Fechten National
Fechter Behr stand vor dem Selbstmord

Matthias Behr, Team-Olympiasieger im Fechten 1976, stand 2002 vor dem Selbstmord. Ein tödlicher Unfall im Gefecht mit Wladimir Smirnow gab den Ausschlag für Depressionen, so Behr.

Fecht-Olympiasieger Matthias Behr stand im Frühjahr 2002 dicht vor dem Sprung von einer Autobahnbrücke, ein Bein hatte er schon über das Geländer geschwungen. "Es geschah alles wie hinter einem finsteren Schleier. Ich war bereit zu springen, ohne jede Emotion", sagte er der Mainpost.

Ein Geistesblitz rettete Behr damals das Leben: "Plötzlich dachte ich an irgendwelche Kinder, die ich durch mein Sterben hätte schädigen können. Es war ein winziger Funke Rest-Vernunft, weiß der Himmel, woher." Inzwischen ist es besser geworden. "Ich habe es im Griff", sagte Behr dem SID. Er ist mittlerweile Internatsleiter des Olympiastützpunktes Tauberbischofsheim.

Am 19. Juli 1982 hatte eine "Attaque simultanee", ein gleichzeitiger Angriff, im Mannschafts-Viertelfinale der WM in Rom zur Katastrophe geführt. Behrs abgebrochenes Florett durchstieß die poröse Fechtmaske seines Gegners Wladimir Smirnow und drang über das Auge ins Hirn ein. Der Olympiasieger von 1980 starb wenig später.

"Ich habe viel Lebenskraft gelassen"

Behr versank fortan immer wieder in Vorwürfen, Zweifeln und Depressionen "Ich ließ die Rolladen runter, wollte nur noch im Dunkeln sitzen", sagte er der Mainpost: "Ich habe viel Lebenskraft gelassen, um das alles zu verarbeiten."

Es scheint gelungen, inzwischen muss Matthias Behr nur noch zweimal pro Jahr zum Psychologen: "Was mir den größten Schub gebracht hat, war der Besuch einer Anstalt in der Nähe von München. Als ich gesehen habe, wie dort Männer, um wieder zu sich zu finden, Gegenstände geknetet haben, habe ich nur gesagt, ich gehe nicht in eine geschlossene Abteilung."

© SID

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