Fechten WM
Dfeb zeigt sich mit WM zufrieden

Nach der Bronzemedaille der Degendamen am letzten Turniertag hat die deutsche Delegation ein überwiegend positives Resüme der Fecht-WM im türkischen Antalya gezogen.

Am Ende jubelte Britta Heidemann doch noch ausgelassen. Die Bronzemedaille zauberte wieder ein Lächeln ins Gesicht der Olympiasiegerin. "Zum Glück muss ich nicht ohne eine Medaille nach Hause. Hut ab, wir können stolz auf uns sein", sagte die "First Lady" des Degenfechtens nach dem 45:35 gegen Frankreich im Gefecht um Mannschafts-Bronze. Der fünfte dritte WM-Rang für das deutsche Quartett in Serie seit 2005 polierte die recht gute Bilanz des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb) noch etwas auf.

Imke Duplitzer ließ einen gewaltigen Urschrei los und gönnte sich eine Dose Bier, Monika Sozanska und Marijana Markovic hüpften auf der Planche herum. Die Bilder von einer Stunde zuvor waren da schon fast vergessen. Heidemann war nach dem 28:29 im Halbfinale gegen den EM-Zweiten Polen niedergeschlagen von der Bahn geschlichen und hatte sich von den Kolleginnen trösten lassen.

Heidemann: "Das war eine super Mannschaftsleistung"

Im "Sudden Death" hatte Heidemann es unbedingt selbst richten wollen, aber dann den entscheidenden Treffer kassiert. "Es hätte ruhig Gold sein dürfen", sagte die deutsche Ausnahme-Fechterin mit etwas Abstand: "Aber toll, dass es überhaupt noch etwas wurde. Das war eine super Mannschaftsleistung." Den Titel holte Italien. Nach einmal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze herrschte nicht nur Zufriedenheit im deutschen Lager, herbe Enttäuschungen in einigen Disziplinen und ein drohendes Nachwuchsproblem bereiten den Offiziellen akute Sorgen. Das Ergebnis der WM in St. Petersburg 2007 (2-1-3) wurde zudem um ein Gold verfehlt.

"Antalya war absolut zufriedenstellend", sagte der Sportdirektor und Delegationsleiter Manfred Kaspar nach Platz drei im Medaillenspiegel: "Aber ich befürchte, dass unsere Decke arg, arg dünn ist. Wir müssen in jeder Disziplin einen Junioren heranführen, um auf Dauer konkurrenzfähig zu bleiben."

Nachwuchsprobleme bereiten Sorgen

Ein halbes Dutzend Rückschläge und einige enttäuschte Hoffnungen brachten Kaspar nicht von seiner Einschätzung ab. "Dass alle ihre Bestleistungen abrufen, ist unrealistisch. Und Gott sei Dank war Gold dabei, das gibt dem Ergebnis den richtigen Glanz und die nötige Strahlkraft." Säbelfechter Nicolas Limbach sorgte für den einzigen Einzeltitel, gab seiner Mannschaft damit aber keinen Schub. Das Säbelquartett scheiterte in der ersten Runde.

Insbesondere im Herrendegen, wo Bundestrainer Didier Ollagnon während der WM lautstark Alarm schlug und mangelnden Leistungswillen bei der Jugend beklagte, sind Sorgenfalten angebracht. Europameister Sven Schmid ist schon 31, und wenig kommt nach.

Team in der Breite stark

Aber in der Breite sind die deutschen Fechter stark. Platzen große Hoffnungen wie im Damendegen-Einzel oder im Florett, mit drei Medaillen dennoch die erfolgreichste Disziplin, springen andere ein. "Alle waren am Erfolg beteiligt. Das Mannschaftsergebnis war toll, und auch im Einzel war es keineswegs schlecht", sagte Kaspar.

Am Donnerstag wollten Limbach und seine Teamkollegen Max Hartung und Björn Hübner auf das Podest, landeten aber auf dem Hosenboden. Der spätere Weltmeister Rumänien war in der ersten Runde Endstation. "Ich bin total enttäuscht. Ich war heiß und wollte die Jungs führen, das ging schief. Aber uns gehört die Zukunft", sagte Limbach.

"Das Zuschauerinteresse war gleich null"

Einen Impuls für die Sportart brachten die Titelkämpfe in Antalya keineswegs. Desolate Zuschauerzahlen und ein Chaos bei der Organisation verhinderten eine WM-würdige Atmosphäre im fast immer menschenleeren Expo Center. "Das Zuschauerinteresse war gleich null. Ab und an habe ich ein paar Verirrte gesehen", sagte Kaspar.

Der Weltverband FIE muss sich einige unangenehme Fragen gefallen lassen. Um überhaupt akzeptable TV-Bilder der Finalkämpfe liefern zu können, mussten Athleten, Betreuer und Offizielle auf den Tribünen platziert und zum Zusammenrutschen animiert werden. 2010 im prächtigen Pariser Grandpalais soll alles besser werden.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%