Erfolg für die Staatsanwaltschaft
Ex-HR-Sportchef Emig wieder in Haft

Der unter Korruptionsverdacht stehende führere Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), Jürgen Emig, ist wieder in Haft genommen worden. Das Amtsgericht Frankfurt am Main gab einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Freilassung vom Freitag statt und erweitere außerdem den Haftbefehl.

HB FRANKFURT/LEIPZIG. Emig werde nun auch Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen, teilte das Amtsgericht mit. Der vom HR gekündigte 59-Jährige soll für die Übertragung von Sportereignissen insgesamt 400 000 Euro Schmiergelder kassiert haben. In Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre sitzt auch der Fernseh-Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, in Untersuchungshaft. Auch er soll Sendezeit "verkauft" haben - unter anderem an den hessischen Energiedienstleister Techem. Auch er ist von seinem Arbeitgeber entlassen worden.

Unterdessen berichtet die Zeitung "Die Welt", dass es in den vergangenen fünf Jahren beim MDR mehrfach Hinweise auf Schmiergeldzahlungen sowohl im eigenen Hause als auch bei anderen ARD-Sportredaktionen gegeben hat, die aber sämtlich nur unzureichend beachtet worden seien. Den Anfang mache ein brisantes Papier aus dem Jahr 2000, das ihr vorliege, so die "Welt". Dabei handelt es sich um einen Brief des damaligen MDR-Verwaltungsdirektors Rolf Markner an die Tochterfirma MDR-Werbung, in dem der hochrangige Mitarbeiter um Aufklärung über dubiose Einnahmen von ARD-Sportchefs bittet.

Markner schrieb, es stelle sich die die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass Sportredakteure oder Sportchefs der einzelnen ARD-Anstalten sich nach der Devise "eine Hand wäscht die andere" gegenseitig über den Abschluss von Sponsoringverträgen zusätzliche Einkünfte verschafften.

Markner, so die "Welt", sei damals auf die "heiße Spur von Leipzig nach Frankfurt gestoßen: Ihm seien dubiose Rechnungen der von Mohren verantworteten MDR-Sendung "Sport im Osten" aufgefallen, die eine Firma namens "A Killi Production" gestellt habe. Geschäftsführerin dieser Firma war die Ehefrau des ARD-Sportreporters und HR-Redakteurs Emig. 135 000 D-Mark seien damals an "A Killi" geflossen. Der MDR bestätigte die Existenz des Schreibens, konnte jedoch nicht erklären, warum der Brief nicht an die "zuständigen Stellen" weiter geleitet worden sei.

Im Jahr 2004, so die "Welt" weiter, geriet Mohren erneut unter Korruptionsverdacht geraten. Das Magazin "Focus" habe damals über eine anonyme Strafanzeige gegen Mohren berichtet, in der der Sportjournalist bezichtigt wurde, Sendeminuten auf eigene Kasse zu verkaufen. Der MDR habe diesen Vorwurf damals zurückgewiesen, es sei zu einem außergerichtlichen Vergleich gekommen. MDR-Sprecher Erik Markus habe die Vorwürfe damals als "in höchstem Maße unseriös" bezeichnet. Die Vorwürfe seien damals zwar geprüft worden, die eigentlich zuständige Innenrevision des Senders sei dabei aber außen vor geblieben. Unregelmäßigkeiten habe der MDR damals nicht feststellen können.

Ein weiterer Hinweis, so die "Welt" weiter, datiere ebenfalls aus dem Jahr 2004 und sei vom MDR ebenfalls missachtet worden: MDR-Mitarbeiter hätten sich an den sächsischen Landtagsabgeordneten Heiko Hilker gewandt, der für die PDS im Rundfunkrat der Anstalt sitzt. Die Mitarbeiter hätten Sendepläne mit auffälligen Vermerken vorgelegt, in denen es etwa "Minimum 1'30 - Wilfried" oder "Zusage von Wilfried = 40'' in MDR aktuell" heiße. Als Hilker Auskunft forderte, sei er von MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Vietze mit den Worten abgeblockt worden, gekaufte Sendezeit gebe es bei dem Sender nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%