Fechten WM
Deutsche Fechter erleben Debakel

Die deutschen Fechter haben zum Auftakt der WM in Turin einen Fehlstart hingelegt. Sowohl Florett-Vizeweltmeisterin Anja Müller als auch Säbelfechter Dennis Bauer blieben unter ihren Erwartungen.

Der Auftakt der Fecht-WM in Turin ist für die deutschen Athleten nicht nach Plan verlaufen. Für Florett-Vizeweltmeisterin Anja Müller war nach ihrer knappen Niederlage im "Sudden Death" (10:11) gegen die international unbekannte Russin Adia Tschanajewa bereits im Achtelfinale Endstation. "Säbler" Dennis Bauer verpasste ebenfalls die anvisierte erste Medaille für den Deutschen Fechter-Bund (Dfeb). "Eigentlich haben wir aber auch nicht viel mehr erwartet. Aber es wäre natürlich schon schön gewesen, wenn Anja Müller in die Runde der besten Acht eingezogen wäre", meinte Dfeb-Präsident Gordon Rapp.

Vor allem Müller war nach ihrem frühzeitigen Aus untröstlich. "Wenn ich den letzten Treffer setze, bin ich der Held. So bin ich jetzt der Willi. Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich weiß ja, wie knapp es immer zugeht. Tschanajewa war extrem aggressiv und hatte keinen Respekt, sagte die 29-Jährige, der auch die frenetischen Anfeuerungsrufe ihres Freundes Lars Schache am Rande der Planche im Oval Lingotto, der olympischen Eisschnelllauf-Halle, nicht helfen konnten.

Bundestrainer Weißenborn selbstkritisch

Auch Bundestrainer Ingo Weißenborn unterdrückte seinen Ärger über das unnötige Scheitern seiner besten Athletin nicht. "Ich bin sehr traurig. Anja hat ihre Gegnerin am Ende noch aufgebaut. Sie hätte das Gefecht auf jeden Fall für sich entscheiden können", sagte Weißenborn, der sich alledings auch selbst überprüfen wollte: "Auch ich muss überlegen, ob ich alles richtig gemacht habe."

Während sich Müller nach der enttäuschenden Pleite an die eigene Nase fasste, hatte die gebürtige Leipzigerin Katja Wächter nach ihrem Aus in der Runde der letzten 32 gegen Lokalmatadorin Giovanna Trillini (8:15) den Sündenbock schnell ausfindig gemacht: Wächter wollte sich den erstmals bei einer WM eingesetzten Videobeweis als taktisches Mittel zunutze machen, bekam vom Obmann aber offenbar keine Rückmeldung. "Der Schiedsrichter hat nur ganz kurz den Kopf gesenkt und gesagt, dass seine Entscheidung schon in Ordnung geht", sagte die 24-Jährige. Neben Wächter musste auch Carolin Golubitskyi (Tauberbischofsheim) bereits in der Runde der letzten 32 gegen die Italienerin Margherita Granbassi (5:6) die Waffen strecken. Golubitskyi konnte sich damit trösten, dass sich Granbassi im italienischen Final-Duell mit Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Valentina Vezzali mit 7:6 im "Sudden death" ihr erstes WM-Gold sicherte.

Grippegeschwächter Limbach unterliegt

Unterdessen erlebten auch die Säbelherren bis auf Bauer eine schwere Pleite. Der Koblenzer erreichte zumindest das Viertelfinale und verfehlte somit nur knapp eine Medaille. Der grippegeschwächte Weltranglistensechste Nicolas Limbach (Dormagen), Björn Hübner (Tauberbischofsheim) und Christian Kraus (Eislingen) waren dagegen bereits in der ersten Runde ausgeschieden. "Ich bin jetzt seit zwei Jahren in den Top zehn der Weltrangliste und habe in diesem Jahr den am stärksten besetzten Weltcup gewonnen. Trotz meiner Grippe hatte ich natürlich mehr erwartet als in der ersten Runde zu scheitern", sagte Limbach. Zum vierten Mal den WM-Titel gewann der russische Atlanta-Olympiasieger Stanislaw Pozdniakow nach einem 15:11 gegen den Weltranglistenersten Zsolt Nemcsik (Ungarn).

© SID

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