollar an ihre Spieler auszahlen. Als Untergrenze ist die Summe von 112 Mio. Dollar festgeschrieben. Mit dieser geringen Gehaltsspanne garantiert die NFL einen ausgeglichenen Wettbewerb zwischen den Teams. Die Besitzer können ihre Mannschaften weder durch exorbitante Gehälter aufpeppen, noch sich an ihnen durch zu geringe Lohnzahlungen bereichern. Die Liga ahndet Verstöße gegen die Regel mit harten Strafen.

Die Gehaltsgrenzen haben maßgeblich dazu beigetragen, die Attraktivität der NFL zu erhöhen. Während in den meisten europäischen Ligen, die keine Salary Cap kennen, oft nur wenige wirtschaftskräftige Vereine um die Meisterschaft konkurrieren können, bietet die US-Football-Liga von Jahr zu Jahr Überraschungen. Seit Einführung der Gehaltsregel haben elf verschiedene Mannschaften den Titel geholt. Das Fernsehen honoriert die sportliche Ausgeglichenheit: Rund die Hälfte der acht Mrd. Dollar, die die Liga jährlich an Umsatz erwirtschaftet, stammt aus der TV-Rechtevermarktung. Auch hier herrscht Chancengleichheit: Die TV-Einnahmen teilen die Teams zu gleichen Teilen unter sich auf.

Doch jetzt bedroht die Wirtschaftskrise das Erfolgsmodell. Die NFL prognostiziert für diese Saison einen Einbruch der Zuschauerzahlen um bis zu zehn Prozent. Es wäre der zweite Rückgang in Folge. „Wir brauchen einen neuen Vertrag, der die Realitäten anerkennt und uns ein weiteres Wachstum wie in den vergangenen 15 Jahren erlaubt“, sagt der NFL-Funktionär Jeff Pash.

Ohne Gehaltsgrenzen könnten die Teams Spieler auch zu geringeren Löhnen engagieren – und nur werbewirksamen Stars hohe Summen bezahlen. Die Spielergewerkschaft erwartet daher, dass die Klubs ihre Profis vom Spielbetrieb aussperren werden, um den Verhandlungsdruck zu erhöhen. Die Folge wäre ein Ende des Solidaritätsprinzips: Die bekannten Teams mit hohen Kosten, aber auch hohen Einnahmen würden die Meisterschaft unter sich ausmachen. Die Masse der Klubs würde mit geringeren Ausgaben höhere Margen erzielen können.

Der Grund für die Misere liegt in den Kostensteigerungen der vergangenen Jahre. In Erwartung weiteren Wachstums haben die Eigentümer viel Geld in die NFL investiert – und in den Bau neuer Stadien gesteckt. So sind überall in den USA moderne Arenen entstanden – finanziert in erster Linie von den Besitzern der Teams selbst. So treten die Dallas Cowboys Mitte September im neuen Mega-Stadion an, das mit 1,2 Mrd. Dollar Baukosten als eine der teuersten Sportstätte der Welt gilt. Bis 1993 war das die Ausnahme: Damals hatten die Miami Dolphins noch das einzig privat finanzierte Stadion der NFL. Doch die neuen Arenen sind nicht nur eine Zuschauerattraktion, sondern müssen sich auch refinanzieren – in der Krise ein schwieriges Unterfangen. Bei einigen Eigentümern sei die jährliche Rendite auf nur noch ein Prozent gefallen, sagt Mike Cramer, Ex-Präsident des Baseballteams Texas Rangers.

Die Teameigner verlangen von den Profis eine Beteiligung an ihren Investitionen. Immerhin, so argumentiert die NFL, haben die Spielergehälter seit 2006 drei Viertel des Einnahmewachstums verschlungen, während der Anstieg der Kosten den Restbetrag weit übertraf. „Die Eigentümer zahlen für das Wachstum der Liga die Zeche und finanzieren neue Stadien, während die Spieler die Gewinne abschöpfen“, sagt Marc Ganis, Präsident der Unternehmensberatung Sportscorp.

Die Spielergewerkschaft hat eine andere Sichtweise – sie sieht das Ende der Salary Cap als Mittel zum Geldscheffeln: „Die NFL-Eigentümer haben uns keine Dokumente vorgelegt, die die wirtschaftliche Notwendigkeit neuer Gehaltsregeln untermauert“, sagt Anwalt Jeffrey Kessler. Die Gewerkschaft sieht die Lage weniger dramatisch als die Liga. Ihr zufolge macht ein NFL-Team im Schnitt einen Gewinn von 100 Mio. Dollar im Jahr.

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