Entscheidung über Zukunft des Bundesligisten am Montag
Anteilseigner entscheiden über BVB-Existenz

Am Montag steht das Schicksal des ruhmreichen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund auf dem Spiel. In Düsseldorf haben die Anteilseigner das letzte Wort über die schwarz-gelbe Zukunft.

Von Felix Meininghaus

Was hat der ruhmreiche Ballsport Verein Borussia Dortmund für große Begegnungen bestritten: Ob München oder Schalke in der Bundesliga, ob Mailand oder Madrid in der Champions League, bedeutende Klubs begleiteten den BVB. Doch das wichtigste Auswärtsspiel der fast hundertjährigen Vereinsgeschichte steigt am Montag in Düsseldorf. Nicht bei der drittklassigen Fortuna, sondern in einem Konferenzsaal des Flughafens.

Um zehn Uhr beginnt die für den Verein überlebenswichtige Versammlung, auf der die Anteilseigner des Immobilienfonds "Molsiris", über den von der Borussia Dortmund KGaA vorgelegten Antrag beraten und abstimmen. Der Fonds der Commerzbanktochter Commerzleasing hatte vor zwei Jahren das Westfalenstadion vom BVB erworben, um den Prachtbau über Jahre hinweg an den Klub zurückzuleasen. Längst ist klar, dass die vereinbarten Zins- und Tilgungszahlungen von 16 Millionen Euro jährlich den maroden Traditionsverein auffressen.

Nun bittet der in existenzielle Not geratene Börsenklub die 5800 Anteilseigner um ihre Zustimmung zu einer Stundung. Die vereinbarten Zahlungen an die Anleger sollen für zwei Jahre ausgesetzt werden, zudem soll dem hochverschuldeten schwarz-gelben Unternehmen das zur Absicherung der Anleger hinterlegte Bardepot von 52 Millionen Euro zugänglich gemacht werden. Rund 43 Millionen sollen aufgewendet werden, um 42,8 Prozent des Stadions zurückzukaufen, die restlichen neun Millionen werden gebraucht, um die Saison zuende bringen zu können.

Die Kassen sind so leer, dass ohne frisches Geld keine Gehälter mehr gezahlt werden können. Mit allen 67 Gläubigern des Klubs haben sich die Sanierer geeinigt, die Rückzahlungen der Schulden nach hinten strecken zu können. Nun fehlt als letzter Eckpfeiler im Überlebensplan noch die Zustimmung der Molsiris-Anteilseigner. 15 Prozent der 5800 Anleger müssen persönlich oder schriftlich ihre Stimme abgeben, von den Votierenden müssen 75 Prozent ihr Ja-Wort geben.

Ein Selbstläufer wird das nicht, weiß Hans-Joachim Watzke. Der ehemalige Schatzmeister des BVB, seit einigen Wochen als Gesellschafter der KGaA im Amt, spricht von einer "fünfzig-zu-fünfzig-Situation. Wir kämpfen um jede Stimme." Die Folgen einer Verweigerung wären dramatisch: Der Klub, der seit über einem Jahr am Abgrund wandelt, würde endgültig abstürzen. "Unser ganzes Gläubigerpaket ginge uns flöten", sagt Watzke, "wir müssten unverzüglich Insolvenz anmelden."

Wobei der im Gesetz verankerte Begriff unverzüglich interpretierbar ist: Während Watzke davon spricht, im Misserfolgsfall am nächsten Tag beim Amtsgericht vorstellig werden zu wollen, geht Klubchef Reinhard Rauball von einem Zeitfenster von bis zu drei Wochen aus. Wie auch immer der Konzern Borussia Dortmund abgewickelt würde, der Erstligabetrieb wäre nicht mehr zu halten. "Es gibt keinen Plan B", betonte Watzke gestern erneut. Bei einer Insolvenz gäbe es keine Lizenz für die kommende Spielzeit.

Der Weltpokalsieger von 1997 würde in die Oberliga zurückgestuft. Morgen müssen die Unterlagen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingereicht werden, bevor sie auf den Weg gebracht werden, wartet ganz Dortmund auf einen positiven Bescheid aus Düsseldorf. Watzke geht davon aus, "bei einer Zustimmung auf alle Fälle die Lizenz zu bekommen". Sein Klub habe im Plan für die kommende Spielzeit keine Transfererlöse und keine Einnahmen aus dem internationalen Geschäft einkalkuliert. Zudem seien die Personalkosten für den Lizenzspielerkader von annähernd 60 Millionen auf knapp 28 Millionen Euro gedrückt worden. "Konservativer und realistischer", sagt Watzke, "kann man nun wirklich nicht wirtschaften."

Darüber, ob Michael Meier bei einem Überleben weiter auf der Kommandobrücke stehen wird, gehen die Meinungen auseinander. Viele fordern, den im Juni auslaufende Vertrag des neben dem Ex-Präsidenten Gerd Niebaum Hauptschuldigen des Finanzdebakels nicht zu verlängern. Nach Niebaum müsse auch Meier ausgetauscht werden, um mit neuem Personal verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Während Rauball beim BVB zur Fraktion gehören soll, die Meier weiter stützt, macht Watzke keinen Hehl aus seiner kritischen Einstellung gegenüber seinem Geschäftsführer-Kollegen.

Öffentlich hält sich der Unternehmer zurück, "weil es wenig stilbildend wäre, wenn ich mich zu dieser Personalie äußern würde". Bei anderen Themen wird Watzke deutlicher: So spricht er im Zusammenhang mit der von der "Süddeutschen Zeitung" veröffentlichten Entlohnung des Wirtschaftsprüfers Jochen Rölfs in Höhe von 300.000 Euro monatlich von einer "Fantasiesumme". Rölfs werde "aufwandsbezogen" entschädigt. Der genannte Betrag sei "definitiv falsch", das tatsächliche Salär liege "wesentlich niedriger".

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