Exekutivkomitee empfiehlt Reaktion auf Fehlverhalten: IOC-Spitze will zwei Prominente ausschließen

Exekutivkomitee empfiehlt Reaktion auf Fehlverhalten
IOC-Spitze will zwei Prominente ausschließen

Die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) muss Anfang Juli in Singapur über den Ausschluss von zwei prominenten Mitgliedern entscheiden. Das IOC-Exekutivkomitee empfahl am Donnerstag in Turin, seinem wegen Korruption und Veruntreuung rechtskräftig zu zwei Jahren Gefängnis verurteilten die Mitgliedschaft zu entziehen.

HB TURIN. "Kim hat die ethischen Regeln des IOC verletzt und damit der olympischen Bewegung geschadet", begründete IOC-Sprecherin Giselle Davis die Entscheidung der Exekutive, die damit der Empfehlung ihrer Ethikommission folgte.

Vor dem Südkoreaner hatte die Exekutive bereits den Ausschluss des wegen "unethischen Verhaltens" empfohlen. Für den Entzug einer Mitgliedschaft ist in der Vollversammlung eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich.

Kim ist vom IOC bereits vor einem Jahr bis zu einer endgültigen Entscheidung suspendiert worden. Der 73-Jährige war im Juni 2004 wegen Korruption und Veruntreuung verurteilt worden. Die Strafe wurde im September in der Berufungsinstanz wegen des Alters und der angeschlagenen Gesundheit Kims um ein halbes Jahr auf zwei Jahre Gefängnis abgemildert. Mitte Januar wies der Oberste Gerichtshof Südkoreas Kims Revision gegen das Urteil zurück.

Kim wurde für schuldig befunden, seine Ämter missbraucht und 3,3 Milliarden Won (2,4 Millionen Euro) an öffentlichen Sportfördergeldern veruntreut zu haben. Außerdem soll er als früherer Präsident des Taekwondo-Weltverbandes (WTF) und in anderen Spitzenämtern verschiedener Sportorganisationen 788 Millionen Won an Bestechungsgeldern angenommen haben. Unter anderem soll er damit seine Wahlkampagne für die IOC-Präsidentschaft finanziert haben. Der Südkoreaner hatte 2001 die meisten Stimmen hinter dem Belgier Jacques Rogge erhalten. Kim hat vor dem IOC und in allen Prozessen seine Unschuld beteuert und seine Verurteilung als "grundlos und politisch motiviert" bezeichnet.

Ebenfalls zu Unrecht verfolgt sieht sich Slawkow. Dem 64 Jahre alten Bulgaren wird das "unethische Verhalten" im Zusammenhang mit dem Vergabeprozess für die Olympischen Spiele 2012 vorgeworfen. Er hatte in einem geheim aufgenommenen Gespräch mit TV-Reportern des englischen Senders BBC zu verstehen gegeben, dass seine Stimme käuflich sei und er weitere Voten "besorgen" könnte. Die IOC - Exekutive hatte Slawkow vor den Olympischen Spielen im August vergangenen Jahres suspendiert.

Slawkow will in Singapur kämpfen, um "seinen Namen vom Verdacht der Korruption reinzuwaschen". Ein Sprecher Slawkows hatte in Sofia auch deutlich gemacht, dass der Multifunktionär seine Ämter als Präsident des Nationalen Olympischen Komitees sowie des Fußball-Verbands in Bulgarien nicht aufgeben werde. Bei einer Abstimmung über Kim kann sich Rogge der notwendigen Ausschlussmehrheit nicht sicher sein. Der einst mächtige Sportfunktionär ist schon jetzt dabei, seine IOC-Kollegen auf seine Seite zu ziehen.

Rogge hatte für unethisches Verhalten im IOC eine "Null-Toleranz-Politik" ausgerufen. Diese hatte das IOC auch im August vergangenen Jahres verfolgt, als der Indonesier Mohamad Hassan nach einer endgültigen Verurteilung wegen Korruption aus dem IOC entfernt worden war. Bereits im Zuge des Bestechungsskandals um den Olympia-Bewerber Salt Lake City hatte das IOC 1999 sechs Mitglieder ausgeschlossen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%