Equity Seat Rights
US-Teams verkaufen die besten Plätze

College-Football ist in den USA ein Volkssport. Trotzdem brauchen viele Hochschulen dringend Geld, um ihre Sportstätten zu renovieren. Einige US-Universitäten setzen darum auf ein neues Finanzierungsmodell - und verkaufen das Sitzrecht in ihren Stadien gleich für mehrere Jahrzehnte. Das Modell könnte ein Vorbild für andere Sportarten sein.
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NEW YORK. Die Idee kam Lou Weisbach in Las Vegas. Für ein Baseball-Team der Stadt brach plötzlich die Finanzierung weg. Der Bürgermeister bat Weisbach als Chef des Stadionfinanzierers Stadium Capital Financing Group um Hilfe. „Wir waren beim Brainstorming in einem Konferenzraum, als es uns irgendwann dämmerte: Wir verwandeln die Sitze im Stadion in eine Art Eigentumswohnung“, erinnert sich der Unternehmer.

„Equity Seat Rights“ heißt diese neue Art der Stadionfinanzierung, mit der Weisbach nun die Kassen von Sportmannschaften auf der ganzen Welt füllen will. Die Methode eignet sich für Baseball genauso wie für Fußball, Hockey und Basketball – aber auch für Opern- und Balletthäuser. Wer ein Equity Seat Right kauft, erwirbt nicht nur das Recht, über Jahre oder Jahrzehnte hinweg die regulären Spiele seiner Lieblingsmannschaft von einem bestimmten Platz aus zu sehen. Wie bei einer Eigentumswohnung kann der Käufer seinen Sitz auch vermieten, vererben oder gewinnbringend weiterverkaufen.

Zwei Hochschulen in den USA haben sich im September als eine der ersten für dieses Modell der Finanzierung entschieden: Die Universität von Kansas und die Universität von Kalifornien in Berkeley. Die Hochschulen brauchen dringend Geld, um ihre Sportstätten zu renovieren oder auszubauen. Nach der Wirtschaftskrise reichen die klassischen Einnahmequellen – meist eine Mischung aus Steuergeldern, Krediten und Sponsoring durch Unternehmen – nicht mehr aus.

Nur 125 Mio. Dollar konnte die kalifornische Universität über herkömmliche Fundraisingprogramme akquirieren. Die Stadionrenovierung kostet ein Vielfaches. Um die fehlende Summe aufzutreiben, setzt die Hochschule nun auf das Programm von Lou Weisbach. 3 000 Plätze will sie verkaufen und damit bis zu 270 Mio. Dollar auftreiben. Ein Sitz kostet – je nach Lage und Art der Bezahlung – maximal 220 000 Dollar für eine Laufzeit von 50 Jahren und mindestens 40 000 Dollar für 40 Jahre.

Der britische Fußballerstligist Tottenham Hotspur könnte der erste Profiverein werden, der das Eigentum an seinen Sitzen verkauft. Am Montag verkündete der Klub die ersten konkreten Pläne für den Neubau seines Stadions. 56 000 Plätze soll die neue Arena an der White Hart Lane umfassen – 20 000 mehr als bisher. Um die Baukosten von umgerechnet rund 440 Mio. Euro zu finanzieren, setzt der Verein auf innovative Konzepte – und hat dabei auch den Sitzplatzverkauf nach amerikanischem Vorbild im Blick. Im Internet diskutieren die Manager des Klubs bereits mit den Anhängern über die Ausstattung der Sitze und den Preis.

Für den durchschnittlichen Sportfan ist der Eigentumssitz angesichts der hohen Kosten allerdings weniger interessant. „Das Angebot richtet sich vor allem an Unternehmen und Wohlhabende“, räumt Weisbach ein. Sie könnten steuerliche Abschreibungen von bis zu 70 Prozent geltend machen.

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