Ex-Verteidigungsminister will Chef der Radfahrer werden
BDR: Scharping ist ein "Traumkandidat"

Den ehemaligen Verteidigungs-Minister und Kanzler-Kandidaten drängt es wieder in die Öffentlichkeit und in eine möglicherweise heikle Funktion. Rudolf Scharping, Bundestags-Abgeordneter und Gast-Professor in Boston, hat seine Ambitionen auf den Posten des Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bestätigt.

HB BERLIN. Scharping stellt sich am 19. März den 16 Landesverbänden zur Wahl. Sollte er sich gegen Max Benz (Freiburg) durchsetzen - woran niemand zweifelt - würde Scharping Nachfolger der im Vorjahr zurückgetretenen Sylvia Schenk. Führungs-Qualitäten im Sport bewies er 17 Jahre lang bereits als Vorsitzender des Fußball-Clubs SG Eintracht Lahnstein.

BDR-Vize Dieter Kühnle nannte den SPD-Politiker am Donnerstag einen "Traumkandidaten". Der seit Jahrzehnten begeisterte Radsport- Sportler und Tourmalet-Bezwinger erwartet an der Spitze des Verbandes, der sich in der Vergangenheit immer öfter auch mit Doping- Problemen vor der eigenen Haustür und mit internen Krächen auseinander setzen musste, eine "reizvolle Aufgabe". Drahtzieher Kühnle hatte Scharping angesprochen.

Der etwas in Vergessenheit geratene Politiker hatte einen Monat überlegt und sich dann bei der Cross-WM in St. Wendel am vergangenen Wochenende bereit erklärt: "Es kamen schon viele zustimmende Mails, auch Erik Zabel hat sich gemeldet", sagte der 57-Jährige, der 2002 von seinem Amt als Verteidigungsminister zurücktreten musste.

"Die Präsidentschaft stelle ich mir als reizvolle Aufgabe vor. Ich kenne den Sport von der politischen Seite und werde dem Vorstand meine Vorstellungen am 19. Februar darlegen. Vorher möchte ich über meine Ziele als möglicher BDR-Präsident noch nicht sprechen", erklärte Scharping am Donnerstag. Weitere sportpolitische Ambitionen habe er nicht: "Weder im Deutschen Sportbund noch im Internationalen Radsport-Verband UCI", sagte Scharping, der die angestrebte Fusion zwischen DSB und NOK begrüßt: "Das wäre effizient und würde den gesamten deutschen Sport schlagkräftiger machen."

"Er ist kompetent, hat Beziehungen, politische Erfahrung und ist bekannt. Er ist der ideale Mann für unseren Neubeginn", schwärmte Kühnle, der den ehemaligen Minister schon lange als neuen Präsidenten im Visier hatte, auch weil er bei Sponsoren Tore und Türen öffnen soll. Der Reiz nach mehr Öffentlichkeit sei für Scharping nicht die Triebfeder, den neuen Job anzusteuern: "Die öffentliche Wahrnehmung meiner Person wird sich höchstens ein wenig ändern in diesem Amt, in dem Teamgeist mehr zählt als in der Politik."

Nach dem Rücktritt Sylvia Schenks, der von einigen verbalen Auseinandersetzungen begleitet war, füllt der ehemalige Sportwart Fritz Ramseier (67) das Präsidenten-Amt im BDR mit mehr oder weniger großen Erfolf aus. Scharping ("Nach der Skandal-Tour 1998 greift der Radsport in Doping-Fragen jetzt durch") will ihn beerben und den Verband mit ruhiger Hand aus den Negativ-Schlagzeilen manövrieren.

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