Ex-Tennisstar: Beckers letzte Chance

Ex-Tennisstar
Beckers letzte Chance

Im Dezember verpflichtete Tennisstar Djokovic überraschend Boris Becker als Trainer. Für den Ex-Profi ist das die Chance, statt mit seinem Privatleben wieder mit Sport Schlagzeilen zu schreiben – wenn der Erfolg stimmt.
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DüsseldorfSpott ist für Boris Becker nichts Neues. Sowohl sein Privatleben als auch diverse Werbesprüche haben dem früheren Tennisstar bereits einige Lacher auf seine Kosten eingebracht. Neu ist nur, dass er Spott seit neustem auch für sportliche Aktivitäten erhält. Nachdem ihn der Weltranglistenzweite Novak Djokovic überraschend als Trainer verpflichtet hatte, begannen die Lästereien über das Engagement. Beckers Ex-Kollege äußerte etwas ungläubig: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er künftig 30 Wochen im Jahr unterwegs ist. Aber Novak wird sich dabei etwas gedacht haben.“

Auch beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, das derzeit in Melbourne stattfindet, muss der Wimbledon-Sieger von 1985 spitze Kommentare ertragen – unter anderem vom Weltranglistenersten. „Im Moment denke ich an John McEnroe für mich“, kommentierte Rafael Nadal auf einer Pressekonferenz den Trend, frühere Tennis-Profis als Trainer zu verpflichten.

Doch Boris Becker schwieg zu den Anspielungen, den Anfeindungen, den amüsierten Kommentaren. Statt sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu äußern, konzentrierte sich Becker auf das, was auf dem Platz geschieht. Und siehe da: Novak Djokovic, auch der „Djoker“ genannt, gewann prompt das erste Turnier mit seinem neuen Trainer in Abu Dhabi. Auch in Melbourne zog er ohne Probleme in die nächste Runde ein.

Auf Twitter gehen Bilder aus Melbourne um, die einen stets sehr konzentrierten Boris Becker zeigen. Sowohl beim Training...

...als auch bei den Spielen, wie hier in der ersten Runde.

Selbst bei seinem Jubel blieb der 46-Jährige fokussiert.

Es ist ein anderer Boris Becker als der Lebemann, der den Boulevard seit Jahren mit Neuigkeiten aus seinem Privatleben füttert. Es ist auch ein anderer Becker als der 17-jährige Jungspund, der vor 29 Jahren als jüngster Teilnehmer der Geschichte in Wimbledon gewann. Der Trainer Becker wirkte bei seinen ersten Auftritten in Melbourne professionell, nüchtern, konzentriert. „Es war ein sehr natürliches Gefühl, es ist ein vertrautes Gefühl für mich“, sagte Becker am Montag nach dem Sieg von Djokovic gegen den Slowaken Lukas Lacko.

Für den Ex-Tennisspieler ist das Engagement beim „Djoker“ auch seine möglicherweise letzte Chance, den ewigen Spott hinter sich zu lassen, und die Öffentlichkeit wieder mit sportlichen Erfolgen zu überzeugen. Vielleicht hat er sich deshalb selbst dazu entschieden, den Serben zu allen wichtigen Turnieren zu begleiten. Djokovic hatte dem Vernehmen nach nur wochenweise mit Beckers Hilfe gerechnet. Seinen Fokus will Becker auf Taktik, Einstellung und Psychologie legen. „Wenn ich dem Djokovic noch einmal die Vorhand beibringen müsste, dann wäre was falsch“, so der Ex-Profi. Die ersten Erfolge sprechen für seine Methoden, auch, wenn die großen Prüfungen noch ausstehen.

Allerdings wirkt die lange Zeit, in der Becker eher mit seinem Privatleben und Duellen gegen Oliver Pocher auf sich aufmerksam machte, offenbar noch nach. Mercedes-Benz kündigte den Vertrag mit Boris Becker noch vor Ende der Laufzeit. Der Ex-Tennisstar warb knapp zwei Jahre lang für den Autohersteller. Der Grund für das Vertrags-Aus ist unklar. Allerdings soll ein Image-Verlust Beckers ein Grund für die Trennung zum Jahreswechsel gewesen sein.

Als Trainer von Novak Djokovic kann sich Becker seinen Ruf im Tennis-Business zurückerobern. Er scheint auf einem guten Weg dorthin. Klar ist aber, dass der 46-Jährige auch ohne Erfolge keinen Deut auf die Meinung anderer gibt. Auf die Frage, ob er überrascht gewesen sei, dass viele verwundert auf sein Engagement beim „Djoker“ reagiert hätten, antwortete Becker nur: „Man wundert sich seit 46 Jahren über mein Leben.“ Und twitterte aus Melbourne nicht nur vom Tennisplatz, sondern wie gewohnt auch aus seinem Familienleben.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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