sonstige Sportarten
Essen und Wallau erhalten keine Lizenz

Tusem Essen und die SG Wallau-Massenheim müssen sich aus der Handball-Bundesliga verabschieden. Beide Traditionsklubs erhielten keine Lizenz und müssen den bitteren Gang in die Regionalliga antreten.

Bei Tusem Essen und der SG Wallau-Massenheim sind in der Handball-Bundesliga die Lichter ausgegangen. Beide Traditionsvereine steigen zwangsweise in die Regionalliga ab. Das Ständige Schiedsgericht der Lizenzvereine verweigerte Ex-Meister Essen in der letzten sportrechtlichen Instanz die Spielerlaubnis für die Saison 2005/2 006, ehe der frühere Champion Wallau bei der entscheidenden Verhandlung in Minden ein bislang nicht bekannt gewesenes Insolvenz-Verfahren einräumen musste und daraufhin auch seinen Antrag auf Lizenzerteilung zurückzog.

Damit müssen EHF-Cup-Sieger Essen und der ehemalige IHF-Cup-Gewinner Wallau einen Neuanfang in der Regionalliga starten. Der Tusem gehörte der Eliteklasse seit 26 Jahren an und belegt in der "ewigen" Bundesliga-Tabelle hinter dem THW Kiel und Rekordmeister VfL Gummersbach den dritten Platz, die SG spielte 19 Jahre im Oberhaus und ist die siebtbeste Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte.

"Macher" Schorn tief getroffen

Klaus Schorn, seit 1946 als damals 12-Jähriger Mitglied und seit 1976 Leiter der Handball-Abteilung in Essen, traf das Urteil des Schiedsgerichts nach fünfstündiger Sitzung in Minden bis ins Mark. "Die HBL soll eigentlich Rat geben und helfen. Aber tatsächlich ist das kein Verein, sondern ein Haifischbecken. Dass Eigeninteressen im Spiel sind, das weiß doch jeder." Der sportliche Leiter Hans-Dieter Schmitz war total geschockt: "Das ist ein schwarzer Tag. Er ist schlimm für die ganze Region, da wieder hochzukommen, ist ganz, ganz schwierig."

Schorn, der Alleinherrscher und Patriarch, kam mit seinem Verein finanziell in die Bredouille, da der Hautsponsor (Weinerplan) die vertraglich zugesicherten Gelder in Höhe von 2,77 Mill. Euro nicht zahlte. Schorn hat "seinem Klub" aus seinem Privatvermögen beträchtlich unter die Arme gegriffen. Bis auf zwei Monate haben die Spieler ihre Gehälter erhalten.

Während für Wallau nach dem Rückzug seiner Lizenz-Anträge voraussichtlich keine weiteren Rechtsmittel mehr möglich erscheinen, kann Essen noch in zweiter Instanz vor dem Landgericht Dortmund die Lizenz anstreben. Doch nach der Tendenz und dem Verlauf im ersten Verfahren, per einstweiliger Verfügung die Startberechtigung zu erlangen, ist die Chance eher gering.

Anschließend könnte Tusem zwar auch noch das Oberlandesgericht Düsseldorf als nächsthöheres ordentliches Gericht anrufen. Allerdings verspricht auch diese Option alleine schon wegen des Zeitfaktors wenig Aussicht auf Erfolg, da die Saison am 3. September beginnt. Schorn: "Was wir jetzt unternehmen, darüber muss ich erst mal schlafen."

Bundestrainer Brand bedauert Zwangsabstiege

"Es ist bitter, dass mit Essen und Wallau, denn beide Vereine gehören ins Erscheinungsbild der Bundesliga. Persönlich leid tut es mir für Klaus Schorn und Bodo Ströhmann, die sehr, sehr viel in ihre Klubs investiert haben", erklärte Bundestrainer Heiner Brand. Auch Manager Uwe Schwenker vom Meister THW Kiel bedauerte die Entscheidung: "Aber wir müssen dokumentieren, dass wir ein seriöser Partner für Wirtschaft, Sponsoren und Fans sein müssen. Der bezahlte Sport braucht ein wirtschaftlich gesundes Rückgrat."

Wallau scheiterte bei der entscheidenden Verhandlung in Minden nicht wegen seiner 1,36 Mill. Euro Schulden, sondern vor allem aufgrund eines schon Anfang April gestellten und bislang verheimlichten Insolvenz-Antrages. "Die Politik hat uns im Regen stehen lassen", erklärte SG-Chef Hans-Dieter Großkurth zwar. Der Schiedsgerichts-Vorsitzende Rolf Nottmeier (Minden) stellte nach der dreistündigen Farce allerdings klar: "Ich habe Wallau aufgrund des Antrages auf Insolvenz nahegelegt."

Die Hessen verfügten zuletzt nach zahlreichen Abgängen nur noch über fünf Spieler. Trainer Martin Schwalb, eigentlich 2008 beim 1975 gegründeten Klub unter Vertrag, wechselt zur HSG D/M Wetzlar.

"Keine Entscheidung unter Zweifel"

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann meinte zum "Fall Essen", es sei "keine Entscheidung unter Zweifel" gewesen: "Unsere Rechtsposition ist bestätigt worden. Es gibt keine Verschwörungstheorie oder Befangenheit, sondern es gibt Regeln, die müssen eingehalten werden."Über Wallau hätten sich Diskussionen aufgrund des Insolvenz-Antrages erübrigt.

Seit Einführung des Lizenierungsverfahrens hatte es zuvor in der Bundesliga noch keinen Lizenzentzug gegeben. Der PSV Hannover (1982/83), der TSV Milbertshofen (1992/93), der OSC Rheinhausen (1997/98) und der TV Niederwürzbach (1998/99) traten aus wirtschaftlichen Gründen während oder nach der Saison den Rückzug an.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%