Fechten EM
Deutsche Degenfechter stechen wieder

Bei der Fecht-EM in Kiew hat Martin Schmitt mit dem überraschenden Gewinn der Silbermedaille Hoffnung auf eine bessere Zukunft für die deutschen Degenfechter geweckt.

Martin Schmitt hat mit dem überraschenden Gewinn der Silbermedaille bei den Europameisterschaften in Kiew ein Zeichen gesetzt. Nach der verpassten Olympia-Qualifikation weckte die starke Leistung von Schmitt Hoffnung auf eine bessere Zukunft. "Ich bin richtig happy. Der Erfolg ist jetzt wieder da, das beflügelt", sagte der 27-Jährige aus Tauberbischofsheim nach dem größten Erfolg seiner Karriere.

Das Scheitern in der Olympia-Qualifikation hatte den deutschen Degenfechtern im April einen regelrechten Schock versetzt. Erstmals seit 1952 wird der Deutsche Fechter-Bund (Dfeb) mit der traditionell starken Waffe nicht bei den Olympischen Spielen vertreten sein. "Es ist traurig, dass man im August im Fernsehen zuschauen kann, wie die, die ich heute geschlagen habe, die Medaillen gewinnen", sagte Schmitt nachdenklich. Dazu könnte auch der Ungar Geza Imre zählen, der das Finale mit 15:11 für sich entschied und seinen ersten EM-Einzeltitel feierte.

"Alle vier haben sich hier gut verkauft"

Dass die deutschen Degenfechter die Schmach des verpassten Olympia-Starts nicht auf sich sitzen lassen wollen, bewiesen sie bei der EM eindrucksvoll. "Alle vier haben sich hier gut verkauft. Die Medaille, aber auch die guten Ergebnisse der anderen sind ein Zeichen, dass die Jungs reagiert haben", sagte Bundestrainer Didier Ollagnon.

Im November hatte er das Tauberbischofsheimer Quartett übernommen, trotz einer Aufholjagd fehlten am Ende vier Punkte für das Peking-Ticket. Der Aufwärtstrend ist seither unverkennbar. "Als ich kam, fehlten Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen. Jetzt ist der Respekt der internationalen Konkurrenz wieder da", sagte der Coach.

Norman Ackermann als Fünfter, Sven Schmid als Neunter und Jörg Fiedler auf Rang 21 komplettierten das gute Resultat der Degen-Männer, die sich im Gegensatz zu den meisten Olympiastartern gezielt auf die EM vorbereitet hatten.

Damen bleiben hinter den Erwartungen zurück

Mehr möglich gewesen wäre auch für Säbelfechterin Alexandra Bujdoso, doch die Enttäuschung über das Aus im Achtelfinale hielt sich in Grenzen. "Ich habe ganz gut gefochten. Schade, dass ich gegen Ilaria Bianco so knapp verloren habe", sagte sie nach dem 14:15 gegen die Italienerin, die im Finale der Russin Sophia Welikaja 10:15 unterlag. Zuvor waren bereits die nicht für Olympia qualifizierten Stefanie Kubissa (Dormagen), Doreen Häntzsch (Tauberbischofsheim) und Margerita Tschormakow (Bonn) gescheitert.

Bujdoso war die einzige Olympia-Starterin, die am dritten EM-Tag im Einsatz war. Für die Schülerin, bei den Olympischen Spielen das Nesthäkchen im neunköpfigen Team des Dfeb, bedeutete der zwölfte EM-Platz einen Erfolg. Im Vorjahr beim kontinentalen Turnier im belgischen Gent war sie in ersten Runde gescheitert. Nach dem ordentlichen Resultat in der ukrainischen Hauptstadt wird sie sich nun in der Weltrangliste und damit auch der olympischen Setzliste nach vorne schieben. Eine bessere Ausgangssituation für Peking ist die Folge, da sie dort zunächst auf vermeintlich leichtere Gegnerinnen treffen wird.

Viertelfinale in Peking als großes Ziel

Dabei hätte es sogar noch weiter nach vorne gehen können. "Ich habe darauf gewartet, was sie macht, anstatt meinen eigenen Rhythmus durchzuziehen", erklärte Bujdoso. Sollte sie bei ihrer Olympia-Premiere das Achtelfinale erreichen, wäre das für die 18-Jährige aber schon ein Erfolg.

Insgeheim hofft sie in Peking aber aufs Viertelfinale. "Wenn es mit der Auslosung gut läuft, habe ich auch Chancen auf die letzten Acht, vielleicht sogar auf die letzten Vier", sagte Bujdoso, räumte aber ein, dass der Sprung ins Halbfinale einer mittleren Sensation gleichkäme.

Aber die in Budapest geborene Athletin, die von ihrem Vater Imre trainiert wird, ist auch für ihren großen Ehrgeiz bekannt. Sie wird auf eine Überraschung hinarbeiten. Der Überraschungsfechter von Kiew, Martin Schmitt, wird auch ihr nur zuschauen.

© SID

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